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Nazi-Sommerlager sorgt für Begeisterung

Kampfausbildung mit Hakenkreuz: Seit 2015 veranstaltet das rechtsextreme ukrainische Bataillon Asow im Sommer Militärcamps für Kinder und Jugendliche, in denen diese den Kampf gegen den bösen Russen lernen sollen. Die New York Times zeigt sich in einem aktuellen Videobericht vom 19. Juli 2017 über das 2017er Kinderlager begeistert über die braune Militärausbildung für Minderjährige.

Das Nachrichtenvideo wird von der New York Times mit folgender Überschrift und Beschreibung beworben: „Ukraine-Sommerlager: Lernen, wie man kämpft. Werden Sie Augenzeuge eines ukrainischen Militärsommerlagers für Kinder außerhalb von Kiew. Während der Konflikt zwischen der Ukraine und den von Russland unterstützten Separatisten weitergeht, werden diese ermutigt, sich darauf vorzubereiten, ihr Land zu verteidigen.“.

Das veranstaltende Asow-Bataillon ist eines der berüchtigten aus dem Maidan-Umsturz 2014 hervorgegangenen rechtsextremen Kampfverbände in der Ukraine, deren Mitglieder nicht dem ukrainischen Militär angehören, sondern aus „Freiwilligen“ bestehen, und die mittlerweile als „Nationalgarde“ zwar eher lose dem ukrainischen Innenministerium untergeordnet sind, aber auch an NATO-Übungen teilnehmen.

Während diese Bataillone trotz aller Hakenkreuztätowierungen ihrer Mitglieder in den westlichen Medien mittlerweile fast nur noch als „Freiwilligenbataillone“ bezeichnet werden, war die Berichterstattung hinsichtlich Bataillon Asow und co vor allem in der ersten Jahreshälfte 2014 auch in den etablierten Medien zumindest teilweise noch deutlich ehrlicher:

20min.ch, „Ukraine setzt Neo-Nazis gegen Separatisten ein“: „Bekennende Neo-Nazi-Gruppen sind an vorderster Front dabei. Die Bataillone heissen Asow, Dnjepr oder Donbass. Es sind Gruppierungen Rechtsextremer, die im Frühjahr 2014 gegründet wurden“.

Sonntagszeitung, „Schweizer Neonazis liefern Geld und Militärkleider an die Front„: „Im Osten der Ukraine wüten Neonazis. Rechtsextreme Kämpfer der ukrainischen Freiwilligen-Miliz plündern Wohnungen, foltern gefangene Separatisten und verschleppen Medienschaffende. Terror im Namen der Maidan-Revolution.“.

Tagesspiegel, „Ukraine-Konflikt im ZDF. Hakenkreuz und SS-Rune – Protest von Zuschauern“: „Denn in der Sendung, in der auch ausführlich um den Ukraine-Konflikt ging, wurden auch Mitglieder des nationalistischen Asow-Bataillons gezeigt, das im Osten des Landes an der Seite der Regierungstruppen gegen die Separatisten kämpft. An ihren Stahlhelmen: Hakenkreuze und SS-Runen.“.

Focus, „Das Bataillon Asow. Schmutziger Kampf in der Ukraine: Neonazis im Dienst der Regierung“: „Wie der ‚Telegraph‘ berichtet, schickt das ukrainische Militär das rechtsradikale Bataillon an vorderster Front in den Kampf. In der Stadt Marinka seien die Milizionäre noch vor den Panzern der Armee vorgerückt und hätten einen Checkpoint erobert.“.

n-tv, „Rechte Söldner in Ukraine. Kiews Problem in den eigenen Reihen„: „Die Anschuldigungen Moskaus, dass in der Ukraine Faschisten ihr Unwesen treiben und Russen bedrohen, sind nicht völlig unbegründet. Im ‚Asow Bataillon‘ kämpfen sogar Ausländer dafür, den ‚weißen Mann‘ in dem Land zum Sieg zu führen.“.

Jüdische Allgemeine, „Ukraine: Mit Nazis gegen Putin. Das ZDF lässt Hakenkreuze auf den Helmen des Asow-Bataillons unkommentiert„: „Wird unsere sogenannte westliche Freiheit in Mariupol nun auch schon von paramilitärischen, faschistischen, der NS-Ideologie anhängenden Einheiten verteidigt? Amnesty International hat den ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk aufgefordert, dem entsetzlichen Treiben der marodierenden Milizen ein Ende zu setzen.“.

ARD-Ostfront-Mann Udo Lielischkies reagierte 2015 mit Spott auf die Blauer-Bote-Geschichte über die ukrainischen Nazicamps für Kinder und Jugendliche. Einen eigenen, vielleicht sogar kritischen Bericht bei Tagesschau, Tagesthemen, Weltspiegel und co über so ein militärisches Camp war ihm die ganze Angelegenheit aber offensichtlich nicht wert.

Und eine bizarre Pointe enthält die Geschichte um die Nazi-Sommerlager auch noch: Nach meinem kritischen Bericht über das 2015er Asow-Kinderlager versuchte Tagesspiegel-Autor René Bosch, mich als als Rechtsextremen zu diskreditieren. Was natürlich äußerst grotesk ist. Wer sich kritisch über ukrainische, „prowestliche“ Nazis äußert, ist ein Nazi? Der arme Autor wusste sich wohl nicht anders zu helfen, gab ihm unsere Propaganda doch mal mehr und mal weniger subtil seit Herbst 2014 vor, dass jeder, der irgendwie Kritik an der westlichen Erzählweise des Ukraine-Konflikts übt, irgendwie ein verkappter Nazi sei.

5 Kommentare

  1. da sollen die faschisten hoffähig gemacht werden und mit beschönigender propaganda wird der humus der künftigen blühenden landschaften bereitet. wann werden unsere „seriösen“ medien wohl die losung „Heim ins Reich“ ausrufen?
    ich kotze im duett mit max liebermann

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