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Ukrainisches Innenministerium rekrutierte bei Nazi-Festival in Themar

Dass die heiß diskutierte Konzertveranstaltung in Themar ein Nazifestival war, dürfte auch dem Letzten spätestens bei den Bildern von den Hitlergruß ausführenden Massen während eines Konzertes klar geworden sein. Zahlreiche Blogs, Magazine, Aktivisten und Anti-Nazi-Initiativen meldeten unter Bezugnahme auf entsprechende Veröffentlichungen inklusive Flyer des rechtsextremen Asow-Bataillons, dass dieses dem ukrainischen Innenministerium unterstehende Bataillon auf dem Festival Nazis als Kämpfer rekrutierten wollte. Mehr als 1000 Kämpfer aus ganz Europa sollen nach ukrainischen Angaben in den rechtsextremen ukrainischen Freiwilligenbataillonen dienen, die meisten davon beim Asow-Bataillon. Unter diesen Kämpfern befinden sich sogar russische Neonazis.

Das Asow-Bataillon ist eines der berüchtigten aus dem Maidan-Umsturz 2014 hervorgegangenen rechtsextremen Kampfverbände in der Ukraine. Die Sonntagszeitung aus der Schweiz im Februar 2015 zum Asow-Bataillon, „Schweizer Neonazis liefern Geld und Militärkleider an die Front„: „Im Osten der Ukraine wüten Neonazis. Rechtsextreme Kämpfer der ukrainischen Freiwilligen-Miliz plündern Wohnungen, foltern gefangene Separatisten und verschleppen Medienschaffende. Terror im Namen der Maidan-Revolution.“. Es handelt sich um Nazi-Millizen, deren Mitglieder organisatorisch nicht direkt dem ukrainischen Militär angehören, sondern aus „Freiwilligen“ bestehen, und dem ukrainischen Innenministerium als „Nationalgarde“ untergeordnet sind, aber auch an NATO-Übungen teilnehmen. Bereits 2015 nahmen die überwiegend rechtsextremen Kämpfer dieser Nationalgarde-Bataillone beispielsweise an dem NATO-Ukraine-Großmanöver „Saber Guardian / Rapid Trident“ teil. Ein Drittel der ukrainischen Teilnehmer – nach ukrainischen Angaben – wurde von den Nazi-Bataillonen gestellt. Die Bundeswehr war auch an der Übung beteiligt.

Zwischenzeitlich hatte US-Repräsentantenhaus in einem Amendment vom 10. Juni 2015 zu dem Gesetz „Department of Defense Appropriations Act of 2015“ der US-Regierung und damit auch dem US-Militär untersagt, weiterhin die Einheiten des ukrainischen Neonazibataillons „Asow“ finanziell und technisch zu unterstützen und durch US-Soldaten ausbilden und trainieren zu lassen. Die Gesetzesnovelle wurde nach Vorschlag durch die beiden Kongreßabgeordneten John Conyers und Ted Yoho vom Gesetzgeber angenommen. Die ukrainischen Nazikämpfer waren empört und verliehen der Empörung über die Aussagen der Mitglieder des US-Repräsentantenhauses in einem Artikel auf ihrer PR-Plattform „Euromaidan Press“ Ausdruck: „The Azov regiment is ‚outraged‘ by statements in the USA House of Representatives“. 2016 wurde der Asow-Bann wieder zurückgenommen beziehungsweise nicht verlängert, sodass das Asow-Bataillon auch wieder offiziell von der US-Regierung unterstützt werden konnte.

Belltower News berichtet nun von den – vielleicht erfolgreichen – Rekrutierungsversuchen des ukrainischen Innenministeriums beziehungsweise seines Asow-Batailons auf dem Nazifestival in Themar: „Auf ihrem Vkontakte -Profil und der eigenen Homepage hat „Reconquista Europe“ die „Einladung“ der „Asow – Bewegung“ online gestellt. Bei „Rock gegen Überfremdung wurde sie verteilt und „lädt dazu ein bei der Erschaffung einer neuen europäischen Bruderschaft […] beizutreten“. Neonazi-Miliz “Asow” rekrutiert unter “Reconquista”. Andriv Biletskij erscheint dort als “erster Kommandant des “Asow“-Regiment und Anführer der ukrainischen Nationalisten”. Die eigens ins Deutsche übersetzte Texte, werben mit militanten Sprachduktus, “in die Reihen der Besten“ einzutreten, um “Europa vor dem Aussterben” zu bewahren. Biletskijs “Reihe der Besten“ bietet eine paramilitärische Ausbildung für die “Reconquista” – “Rückeroberung” Europas an. Vor allem auf verschiedenen Sozialen Netzwerken stellen “Asow”-Mitglieder unverhüllt zur Schau, welches politische Bild zurückerobert werden soll: unzählige Fotos zeigen martialische “Asow“-Soldaten mit Hitler-Gruß, SS-Symbolen und Hakenkreuz-Tattoos.“. Belltower News zeigt auch ein Bild einer deutschsprachige Werbebroschüre für die Asow-Nazis.

Während das Asow-Bataillon und die andere Bataillone trotz aller Hakenkreuztätowierungen ihrer Mitglieder in den westlichen Medien mittlerweile fast nur noch als „Freiwilligenbataillone“ bezeichnet werden, war die Berichterstattung hinsichtlich Bataillon Asow und co vor allem in der ersten Jahreshälfte 2014 auch in den etablierten Medien zumindest teilweise noch deutlich ehrlicher:

20min.ch, „Ukraine setzt Neo-Nazis gegen Separatisten ein“: „Bekennende Neo-Nazi-Gruppen sind an vorderster Front dabei. Die Bataillone heissen Asow, Dnjepr oder Donbass. Es sind Gruppierungen Rechtsextremer, die im Frühjahr 2014 gegründet wurden“.

Tagesspiegel, „Ukraine-Konflikt im ZDF. Hakenkreuz und SS-Rune – Protest von Zuschauern“: „Denn in der Sendung, in der auch ausführlich um den Ukraine-Konflikt ging, wurden auch Mitglieder des nationalistischen Asow-Bataillons gezeigt, das im Osten des Landes an der Seite der Regierungstruppen gegen die Separatisten kämpft. An ihren Stahlhelmen: Hakenkreuze und SS-Runen.“.

Focus, „Das Bataillon Asow. Schmutziger Kampf in der Ukraine: Neonazis im Dienst der Regierung“: „Wie der ‚Telegraph‘ berichtet, schickt das ukrainische Militär das rechtsradikale Bataillon an vorderster Front in den Kampf. In der Stadt Marinka seien die Milizionäre noch vor den Panzern der Armee vorgerückt und hätten einen Checkpoint erobert.“.

n-tv, „Rechte Söldner in Ukraine. Kiews Problem in den eigenen Reihen„: „Die Anschuldigungen Moskaus, dass in der Ukraine Faschisten ihr Unwesen treiben und Russen bedrohen, sind nicht völlig unbegründet. Im ‚Asow Bataillon‘ kämpfen sogar Ausländer dafür, den ‚weißen Mann‘ in dem Land zum Sieg zu führen.“.

Jüdische Allgemeine, „Ukraine: Mit Nazis gegen Putin. Das ZDF lässt Hakenkreuze auf den Helmen des Asow-Bataillons unkommentiert„: „Wird unsere sogenannte westliche Freiheit in Mariupol nun auch schon von paramilitärischen, faschistischen, der NS-Ideologie anhängenden Einheiten verteidigt? Amnesty International hat den ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk aufgefordert, dem entsetzlichen Treiben der marodierenden Milizen ein Ende zu setzen.“.

7 Kommentare

  1. A former history student and amateur boxer, Mr Biletsky is also head of an extremist Ukrainian group called the Social National Assembly. “The historic mission of our nation in this critical moment is to lead the White Races of the world in a final crusade for their survival,” he wrote in a recent commentary. “A crusade against the Semite-led Untermenschen.”

    http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/11025137/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html

    Und mit solch einem Dreckszeug macht sich die Wertegemeinschaft gemein.

    1. wenn es den eigenen interessen dient kann der dreck nicht dreckig genug sein. da werden sie zu opportunisten mit jeder faser und leichen spielen keine rolle, so lange es die leichen der anderen sind. bei den eigenen ist wehklagen angesagt

  2. Ist natürlich schon krass wenn eine ausländische Regierung hier Leute rekrutiert. Das muss doch illegal sein ohne Ende. Die Frage ist wie erfolgreich das ist. Da kann das mit den 1000 ausländischen Kämpfern lt. ukr. Regierung auch Propaganda sein, um damit Dumme zu fangen. Gugg hier so viele kämpfen schon für unsere Sache. Aber wie viele tatsächlich dann rekrutiert worden sind wäre schon mal interessant zu wissen.

    Generell finde ich den Hype um die Nazifestivals für übertrieben. Bei uns gab es auch ab und zu am Waldrand solche Konzerte. Was man dazu dann in den Linken Blogs lesen konnte war dann einfach nur Blödsinn. Reinste Panikmache und Übertreibung. Da war das Dorf dann dem Terror der Rechten ausgesetzt und blabla. Das einzige was man von dem Event mitbekommen hat waren mal hier und da eine paar Leute auf der Straße, die da hin gelaufen sind. Die Polizei ständig hin und her gefahren ist und man am Abend dann aus Richtung Wald die Musik wummern gehört hat.

    Wieso sind solche Konzerte ein Problem? Die sind unter sich und solange die sonst niemanden stören können die doch feiern. Bei Anderen ist es doch auch egal. Muss man sich mal vorstellen was los wäre, wenn Linke Konzerte oder Homosexuelle Events von der Polizei gestürmt und aufgelöst werden. Aber sind ja nur Rechte, da ist das ok.

      1. Jemand ohne heuchlerische Doppelstandards. Bei uns haben mal ein paar Familien versucht eine Bürgerbewegung zu gründen. Hatten den Markt auch regelmäßig voll bekommen. Und schwupps kamen „die Linken“ und schrien Nazi und Rechtsextreme. Am Ende haben sie aufgeben, weil deren Häuser beschädigt wurden, in Wohnung eingebrochen wurde, keine Lokale für Gesprächsrunden mehr bekamen, weil diese bedroht wurden. Man kann doch nicht Rechten ein Ort bieten, an dem die sich treffen und unterhalten können.

        Ich mein hier wurde ein Konzert organisiert und man schreibt ellenlange Artikel wie es organisiert wurde und wer spielt und was für Geld involviert war. Da werden dann steckbriefartig alle Nazis aufgezählt und mit Fotos gezeigt. Und die Polizei und Verwaltungen machen nix, ist so schlimm, da gibt’s ein Konzert und man erlaubt es einfach. Das darf doch nicht sein. Niemand macht was. Ich glaube die Nazi Musiker würden sich freuen, wenn ihre Fans genauso an ihnen interessiert wären wie ihre Feinde. Die Fans kennen die Namen der Bands, die Nazijäger die Namen, Adressen und Email Adressen der Bandmitglieder.

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