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Das hakenkreuzähnliche Symbol

Die Benutzung von Nazisymbolen wird in Angela Merkels Deutschland offenbar doch manchmal verfolgt. Die Frankfurter Rundschau berichtete Ende Januar 2019 davon, dass ein Bauer im hessischen Vogelsbergkreis mit Dung ein „hakenkreuzähnliches Symbol“ auf seinen Acker gemalt habe: die sogenannte Wolfsangel. Die Polizei schritt ein. 

Die Frankfurter Rundschau schreibt über den Bauern und sein mehrere Meter großes „hakenkreuzähnliches Symbol“ Wolfsangel: „Er musste es im Beisein der Beamten wieder unkenntlich machen, zudem wurde Anzeige gegen den Bauern erstattet.“.

Das verwundert etwas, schließlich stellten deutsche Medien und Politiker die „Wolfsangel“ in den letzten Jahren als unproblematisch dar. Der Hintergrund dazu ist, dass ein wichtiges ukrainisches Nazibataillon, das sogenannte Asow-Bataillon, für den Westen an der ostukrainischen Front „gegen den Russen“, also gegen die mehrheitlich russischsprachige Bevölkerung in der Ostukraine kämpft. Dieses Bataillon hat in Anlehnung an die Waffen-SS-Division „Das Reich“ die Wolfsangel als Logo gewählt. Wir sprechen hier nicht vom II. Weltkrieg, sondern von heute.

Die ARD beispielsweise bezeichnete in den Tagesthemen vom 5.9.2014 die Asow-Nazikampftruppen im Osten der Ukraine als „Freiwilligenverbände“ und bot diesen eine Plattform. Gut zu sehen ist in dem Screenshot unten die Flagge der Asow-Neonazis mit dem Nazisymbol „Wolfsangel“.

Am 8.9.2014 hatte das ZDF in der Nachrichtensendung „heute“ in der Ukraine kämpfende Nazis als „Freiwillige“ bezeichnet und unkommentiert Nazisymbole wie das Hakenkreuz, SS-Runen oder die Wolfsangel gezeigt. Als im Video die entsprechenden Bilder gezeigt wurden, wurde lediglich gesagt „[…] Freiwilligenbataillone aus nahezu jedem politischen Spektrum verstärken etwa die Regierungsseite.[…]“.

ARD, ZDF und weiteren Medien dürfte bewusst sein, dass es sich bei diesen Freiwilligenverbänden um Nazis handelt. Verschiedene deutsche und internationale Medien hatten zunächst nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges Entsprechendes über diese Verbände berichtet, bevor auch sie auf die Sprachregelung „Freiwilligenverbände“ übergingen:

In dem Artikel „Das Bataillon Asow. Schmutziger Kampf in der Ukraine: Neonazis im Dienst der Regierung“ schreibt der ansonsten eher „freiwilligenregimentfreundliche“ Focus: „Wie der ‚Telegraph‘ berichtet, schickt das ukrainische Militär das rechtsradikale Bataillon an vorderster Front in den Kampf. In der Stadt Marinka seien die Milizionäre noch vor den Panzern der Armee vorgerückt und hätten einen Checkpoint erobert. ‚Das Wichtigste ist, dass wir einen Brückenkopf für den Angriff auf Donezk geschaffen haben. Und wenn dieser kommt, werden wir vorangehen‘, so Bilezki.“.

Die Schweizer Nachrichtenseite 20min.ch schreibt in einem Dossier mit dem Titel „Ukraine setzt Neo-Nazis gegen Separatisten ein“ unter anderem folgendes: „Beim Kampf in der Ostukraine will die Regierung in Kiew offenbar den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Bekennende Neo-Nazi-Gruppen sind an vorderster Front dabei. Die Bataillone heissen Asow, Dnjepr oder Donbass. Es sind Gruppierungen Rechtsextremer, die im Frühjahr 2014 gegründet wurden und die sich zurzeit im Kampf gegen die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine hervortun.“.

Die Sonntagszeitung (Schweiz. European Newspaper of the Year, immerhin) titelt: „Schweizer Neonazis liefern Geld und Militärkleider an die Front„. Ein Zitat aus dem Artikel: „Im Osten der Ukraine wüten Neonazis. Rechtsextreme Kämpfer der ukrainischen Freiwilligen-Miliz plündern Wohnungen, foltern gefangene Separatisten und verschleppen Medienschaffende. Terror im Namen der Maidan-Revolution. Amnesty International wirft den regierungstreuen Banden gravierende Menschenrechts-Verletzungen vor – unterstützt werden sie auch aus der Schweiz. Recherchen zeigen: Neonazis aus den Kantonen Genf, Waadt, Wallis und St. Gallen pflegen enge Kontakte zu den kämpfenden Extremisten und liefern Geld und Hilfsmaterial an die Front.“.

Rechte Söldner in Ukraine. Kiews Problem in den eigenen Reihen„, titelt n-tv. Zitate aus dem Beitrag: „Die Anschuldigungen Moskaus, dass in der Ukraine Faschisten ihr Unwesen treiben und Russen bedrohen, sind nicht völlig unbegründet. Im ‚Asow Bataillon‘ kämpfen sogar Ausländer dafür, den ‚weißen Mann‘ in dem Land zum Sieg zu führen.“ und „So berichtet die britische BBC über einen schwedischen Scharfschützen, der mit dem sogenannten Asow-Bataillon gegen die Separatisten kämpft. Mikael Skilt sei ein ehemaliger Angehöriger der Schwedischen Armee, auf dessen Kopf mittlerweile ein Preisgeld von 5000 Euro ausgesetzt sein soll. Skilt, der nach eigenen Angaben Kommandant einer Aufklärungseinheit ist, bezeichnet sich selbst als Nationalist. Seine Ansichten gleichen jedoch eher denen eines typischen Neonazis.“.

Die Jüdische Allgemeine fragt in dem Artikel „Ukraine: Mit Nazis gegen Putin. Das ZDF lässt Hakenkreuze auf den Helmen des Asow-Bataillons unkommentiert„: „Wird unsere sogenannte westliche Freiheit in Mariupol nun auch schon von paramilitärischen, faschistischen, der NS-Ideologie anhängenden Einheiten verteidigt? Amnesty International hat den ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk aufgefordert, dem entsetzlichen Treiben der marodierenden Milizen ein Ende zu setzen. Mehr als 40 selbst ernannte Freischärler-Gruppen dürfen derzeit mit Duldung der ukrainischen Führung mit Waffengewalt die viel beschworene nationale Einheit der Ukraine torpedieren.“.

Neonazis im Häuserkampf“ titelt die Frankfurter Rundschau im August 2014. In dem Artikel heißt es: „Die ukrainische Armee rückt im Osten auf Donezk vor und delegiert den Häuserkampf an ein Bataillon von Neonazis. Eine Reportage aus dem Kampfgebiet. […] Mit Beginn dieses Monats ist der Krieg in der Ostukraine in eine neue Phase eingetreten. Die Kämpfe haben die Millionenstadt Donezk erreicht, den Hauptsitz der Rebellen. Das Gefecht im Vorort Marjinka am 4. August hat es gezeigt. Es hat zugleich aber auch etwas anderes gezeigt: Die Rolle jener Freiwillligeneinheiten, die die reguläre Armee stützen. Je mehr sich der Kampf in die Städte verlagert, desto wichtiger werden sie. Das Bataillon Asow ist eine dieser Einheiten, und es ist die auffälligste. Offiziell ist es eine Sondereinheit der Polizei, faktisch geben hier Neonazis und Neuheiden den Ton an. Asow wirkt wie ausgedacht von der Propaganda des Kreml, aber es ist echt.“.

Der Artikel „Udo Lielischkies und ARD-Tagesthemen zeigen umkommentiert Nazisymbole des Bataillon Asow“ des Spiegelkabinett-Blogs zeigt exemplarisch die „Schaffung von edlen Freiwilligen“ durch die Propagandamedien auf. Wortwahl und Bilder werden bewusst gezinkt (wie hier oft trotz Nazisymbolen im Bild):

„Verräterisch schon die Wortwahl von Lielischkies. Die Freiwilligen des Bataillons Asow werden beschossen, sie verteidigen Mariupol. Sie erleiden, werden als passiv handelnde dargestellt. So als hätten sie mit dem Bürgerkrieg gar nichts zu tun, als seien sie Opfer, wehrlos den ‚Separatisten‘ ausgeliefert. Dazu liefert die Kamera Bilder von Kämpfern in einem Schützengraben unter Beschuss. […] Immer wieder werden Kämpfer mit Naziemblemen, wie Hakenkreuz und SS-Runen an ihren Uniformen gezeigt. […] auf dem rechten Ärmel seiner Uniformjacke trägt er das Symbol einer Sondereinheit des Batallions Asow, das Zeichen des ‚Schwarzen Korps‘. Die Bezeichnung ‚Das schwarze Korps‘ geht auf die Zeitschrift der ‚Schutzstaffel der NSDAP‘, besser bekannt unter dem Kürzel ‚SS‘, zurück. […] der das Emblem der ‚SS-Division Totenkopf‘ zeigt. Diese Einheit der SS verrichtete ab 1939 in den zahlreichen Konzentrationslagern des Naziregimes ihren Dienst als Bluthunde Adolf Hitlers. Später dann wurde sie als ‚3. SS-Panzer-Division Totenkopf‘ an der Ostfront eingesetzt und nahm hier an Kämpfen im Gebiet der heutigen Ukraine teil.“.

Eine der Nazischutz-Bestleistungen unserer Propaganda stellte ausgerechnet die vorgeblich linke „taz“ aus Berlin auf, die in den letzten Jahren eine dermaßen linientreue Kriegspropaganda und Verleumdung von Regimekritikern betreibt, dass selbst die BILD-„Zeitung“ sich anstrengen muss, da mitzuhalten. In dem Artikel „Kämpfe um Mariupol in der Ostukraine. Warten auf den Feind“ werden die Nazis nichts als „Nazis“, sondern durchgängig als „Freiwillige“ bezeichnet – Asow und Dnjepr (Dnipro) werden namentlich erwähnt – und das mehrmals. Kritik an den brutalen Nazitruppen? Fehlanzeige.

Insgesamt neun Mal werden in dem taz-Artikel die Rechtsextremen als „Freiwillige“ bezeichnet:

„Freiwillige bei Schirokino, 15 Kilometer östlich von Mariupol.“.

„Damals rückten die ukrainischen Freiwilligen des Asow-Regiments als Erste am Ort des Einschlags an.“

„Die ukrainischen Soldaten und erst recht die Kämpfer der Freiwilligenbataillone würden viele als Besatzer wahrnehmen.“

„Doch ihre eigene Mutter wettert tagtäglich gegen die ukrainischen Soldaten und freiwilligen Kämpfer.“

„Nachdem Mariupol im Sommer wieder in der Hand der Armee und der Freiwilligenverbände war, wurde die Statue des Bolschewikenführers vom Sockel gehoben.“

„Als die ukrainischen Truppen und die Freiwilligenbataillone im Sommer die Stadt von den Separatisten zurückerobert haben“

“Die beiden Kämpfer des Freiwilligenbataillons Dnipro nennen lediglich ihre Kampfnamen, die sie auch über Funk kommunizieren.“

„Doch damit endet schon sein Verständnis für die Einwohner, die den Freiwilligenverbänden ablehnend gegenüberstehen.“

„Ansonsten glänzt der Raum in einem hellen Gelb, das die Freiwilligen nach dem letzten Anschlag über den Ruß gepinselt haben.“

Das durch eine Wolfsangel geschmückte Asow-Bataillon hat beste Verbindungen nach Deutschland und rekrutierte beispielsweise 2017 unter dem „identitären“ Schlagwort „Reconquista“ bei dem Nazi-Musikfestival im thüringischen Themar Nachwuchs für die „russische Front“ . Natürlich ohne Einschreiten der deutschen Behörden (und das, obwohl, zusätzlich zu der Nazithematik, die Werbung von Söldnern in Deutschland illegal ist).

Ende 2017 trafen sich NATO-Militärs mit den Asow-Nazis zur Lagebesprechung. Mitte 2018 inspizierte Angela Merkels Außenminister Heiko Maas unsere Nazitruppen in Mariupol und verbreitete anschließend die von der deutschen BILD-Zeitung, den Asow-Nazis und dem ukrainischen Geheimdienst erstellten Propagandalügen um den Mariupoler Vorort Schyrokyne.

BILD-Reporter und Asow-Intimus Julian Röpcke hatte übrigens bei seiner „Reportage“ aus Schyrokyne vergessen, das vom Asow-Bataillon angebrachte Nazisymbol „88“, welches für „Heil Hitler“ steht, zu verpixeln (Ebenso wie das „Fuck Putin“, welches seine Nazikumpels an einer Hauswand hinterlassen hatten).

azov

Auch ganz doof für die Geschichtsfälscher von BILD: Die Asow-Nazis haben ein Propagandavideo zu ihrer erfolgreichen Attacke auf Schyrokyne (beachte auch „protect Mariupol“) bei Youtube veröffentlicht: „АЗОВ. Наступ на Широкине / AZOV. The Shyrokyne attack“.

Röpcke ist ein gerne gesehener Gast auf den Kiewer Nazipartys des Asow-Bataillons und postete auch schon entsprechende Mitteilungen bei Twitter. Darin präsentierte er stolz das „hakenkreuzähnliche Symbol“ Wolfsangel. Bei der Party mit dabei: Mikael Skillt (Schwedischer Neonazi, Scharfschütze und Massenmörder) und „Thomas C. Theiner“ („We all know Hitler’s only mistake was to not have killed enough Russians.“). O-Ton Bild-Journalist Röpcke bei Twitter: „Großartige Diskussionen!“.

Ähnlich wie die taz bringen auch die Grünen sehr viel Verständnis für die „edlen Freiwilligen“ im Osten der Ukraine auf, ein weiteres Beispiel für die Unterwanderung vorgeblich linker Strukturen durch die Propaganda:

„Ich habe im Juli bewegende Gespräche mit Soldaten und Freiwilligen, mit Bürgerinnen und Bürgern, mit Politikern und Aktivistinnen in Kiew, Charkiw und Slawjansk geführt. Unter ihnen waren Befürworter und Gegner des Euromaidan genauso wie Unterstützer und Kritiker des Präsidenten Poroschenko. Gerade auch denen, die im Osten des Landes um eine bessere Zukunft ringen, möchte ich Gehör verschaffen. Die Ukrainer haben den Pauschalverdacht des Faschismus nicht verdient.“

Nun, der hessische Bauer mit seiner Kuhmist-Wolfsangel hat offenbar den Faschismusverdacht verdient. Wenn das permanente Vorzeigen von Wolfsangeln und Hakenkreuzen und der Schutz der Wolfsangelträger dem eigenen Krieg und der Ermordung von zu Feinden erklärten Ausländern – insbesondere russischsprachigen – dienen, dann ist das in Deutschland seit 2014 de facto straffrei, zumindest für Medien, Politik und „Aktivisten“.

Dass ein Mann ausgerechnet in Hessen wegen Naziaktivitäten verhaftet wird, ist ebenfalls merkwürdig. Schließlich verteidigt die hessische Landesregierung aus CDU und Grünen mit Händen und Füßen mordende NSU-Nazis beziehungsweise Geheimdienstmitarbeiter, die zum Zeitpunkt des Mordes am Tatort, einem Internetcafé in Kassel, waren und dies auch noch im Untersuchungsausschuss zugegeben haben. Der entsprechende Geheimdienstmann hat heute einen ruhigen Job im hessischen Innenministerium…

Bundestag.de: „NSU-Ausschuss rätselt über DNA-Spuren„: „Rätselraten über DNA-Spuren hat die Zeugenvernehmung im 3. Untersuchungsausschuss zum sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU II) unter der Leitung von Clemens Binninger (CDU/CSU) geprägt. 15 Banküberfälle, zwei Sprengstoffanschläge und zehn Morde zwischen 2000 und 2006 werden der Terrorgruppe zur Last gelegt. Doch an keinem der 27 Tatorte seien DNA-Spuren von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gesichert worden – jenen beiden Männern, die sich in Eisenach nach einem Banküberfall in ihrem Wohnmobil selbst umbrachten.“

Junge Welt: „Der Fall Temme„: „Das Oberlandesgericht (OLG) München hält laut Beschluss vom 12. Juli 2016 für glaubwürdig, dass der als Zeuge gehörte Andreas Temme, der damals im Nebenraum saß, keine Schüsse gehört habe – ein Mann, der seine Freizeit im Schützenverein verbringt. Es hält für nachvollziehbar, dass der hessische Verfassungsschützer Temme, der kurz nach dem Mordanschlag das Café verließ, nach dessen Angaben auf der Suche nach dem jungen Besitzer, dreimal an dem Sterbenden vorbeigegangen war, ohne ihn hinter einem Tisch liegen zu sehen. Es hält für glaubwürdig, dass der rund 1,90 Meter große V-Mann-Führer weder die Blutspritzer auf dem 73 Zentimeter hohen Tisch sah, auf den er ein Geldstück für die Computernutzung legte, noch den dahinter liegenden Halit Yozgat.“.

Nachdenkseiten: „Der V-Mann Führer Andreas Temme und die politische/juristische Aufklärung in Form eines Bestattungsunternehmens„: „Als junger Mann trägt der Protagonist aufgrund seiner neonazistischen Gesinnung den Spitzname ‚Klein Adolf’. Dann wird er Geheimdienstmitarbeiter beim hessischen Verfassungsschutz. Er ‚führt’ Neonazis als V-Leute. Er und seine als V-Leute geführten Neonazis sollen Straftaten vor ihrer Begehung verhindern. Seine Vorgesetzten bezeichnen ihn als ausgezeichneten Mitarbeiter. Dieser Mann hat einen ‚siebten Sinn’. Als NSU-Mitglieder in Kassel 2006 den Internetbesitzer Halit Yozgat mit zwei Schüssen in den Kopf hinrichten, sitzt er mittendrin. Kurz nach dem Mord verlässt er seinen Internetplatz und legt ein Geldstück auf den Tisch, der mit Blutspritzern bedeckt ist. Der Besitzer liegt tot hinter dem Schreibtisch. Wenig später wird er sich an nichts erinnern: Weder will er das Internetcafe gekannt, noch Schüsse gehört haben, geschweige denn den schwer verletzten Halit Yozgat hinter seinem Schreibtisch gesehen haben. In den zahlreichen Vernehmungen, erst als Tatverdächtiger, dann als Zeuge bleiben mehr Falschaussagen zurück, als glaubwürdige Einlassungen. Seine Vorgesetzten halten eisern zu ihm, treffen sich mit ihm auf einer Raststätte, machen ihm Mut und erinnern ihn unentwegt an die ‚Kasseler Problematik,’ in der er auch ein bisschen drinstecke. Das Verfahren gegen ihn wird eingestellt. Heute hat er einen ruhigen Job in der Rentenabteilung des hessischen Innenministeriums.“

Frankfurter Neue Presse: „NSU-Mordserie. Verfassungsschützer Temme: Nichts gesehen, nichts gehört.„: „Ex-Verfassungsschützer Andreas Temme war im Kasseler Internetcafé, als dessen Besitzer der NSU-Mordserie zum Opfer fiel. Doch gesehen oder gehört haben will der Mann davon nichts. Das beteuert er auch in seiner zweiten Vernehmung in Wiesbaden. (…) Im Gegenteil, von dem Mord am Donnerstag habe er erst am Sonntag durch das Lesen eines örtlichen Anzeigenblatts erfahren. Allerdings wusste Temme nach Zeugenaussagen schon einen Tag später, mit welcher Waffe das Verbrechen begangen wurde. Und das stand nicht in dem Anzeigenblatt, wie ihm die SPD-Abgeordnete Nancy Faeser vorhielt.“

Taz: „NSU-Bericht bleibt 120 Jahre geheim„: „Der nun zurückgehaltene Bericht soll 30 Belege über Verbindungen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zur hessischen Neo­naziszene zwischen 1992 und 2012 enthalten. Er könnte wichtige Antworten auf die Fragen liefern, wie der NSU Tatorte auswählte und wie er dabei auf die Unterstützung der lokalen Neonaziszene zurückgriff. Antworten, die insbesondere in Hessen interessant sind, wo Verfassungsschützer Andreas Temme, V-Mann-Führer des NSU-Kontakts Benjamin G., sich zum Tatzeitpunkt in genau jenem Internetcafé in Kassel aufhielt, wo Halit Yozgat 2006 ermordet wurde. Herausgekommen ist bereits im hessischen Untersuchungsausschuss, dass das dortige Landesamt schon 1999 Hinweise auf „National Sozialistische Untergrundkämpfer Deutschlands“ hatte.“

Telepolis: „Verfassungsschutz will NSU-Bericht für 120 Jahre wegschließen„: „120 Jahre – für diese Dauer hat das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) von Hessen einen internen Bericht gesperrt, in dem es auch um den NSU-Mord von Kassel und die mögliche Verwicklung seines Mitarbeiters Andreas Temme gehen dürfte. Das schürt einerseits den Verdacht: Was derart lange geheim gehalten werden soll, muss brisant sein. Andererseits kann diese absurde Sperrfrist als Botschaft verstanden werden an die Öffentlichkeit und diejenigen, die weiterhin aufklären wollen: ‚Von uns erfahrt Ihr nichts mehr. Gebt auf!‘ Es ist ein unverblümter Bruch einer Sicherheitsbehörde mit dem Legalitätsprinzip im Rechtsstaat BRD, Ausdruck des verzweifelten Abwehrkampfes gegen die anhaltenden Aufklärungsbemühungen im Mordkomplex NSU.“

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