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Bana Alabed aus Aleppo

Das „siebenjährige syrische Twittermädchen“ Bana Alabed ist mittlerweile bei der Londoner PR-Agentur The Blair Partnership unter Vertrag, welche auch die Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling als Klientin ausweist und in engem geschäftlichen Zusammenhang mit Letzterer steht. Außerdem ist Bana Alabed seit dem 12. Mai 2017 türkische Staatsbürgerin. Und sie schreibt ein Buch. Bana ist eines der Kinder, die im Syrienkrieg – und hier speziell in Aleppo – für Propaganda mißbraucht wurden und immer noch werden. Neben dem kleinen Jungen auf dem orangenen Sitz eines Rettungsfahrzeuges oder dem Jungen, dem bei lebendigem Leibe vor laufender Kamera von den sogenannten Rebellen der Kopf abgeschnitten wurde, beispielsweise. Der erstgenannte Junge auf dem Sitz und seine Familie traten mittlerweile im syrischen Fernsehen auf und erklärten, die Geschichte, bei der sie mitspielen mussten, sei ein Propaganda-Fake gewesen, zu welchem sie von den „Rebellen“ gezwungen wurden. Der kopflose Junge hat ebenso wie der Rettungssitz-Junge keinen Werbevertrag bei einer englischen PR-Firma. Er ist einfach nur tot. Bana lebt. Sie steht auf der richtigen Seite – aus Sicht des Westens. Kein Wunder. Mißhandelt wird jedoch auch sie, für die Propaganda.

Die offizielle Bana-Alabed-Story, basierend auf den Bana-Tweets und der Berichterstattung der westlichen Medien darüber, besagt unter anderem, dass ein siebenjähriges arabischsprachiges Mädchen aus Ostaleppo in gutem Englisch gegen die Angriffe der bösen Syrer und Russen twittert. Obwohl die Nutzung des Netzwerks Twitter laut Twitter-AGB erst ab dem Alter von Dreizehn erlaubt ist. In den Bombennächten liest Bana angeblich die englischsprachigen Harry-Potter-Romane, die ihr Fan J.K Rowling, die Harry-Potter-Autorin, ihr als E-Books über das Internet zukommen ließ. Außerdem ist sie nach eigenen Angaben Manchester-United-Fan. Ihr Papa arbeitet angeblich bei der Stadtverwaltung – das war damals allerdings der von Al Qaida angeführte Aleppo Sharia Council – und ihre Mama – angeblich Englischlehrerin – hilft ihr beim Twittern. Sie benutzt ausgefeilte Hashtags wie #HolocaustAleppo, um für ein Ende des Angriffs der syrischen und russischen Armee zu werben und den russischen und syrischen Präsidenten als Monster zu zeichnen. Seit Mitte Dezember 2016, der Rückeroberung von Aleppo durch die syrische Regierung, ist Bana unter dem persönlichen Schutz des türkischen Präsidenten Erdogan in der Türkei und im Oktober 2017 soll sie ein eigenes, selbstgeschriebenes Buch veröffentlichen. Natürlich auf Englisch. Ihre Mutter beteiligt sich nach Verlagsangaben mit ein paar kleinen Zwischenkapiteln.

Die Bana-Alabed-Kampagne startet

Ganz schön toll, die angeblichen Fremdsprachkenntnisse der kleinen siebenjährigen Bana Alabed, die im Gegensatz zu zahlreichen anderen kindlichen Kriegsopfern unserer Zeit dank der „richtigen“ Botschaft ihrer Verlautbarungen eine enorme Aufmerksamkeit in den Medien erhielt… Hier ein paar beispielshafte Überschriften und Aufreißer von Medienartikeln, welche die kleine Bana ab dem 4. Oktober 2016 – quasi dem Starttag der medialen Bana-Alabed-Kampagne in Deutschland – in die deutsche Öffentlichkeit einführten: „‚Ich habe Angst, heute Nacht zu sterben‘. Die siebenjährige Bana al-Abed twittert aus dem bombardierten Aleppo.“, Welt. „Siebenjährige twittert aus Aleppo. „‚Ich habe Angst, heute Nacht zu sterben‘„, Stern.“‚Hallo Welt, wir leben immer noch‘. Siebenjährige twittert aus Bürgerkriegshölle„, n-tv. „Gefangen im Bürgerkrieg. ‚Warum tötet ihr uns?‘ Siebenjährige twittert herzzerreißende Botschaften aus Aleppo„, Focus. „Bana (7) aus Aleppo Das Mädchen, das aus der Hölle twittert„, Hamburger Morgenpost. „Die siebenjährige Bana al-Abed twittert aus Aleppo„, Der Westen.

In der englischsprachigen Welt startete die Bana-Alabed-Kampagne geballt am 29./30. September 2016. Die „siebenjährige Bana“ twitterte dabei schon einige Tage zuvor, seit dem 24. September. Und an eben diesem Tag beispielsweise (in ihrer Fremdsprache Englisch): „Dear @potus, @putin, @assad can you please work hard to stop the killing of Aleppo people before we are finished off? Bana, Aleppo.“. POTUS ist der US-Präsident. Damals Barack Obama, heute hat Donald Trump diesen Twitter-Account. Federführend waren beim Start der Bana-Story in den Medien englische Zeitungen wie Guardian und Telegraph, welche quasi für den Wahrheitsgehalt der Story bürgten. Ebenso brachten einige Medien in anderen Sprachen Ende Septebmer 2016 Meldungen zu Bana Alabed. In den deutschen Medien findet sich im Wesentlichen erst am 3. und vor allem am 4. Oktober Meldungen zu Bana Alabed, dann aber geballt (Der Spiegel erwähnte bereits am 2.10. um 23:32 Uhr kurz Bana Alabed in einem Aleppo-Artikel, allerdings nur als „Mädchen“ und mit einem Tweet, der ihren Namen beinhaltet). Gerade die Berichterstattung der deutschen Medien macht den Kampagnencharakter der Bana-Alabed-Story deutlich: Auf einmal berichten alle gleichzeitig und das ganz massiv. Zweifel an der Geschichte um das kleine Mädchen gibt es in den deutschen Medien offenbar keine. Trotz Tweets in bestem Englisch eines siebenjährigen arabischen Mädchens, trotz der Kampagnenhaftigkeit des Accounts inklusive von Anfang an hochgeladenen Videos, gezielter Ansprache von Spitzenpolitikern und der Benutzung von Twitter-Hashtags durch die Siebenjährige.

bana_alabed_erreicht_deutschland

Erster Twitter-Follower ist Al-Jazeera-Journalist

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Der Bana-Alabed-Account wurde am 24. September 2016 aktiviert. Mit der Website socialrank.com läßt sich ermitteln, wer der erste Follower des Accounts @AlabedBana bei Twitter war: Erster Follower war kein Familienmitglied oder Freund, wie man es bei einem siebenjährigen Mädchen erwarten würde, sondern der Journalist Abdelazizz Ahmed, der unter anderem für den FernsehsenderAl Jazeera (Al Dschasira) arbeitet. Beigetreten ist er Twitter im September 2016, also in dem Monat, in dem die Bana-Alabed-Story aufkam und der Bana-Alabed-Account aktiviert wurde. Sein Account „@AbdelAhmedJ“ existiert Stand 17. Juni 2017 auf Twitter nicht mehr, war Anfang März 2017 aber noch vorhanden (siehe auch Bild oben, rechts). Zu Al Jazeeras Wirken im Syrienkrieg – als Propagandawerkzeug der katarischen Regierung – gibt es sehr kritische Stimmen. Das Magazin der Universität Mainz in dem Beitrag „So eine Form von Desinformation habe ich noch nie erlebt“ zu Professor Günter Meyer und dem Syrienkrieg, Anfang 2012:

„Meyer nennt ein weiteres skandalöses Beispiel: „Al-Jazeera hatte am Anfang noch eine hohe Akzeptanz als Nachrichtensender. Aber dann tauchten Mitschnitte auf, in denen zwei Journalisten des Senders bei der Interviewvorbereitung einem als Verletzte kostümierten Mädchen erklären, was es bei der Aufzeichnung sagen soll, und einen Arzt dazu bringen, eine falsche Diagnose für das gesunde Kind abzugeben. Da wird systematische Fälschung betrieben. Al-Jazeera hat dadurch in der arabischen Welt als seriöse Quelle weitgehend den Rückhalt verloren.“ Nebenbei: Der Sender wird vom Emir von Katar finanziert. Und Katar ist neben Saudi-Arabien der Hauptopponent Syriens in der Region. In beiden Ländern herrschen konservative sunnitische Regime.“.

Die Liste derer, denen wiederum die siebenjährige Bana Alabed bei Twitter folgt – Stand 25.6.2017 sind das 107 Twitter-Accounts – ist wohl als genauso merkwürdig anzusehen. Journalisten, Politiker, NGOs etc.. Ein reichlich ungewöhnliches Sammelsurium für eine Siebenjährige. Der neue französische Präsident Emmanuel Macron ist da übrigens mittlerweile auch dabei. Interessanterweise folgt Bana nicht ihrem Vater Ghassan Alabed bei Twitter. Aber das kann ja noch kommen. Interessanterweise ist die selbsternannte „Friedensaktivistenfamillie“ Alabed geschlossen direkt vor der Bana-Alabed-Kampagne im September 2016 – und als sich das Kriegsglück gegen die Jihadisten im Osten von Aleppo wendete – bei Twitter eingetreten.

Twitter-Accounts erst ab dem Alter von 13 Jahren möglich

Interessant ist bei der ganzen Bana-Alabed-Twitterei die Frage, warum ein siebenjähriges Mädchen einen Twitteraccount haben kann, obwohl das absolute weltweite Mindestalter dafür laut den Twitter-AGB 13 Jahre ist. Bis heute habe ich keine Antwort auf eine entsprechende Presseanfrage an Twitter erhalten. Twitter ließ in der Vergangenheit immer wieder verlauten, man habe den Bana-Account verifiziert. Punkt. Aber das würde noch lange nicht erklären, warum man hier absichtlich gegen die eigenen Geschäftsbedingungen verstößt. Warum muss dieses Kind unbedingt twittern? Und warum twittert nicht einfach die Mutter über ihre Tochter, wie es wohl viele andere bei Twitter tun? Hinzu kommt die Frage, wer den Bana-Account überhaupt „offiziell“ betreibt. Inoffiziell kommen neben Bana und ihrer Mutter noch andere Kandidaten in Frage. Offiziell heißt es immer wieder, Bana twittert, unterstützt von ihrer Mutter.

Was nun? Wenn es der Propaganda dient, dann twittert angeblich immer die kleine Bana. Wenn nachgefragt wird, trägt die Mutter die Verantwortung. Man kann nicht beides haben. Entweder ist Bana ein Haustier-Account der Mutter oder die kleine Bana twittert eigenverantwortlich und das darf eben kein Kind laut Twitter. Haustier-Account heißt, man twittert für jemanden, beispielsweise sein Haustier (auf dessen Namen der Account läuft). Die Tweets kommen dann natürlich nicht vom Haustier, sondern vom eigentlichen Betreiber des Accounts. Man kann wohl kaum beides haben: Die Mutter betreibt den Twitter-Kanal, aber die Tweets ohne Unterschrift der Mutter sollen von Bana kommen und wenn jemand die hervorragenden fremdsprachlichen Fähigkeiten in diesen Tweets  anspricht, dann hat doch wieder die Mutter geholfen. Entweder schreibt die Mutter die Tweets – und dann twittert eben nicht die kleine Bana, wie die westliche Propaganda uns weiß machen will – oder Bana schreibt die Tweets. Und selbst dass die Mutter die Tweets schreibt, ist ob ihrer ebenfalls bescheidenen Englischkenntnisse auch noch die Frage. Dazu später mehr.

Zwischenzeitlich hat die Mutter übrigens über den Bana-Account angekündigt, dass da jetzt nur noch Bana schreibt. Zuvor gab es bei einigen Tweets die „Unterschriften“ „Bana“ und „Fatemah“, die zeigen sollten, wer gerade schreibt. Warum das nicht über den Account der Mutter ging, dass die kleine Bana twittert und unterschreibt, bleibt schleierhaft und weist natürlich wieder ein Stück darauf hin, dass unbedingt ein Account eines kleinen Mädchens für die Darstellung in der Öffentlichkeit gebraucht wurde, samt einiger damit verbundener Symboliken wie eine Darstellung von Bana als „neue Anne Frank“. Viele Indizien neben den hier oben erwähnten weisen darauf hin, dass der gegen die syrische Assad-Regierung und ihre russischen Verbündeten gerichtete Bana-Alabed-Account nicht einmal von ihrer Mutter mit Text gefüllt wird, wie manchmal angedeutet, sondern dass er gleich ganz vom britischen Geheimdienst oder gemeinsamen von Großbritannien und der Türkei betrieben wird und Bana als „Fotomodell“ herhalten muss.

Bestes Englisch

Die Geschichte, dass ein siebenjähriges Mädchen in einer Fremdsprache, bestem Englisch, aus Ostaleppo gegen die bösen Russen und Syrer twittert, ist nicht nur extrem unwahrscheinlich, sondern eine schon auf den ersten Blick sehr offensichtliche Fälschung zu Propagandazwecken. Dabei entlarven sich Bana Alabed beziehungsweise die Betreiber des Bana-Twitter-Accounts immer wieder selbst mit ihren Tweets, deren Sprachvermögen und Botschaften. Zwar hatte man zwischenzeitlich den Eindruck, der Bana-Account würde zum Twittern mit kleinen Sprachfehlern übergehen, um die Sache relistischer zu machen, aber das war eher eine kurze Phase. Es überwiegt ein recht gutes Englisch, welches man durchaus englischen Muttersprachler zuordnen könnte. Ein einfacher Blick auf den Bana-Alabed-Account genügt, um zu begreifen, dass diese fremdsprachlichen, englischen Twitterbotschaften nicht von einem arabischsprachigen siebenjährigen Mädchen kommen können. Welches kleine Mädchen kann so in seiner Muttersprache schreiben und formulieren? Und welches Mädchen kann das alles dann auch noch in einer Fremdsprache?

Stand 5. Juli 2017 hat „Bana Alabed“ einen Tweet vom 13. Dezember 2016 auf ihrer Twitter-Seite angeheftet, in dem es heißt: „“My name is Bana, I’m 7 years old. I am talking to the world now live from East #Aleppo. This is my last moment to either live or die. – Bana“. Ganz schön fremdsprachgewaltig, das siebenjährige arabischsprachige Mädchen, welches auch noch extra mit seinem Namen unterschrieben hat, um zu zeigen, dass es das selbst geschrieben hat und nicht etwa seine Mutter… Natürlich ist es Quatsch, dass ein kleines siebenjähriges Mädchen – sollte es nicht eine geniale Fremdsprachbegabung haben – sich so schriftlich ausdrücken kann, und es steht auch in völligem Gegensatz zu beispielsweise ihren gezeigten Englischkenntnissen in einem Live-Interview mit dem türkischen Sender TRT oder in jedem anderen Interview oder Video.

Ein Mädchen, das gerade einmal im Schreiben-lernen-Alter der eigenen Muttersprache ist, soll eine Fremdsprache sprechen und in ihr schreiben – mit anderen, lateinischen Buchstaben statt den gewohnten arabischen Schriftzeichen – und dabei beispielsweise mehrteilige Konjunktionen wie „either/or“ benutzen und sich ausdrücken wie ein professioneller – englischsprachiger – Moderator bei der Anmoderation eines Events? Das ist völlig unglaubwürdig. Auch der Tweet von „Bana“ vom 10. Juni 2017, kurz nachdem Bana gerade acht Jahre alt geworden ist – zeigt ein fremdsprachliches Text- und Rechtschreibvermögen, welches völlig unrealistisch ist: „I take a mission to save as many lives as I can. It’s my duty. It’s everyone’s duty. Wake up & do something today.“. Ebenso der oben erwähnte Tweet von Banas erstem Twitter-Tag, dem 24. September 2016: „[…] can you please work hard to stop the killing of Aleppo people before we are finished off? […]“. Solche Tweets auf dem Niveau eines englischen Muttersprachlers findet man haufenweise unter den Bana-Tweets. Es ist der Standard dort. Eigentlich tweetet sie sogar besser als sehr viele englische Muttersprachler und das auch noch angeblich während Dauerbombardements in Aleppo.

Ein Tweet vom 16. April 2017 erinnert sprachlich eher an Dr. Martin Luther King als an ein kleines arabisches Mädchen aus Syrien: „Dear children, Never loose hope. You are future of this world, we suffer now but we shall overcome. We are weak now but we shall be stronger“. Mit den Worten „we shall overcome“ spielt die siebenjährige arabische Muttersprachlerin auf das berühmte Protestlied „We Shall Overcome“ an. Niemand benutzt heute die Worte „we shall overcome“ ohne den Kontext des Liedes, schon gar kein Fremdsprachiger. Wikipedia schreibt zu dem Lied:

We Shall Overcome ist ein Protestlied, das eine wichtige Rolle in der USBürgerrechtsbewegung spielte. Die Refrainzeile, die auch als Titel dient, bedeutet: „Wir werden (es) überwinden!“ Titel und/oder Song werden heute weltweit als musikalischer Protest gegen jede Art von Missständen verwendet. Die bekannteste Fassung des Liedes stammt von Joan Baez.

We Shall Overcome gilt als einer der frühesten typischen Protestsongs und war ein Schlüsselsong der US-Bürgerrechtsbewegung. Das Stück geht zurück auf Texte von Pfarrer Charles Albert Tindley aus dem Jahre 1901, der als Gospelsong noch den Titel We Will Overcome Some Day („eines Tages werden wir (es) überwinden“) trug. Der Name der Musikerin, Volkskundlerin, Erzieherin und Bürgerrechtsaktivistin Zilphia Hortons ist eng mit der heutigen Fassung des Liedes verbunden. Streikende Tabakarbeiter hatten die alte Hymne der Baptisten I’ll Be All Right in We Shall Overcome umgetextet, und Zilphia Horton hatte diesen Text in eines ihrer Highlander Songbooks aufgenommen. Die erste Zusammenfassung beider Songs ist für den 1. Mai 1945 nachgewiesen.[1] Es war der People’s Songs Bulletin, eine Veröffentlichung der People’s Songs, einer Organisation, der Pete Seeger als Direktor vorstand. Der Song erschien mit einer Einführung von Zilphia Horton.[2] […]“.

Auch das Twittern von Barack Obamas Wahlkampfmotto „Yes, we can!“ in einem relativ aktuellen Tweet vom 24. Mai 2017 mit den Worten „Dear world, can we stop killing each other and Instead love each other? YES WE CAN.“ durch ein angeblich siebenjähriges Mädchen macht stutzig. Kritischen Twitter-Nutzern kam an dieser Stelle Banas Aufforderung zum 3. Weltkrieg vom 29. September 2016 in den Sinn, in dem die Angriffe Syriens und Russlands zur Rückeroberung des Ostteils von Aleppo, welches seit 2012 von einer Al-Qaida-geführten Koalition mit dem Westen verbündeter Hilfstruppen („Rebellen“) gehalten wurde, mit dem Holocaust verglichen wurden: “Liebe Welt, es ist besser, den 3. Weltkrieg zu starten als Russland und Assad einen Holocaust in Aleppo begehen zu lassen.”. Diese passt nicht so ganz zu ihrer Love-and-Peace-Botschaft „Liebe Welt, können wir damit aufhören, uns gegenseitig zu töten und stattdessen einander lieben? YES WE CAN.“. Der Holocaust-Tweet ist mittlerweile gelöscht worden, jedoch als Screenshot noch zigfach im Internet zu finden, beispielsweise über die Google-Bildersuche. Er stand noch lange nach seiner Veröffentlichung im Netz und wurde von einer entsprechenden Holocaust-Kampagne in den westlichen Medien begleitet.

Interessanterweise wurde der Spruch von Obama im Wahlkampf ein Jahr vor Banas Geburt genutzt. Wikipedia dazu: „Yes We Can (englisch für „Ja, wir können“; sinngemäß „Ja, wir schaffen das“, auch: „Doch, das können wir“) ist der WahlkampfSlogan des US-Präsidenten Barack Obama. Er tauchte erstmals in einer Rede von Obama nach der Vorwahl im Bundesstaat New Hampshire am 8. Januar 2008 auf,[1] bei der er die Zuhörer fragte, wie man die großen weltpolitischen Probleme lösen, ob man Gerechtigkeit, Wohlstand, Weltfrieden schaffen könne: Als Antwort wiederholte er immer wieder: „Yes, we can“.[2] Zwar war dieser Wahlspruch ursprünglich nicht als Slogan gedacht (dies war eigentlich Change we can believe in), doch durch die hohe Popularität und die Verbindung, die die meisten Menschen zwischen „Yes, we can“ und Obama herstellen, wurde dieser Spruch danach im Wahlkampf hauptsächlich genutzt. […]“. Bana kennt sich also echt aus in Zeitgeschichte… Vielleicht ist der Spruch heutzutage ein Hit in Aleppo, wer weiß das schon? Spaß beiseite: Es ist sehr merkwürdig bis unrealistisch, dass Bana ihn nutzt.

Das war aber noch nicht alles zu den „Sprachkünsten“ der kleinen Bana. Sie retweetet sogar italienischsprachige Tweets, wie den des italienischen Spitzenpolitikers Angelino Alfano vom 16. April 2016! „‚Dio sarà contento solo quando tutte le guerre saranno finite‘ con le parole di voglio augurare a tutti voi una Buona Pasqua“. Meine deutschsprachigen Tweets mit Bana-Erwähnung hat sie dagegen noch nie retweetet… Wahrscheinlich hat das pfiffige Ding mal schnell den Google-Übersetzer angeworfen … Oder sie retweetet halt einfach mal so, wie Kinder halt so sind. Sie wissen schon. Nein, eigentlich wissen Sie nicht, denn Kinder dürfen bei Twitter ja eigentlich erst ab dem Alter von dreizehn Jahren mitmachen laut Twitter-AGB. Für den Bana-Account gelten offenbar Sonderrechte.

Kinderparadies – ein merkwürdiger Tweet erweist sich als Fälschung

In der Geschichte um ein angeblich auf Englisch twitterndes siebenjähriges arabischsprachiges Mädchen gibt es etliche Merkwürdigkeiten. Eine davon ist die Story mit dem Foto von Bana und ihrem Bruder in einer Kinderspielwelt. Der Bana-Account bei Twitter veröffentlichte ein Bild von Bana und ihrem Bruder, welches sehr aufschlussreich ist und versehentlich eine klar erkennbare Lüge verbreitet, die darauf hinweist, dass der Bana-Account von jemandem anderen als Bana oder ihrer Mutter betrieben wird, der sich hier einen dummen Schnitzer bei seinem Propagandajob geleistet hat.

„Die siebenjährige Bana al-Abed twittert aus dem bombardierten Aleppo. Ihre Worte sind ein erschütterndes Zeugnis für die Grauen des Krieges, die Sehnsucht nach Frieden und der ständigen Angst vor dem Tod. […] Seit dem 24. September twittert sie mithilfe ihrer Mutter Fatemah Nachrichten aus dem Kriegsalltag. Auf Englisch, in schlichten, wenigen Worten, die sehr viel sagen. In Kommentaren unter ihren Tweets und Videos wird sie bereits mit Anne Frank verglichen.“, vermeldete Claudia Becker in der WELT am 4. Oktober 2016. Interessant ist an dieser Meldung von Welt Online, dass diese ein Foto – beziehungsweise einen Tweet von Bana Alabed – beinhaltet, welches Bana Alabed in einem Kinderspieleparadies in Aleppo zeigen soll, zusammen mit ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder. Das Foto zeigt die beiden Kinder auf einer Kutsche mit zwei Pferden.

Bild: Bana Alabed angeblich in einem Kinderparadies in Aleppo und das Kinderparadies im türkischen Gaziantep.

Verschiedene Kritiker wiesen darauf hin, dass das Bild mit Bana und einem Bruder wohl nicht in Aleppo aufgenommen worden ist, denn da gebe es kein solches Kinderspielparadies, sondern im türkischen Gaziantep. Hier oben eine Zusammenstellung des von Welt Online benutzten Bana-Bildes (Mitte), eines weiteren Bildes, welches die Kutsche im Kinderparadies von Gaziantep zeigen soll (links oben), eines Bildes aus einer Google-Bildersuche mit der Beschreibung „Playland Bowling, Gaziantep“ (links unten) sowie als großes Hintergrundbild ein aktuelles, vergrößertes Bild der Website playland.com.tr vom 17.6.2017, welches im Hintergrund ebenfalls eine solche Kutsche zeigt. Offenbar gibt es solche Pferde und Kutschen im türkischen Playland, in Gaziantep und vielleicht auch an einigen anderen Standorten. Für das syrische Aleppo konnte die Existenz einer solchen Garnitur bisher nicht bestätigt werden. Syrische Twitterer versichern, dass es in Aleppo ein solches Kinderparadies nicht gäbe. Aber wer hört im Westen schon auf regierungstreue Syrer und ihre Beteuerungen? Das alles ist kein sicherer Beweis, dass das Bana-Foto in der Türkei aufgenommen wurde, aber dennoch ein interessantes Indiz in dem Gesamtfall Bana Alabed.

Obwohl die Sache mit dem Bild schon ein interessantes Detail ist, sollte man sich bei diesem Bana-Tweet nicht in erster Linie an diesem Foto festbeißen, denn wesentlich mehr Sprengstoff enthält die Bildunterschrift beziehungsweise der Text des Tweets. Denn dort heißt es, das Bild sei vor dem Krieg aufgenommen worden. Tatsächlich ist Bana auf dem Bild vielleicht ein Jahr jünger als zur Zeit des Tweets am 26. September 2016, also sechs Jahre alt (Vielleicht ist sie auch zwei Jahre jünger, aber ändert auch nicht viel.). Allerdings brachen die Kämpfe um Aleppo bereits Mitte 2012 aus, als Bana Alabed knapp drei Jahre alt war, und der Krieg in Syrien läuft ja bereits seit 2011. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder wäre 2012, kurz vor dem Ausbruch des Krieges, lediglich ein Jahr alt gewesen. „Vor dem Krieg“ und das Bild, das passt also klar nicht zusammen, denn das Bild zeigt keinen Einjährigen und keine Dreijährige. Alleine schon das hätte beispielsweise deutschen Journalisten zu denken geben müssen, welche die Bana-Propaganda vom Start weg als „die Wahrheit“ präsentierten. Denn die deutschen Medien berichteten sehr wohl schon 2012 von den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Al Qaida/“Rebellen“/FSA/Al Nusra in Aleppo, wenngleich propagandistisch gefärbt und verwirrend.

Um noch einmal kurz auf den Aufnahmeort des Fotos zurückzukommen: Wenn Bana Alabed damals nicht „im Krieg“ war beziehungsweise das Bild vor dem Krieg aufgenommen wurde, war sie vielleicht doch in der Türkei. Das ist eine nicht unrealistische Theorie, die von den oben genannten Indizien untermauert wird. Aber der Herstellungsort ist eben nicht einmal das Wesentliche: Zumindest ist das Foto nicht vor dem Krieg in Syrien beziehungsweise Aleppo aufgenommen worden, weil Bana und ihr Bruder eben viel älter sind, als sie es zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs in Syrien oder speziell in Aleppo waren, und damit ist der ganze Tweet klar erkennbar eine glatte Lüge. Seine Message ist Propaganda: Letztes Jahr war noch alles gut, jetzt kommen die bösen Russen (bekanntlich seit Ende September 2015 an der Seite Syriens im Krieg aktiv und das sogar entsprechend dem Völkerrecht legal, da auf Einladung der syrischen Regierung) und syrischen Regierungstruppen und wollen uns arme Kinder töten. Tatsächlich liefen da die Kämpfe um Aleppo aber schon seit vier Jahren.

Richtig abgedreht hinsichtlich sowohl der Altersangaben des kleinen Mädchens als auch der journalistischen Qulität der Berichterstattung darüber wird es in dem Artikel „EXCLUSIVE – ‚Please stop bombing us Putin and Assad‘: Seven-year-old girl sets up ‚live Twitter feed‘ from ruins of Aleppo… but faces ‚propaganda‘ claims on social media“ des britischen Blattes Daily Mail. Denn dort heißt es unter einem Bild, welches von Banas Mutter bereitgestellt wurde und Bana als etwa Zwei- bis Dreijährige mit Kätzchen zeigt „Doomed? Bana (pictured several years ago) was just two when the Syrian uprising began and says she has lost hope of seeing the end of it“. Also: Bana war vor dem „Bürgerkrieg“ in Syrien zwei Jahre alt. Auch das Bild, welches Bana mit ihrem Bruder und den Pferden zeigt, findet in dem Artikel Verwendung. Hier schreibt die Daily Mail dazu „Gone: Bana’s best friend who lives across the road is thought to have been killed in an airstrike. Pictured: Bana before the war“. Bana müßte also auf dem Pferde-Bild viel jünger sein als auf dem erstgenannten Bild mit der kleinen Katze. Das ist natürlich nicht der Fall. Beide Bilder mit den entsprechenden Beschreibungen in EINEM Artikel und mit diesen sich völlig widersprechenden „Informationen“ durchkommen wollen: Das kann man nur als dreist bezeichnen.

Erstaunliches Englisch und ausgefeilte Hashtags von Anfang an

Jedem, der selbst Kinder hat oder mit Kindern Kontakt hat etc. dürfte natürlich klar sein, dass ein siebenjähriges Mädchen vielleicht gerade mal Schreiben lernt. Die kleine Bana Alabed soll das richtig toll können und das auch noch in der Fremdsprache Englisch. Offenbar verfügte sie im von Regierungstruppen umzingelten Ost-Aleppo auch über eine tolle Internetverbindung zum Twittern. All die Schreib- und Fremdsprachfähigkeiten hat sich das siebenjährige Mädchen angeblich angeeignet, obwohl die von Al Qaida geführten “Rebellen” nunmehr seit mehr als vier Jahren in Ost-Aleppo hausen. Bana geht nicht zur Schule und wird von ihrer Mutter, die Englischlehrerin sein soll, unterrichtet, sagt der britische Telegraph, der neben dem Guardian die Bana-Alabed-Story im September 2016 in Umlauf brachte.

Fast schon legendär ist dieser mittlerweile gelöschte Tweet aus der Anfangszeit des Twitter-Propagandaaccounts: “Liebe Welt, es ist besser, den 3. Weltkrieg zu starten als Russland und Assad einen Holocaust in Aleppo begehen zu lassen.”:

bana_alabed_holocaust_aleppo

Bana offenbarte wie bereits angesprochen schon in ihren ersten Tagen bei Twitter gute Englischkenntnisse, wie die vier folgenden Tweets ihrer ersten beiden Twitter-Wochen zwischen dem 24. September 2016 und dem 8. Oktober 2016 zeigen:

„Ich werde der glücklichste Mensch der Welt sein wenn der Aleppo-Krieg zu Ende ist. – Bana #Aleppo“

„Hier sterben die Menschen wie die Fliegen Ich weiß nicht was als nächstes kommt. Die Bomben fallen wie Regen“

„Wenn ich die Flugzeuge höre dann fürchte ich mich jetzt sehr. Dunkelheit und sehr gefährliches Aleppo Ich bete dass die heutige Nacht für mich und alle ruhig wird.“

„Ich will aus diesem schrecklichen Traum aufwachen, den ich morgens und abends durchlebe“

Zu Banas kampagnenartigem Twitter-Hashtag-Repertoire, welches von ihren Followern geflissentlich genutzt und weiterverbreitet wurde, gehören beispielsweise „#HolocaustAleppo“, „#EvacuateAleppoKids“, „#MassacreInAleppo“, „#StopAleppoMassacre“ oder „#WhereIsBana“. Ein arabischsprachiger Aktivist, der sich mit dem Bana-Alabed-Account unterhalten hat, erklärt, dieser verstünde wenig Arabisch beziehungsweise bevorzuge Englisch zur Unterhaltung. Natürlich läßt sich nicht nachweisen, ob seine entsprechenden Screenshots der Kommunikation real sind. Wie auch? Ob real oder nicht, ein Teil der Gesamtstory ist dies trotzdem, unabhängig davon, in welche Richtung man das interpretiert.

Video zeigt blamable Englischkenntnisse Banas und ihrer Mutter

Im völligen Gegensatz zu den Englischkenntnissen von Herbst 2016 bis Frühjahr 2017 in den Bana-Tweets stehen ihre paar Brocken einstudierten Englischs aus kleinen Videos, die über den Bana-Alabed-Account und die westlichen Medien verbreitet wurden. Ein englischsprachiges Live-Interview von TRT World mit Bana Alabed in der Türkei vom 3. Februar 2017 zeigt beispielsweise, dass sie offenbar sehr wenig Englisch versteht oder zumindest weit weniger, als ihre Tweets vermuten lassen. Die in den Bana-Tweets gezeigten angeblichen Englischkenntnisse des nicht-englisch-muttersprachlichen siebenjährigen Kindes sind im Vergleich zu den Videos bei Weitem nicht plausibel. Sie können eine mögliche dahingende geniale Begabung des kleinen Mädchens nicht belegen. Hier das komplette halbstündige Interview bei TRT World (via Youtube) in der Türkei, welches die äußerst bescheidenen „Englisch-Sprachkünste“ des realen siebenjährigen Mädchens Bana Alabed und ihrer Mutter Fatemah zeigt:

Zitat:
Interviewer: „Do you like the food in Istanbul?“
Bana: „Yes.“
Interviewer: „What do you like?“
Bana: „Save … Save the children of Syria.“

Mutter verplappert sich: Bana hat Harry Potter nicht gelesen

Das hier eben erwähnte Interview dauert eine halbe Stunde und ist ob der Englischkenntnisse sowohl der kleinen Bana als auch ihrer Mutter – die ja Englischlehrerin sein soll – eine Qual. Nun wird nicht jeder Englischlehrer perfekt Englisch sprechen, aber die Kenntnisse der Frau sind trotzdem äußerst fragwürdig und stehen wie bei Bana im Gegensatz zu ihren Tweets. Ich hatte mir zunächst gar nicht das ganze Interview angeschaut, sondern nur den Anfang mit dem Food und dem Fish. Jetzt, beim nochmaligen stichprobenartigen Durchklicken, konnte ich auf Anhieb einen „Hammer“ finden. Man sollte sich das doch noch einmal komplett anschauen …

Der Hammer ist der folgende: Ein wichtiger Teil der Bana-Alabed-Story ist, dass das Mädchen sich die englischsprachigen Harry-Potter-Bücher durchliest, welche ihr ihre neue Freundin J.K. Rowling, die Harry-Potter-Autorin, als E-Book über das Internet nach Ost-Aleppo zukommen ließ. Die entsprechenden Bilder mit Bana und ihrem E-Book-Reader liefen die Medien rauf und runter. Allerdings verplapperten sich Bana und ihre Mutter im Interview mit dem türkischen Fernsehen gleich bei der ersten gestellten Zuschauerfrage, die eben genau die Harry-Potter-Bücher betraf. Das beste daran ist: Man hat Bana wohl diese Frage zuerst gegeben, weil man „wußte“, dass es eine sichere Frage für Bana ist, weil man ja „wußte“, dass sie die Bücher gelesen hat. Doch dieser Glaube an die Propaganda der eigenen Seite durch den türkischen Fernsehsender brachte das Team Bana ganz schön in die Bredouille, als die beiden stotternd eingestanden, dass sie die Bücher in Aleppo gar nicht gelesen hatten und Ausreden suchten.

Die Ausrede war übrigens, dass man in Aleppo keinen Strom gehabt habe, um den E-Book-Reader aufzuladen, und jetzt das Lesen nachholen wolle – drei Monate später. Warum hat man dann behauptet, dass Bana das Buch oder die Bücher gelesen hat und damit eine umfangreiche Medienkampagne betrieben? Wie hat man ohne Strom einen so gut funktionierenden Internet- und Mobiltelefonzugang (der nebenbei bemerkt kein syrischer war, sondern für Ost-Aleppo wahrscheinlich über die Türkei hergestellt wurde)? Warum hat die Bana-Familie getwittert, dass man einen Stromgenerator habe, als Fragen aufkamen, wie sie ins Internet gehen, und wie passt das zum fehlenden Strom für das E-Book? Banas Mutter nennt das E-Book zwei Mal „A-Book“. Und das Buch haben sie erst in Istanbul gekauft, sagt die Mutter. Das sieht auf den Propagandafotos von Bana Alabed aus Aleppo aber ganz anders aus. Da hat sie nämlich ihr Harry-Potter-E-Book und ihren E-Book-Reader. Es wurde definitv gelogen und es ist keine kleine Lüge, welche die Mutter hier radebrechend aufdeckt, welche aber gleichwohl die westliche Propaganda bis heute als die Wahrheit verbreitet. Dass das in Istanbul gekaufte Teil wahrscheinlich kein E-Book-Reader ist, wie man aus dem Interview wohl folgern würde, habe ich mir erst erschließen können, als ich ein Foto vom April 2017 von Bana mit einem „richtigen“ Harry-Potter-Buch aus Papier in Istanbul sah. In einem Artikel, der die Ankündigung Banas betraf, ein eigenes Buch herauszubringen. Offenbar hat Bana die E-Books von Rowling bis heute nicht gelesen. Ob Bana überhaupt dieses erste Papierbuch aus der Harry-Potter-Reihe gelesen hat, ist noch die Frage. Sie ist ja erst sieben und es ist in einer Fremdsprache geschrieben …

Die fragliche Stelle in dem Video beginnt ab Minute 5:53. Hier das Transkript:

Interviewer: So, I’m gonna start with … Nursina …T… on Twitter asks: ‚How do you find the Harry Potter books J.K. Rowling sent you?‘. So I know that J.K. Rowling sent you Harry Potter books, right? …

Bana: Yes.   
Interviewer: She was a big fan of you. She was worried about you. She wanted to know if you gonna be okay.
Bana: Yes.
Interviewer: So did you read them?
Bana: Yes.
Mutter: Yääs. Bäna what book you were read the first?
Bana: Harry Potter.
Mutter: First book she…
Bana und Mutter: She…
(Bana schaut hilfesuchend zur Mutter)
Mutter: Yes. She reads a first book now…
Interviewer: Ähömm…
(Interviewer wirkt irritiert)
Bana: One…
Mutter: She started reading … ähh reading it because äääähhh when we were in East-Aleppo ääh we don’t have enough electricity (to) charge our mobile phone and it was an a-book … a-books, so … now we äähhh we we buy one and she start reading it from book and she is happy and watch movie with reading the book.
Interviewer: Do you watch the movie?
Bana: Yes.
Interviewer: Harry Potter?
Bana: Yes.
Interviewer: Did you like it? Not scary?
Bana: No.
Interviewer: The snakes and monsters and witches?
Bana: No.

Und so weiter und so fort. Die Mutter geht eigentlich nicht als Englischlehrerin durch. Die Tochter besticht mit Yes-No-Antworten. Und wie man Harry-Potter-Fan sein kann ohne ein solches Buch gelesen zu haben oder einen solchen Film gesehen zu haben, ist auch noch die Frage.

Zitate aus einem Tagesspiegel-Artikel von Sidney Gennies mit einem Interview mit Bana und ihrer Mutter, welcher entlarvende Aussagen enthält, die im völligen Gegensatz zu den Aussagen in dem oben genannten Interview mit dem türkischen Sender TRT stehen:

„Der Tagesspiegel erreicht die beiden einen Tag nach der Bombardierung. Ein Videoanruf über Skype sei nicht möglich, heißt es. Die Internetverbindung sei seit den Angriffen schlecht, falle oft aus. Das Gespräch wird schriftlich im Chat geführt. […]

Wann hast du das letzte Mal draußen gespielt?
Ich erinnere mich nicht. Es ist so selten.
Was lenkt dich ab?
Lesen.

Zwischen vielen Bildern von zerstörten Häusern oder einem Foto des blutigen Leichnams einer Freundin posten Bana und ihre Mutter auch Bilder aus dem Alltag. Dann liest das Mädchen auf ihrem E-Reader. Neuerdings: Harry Potter. Mutter Fatemah wandte sich dafür sogar direkt an Joanne K. Rowling. […]“

CNN schreibt Folgendes in einem Artikel vom 14. April 2017, also zwei Monate NACH dem oben genannten Interview: „J.K. Rowling, the British author of the Harry Potter series, responded by sending Bana eBooks of the entire series. Just a few days later, Bana shared a photo of herself and her two younger brothers, Mohammed, 5, and Noor, 3, reading one of the books.“. CNN bringt natürlich auch den passenden Tweet dazu, Bana mit Brüdern und E-Book (24. November 2016):

Kein Internet, aber Twittern geht immer

Es fällt auf, dass Bana immer twittern konnte. Der Krieg hatte offensichtlich keine Auswirkungen auf Stromversorgung und Internetversorgung des Bana-Accounts. Auf Nachfrage gab es hierfür einige Ausreden oder Erklärungen, welche aber wiederum – vor allem im Abgleich mit älteren, widersprechenden Aussagen – eher für weitere Zweifel sorgten. Bana sagte mehrmals, sie hätten gerade kein Internet – und das via Internet, via Twitter. Einmal wurde Bana angeblich komplett ausgebombt. Was sie aber nicht daran hinderte, darüber zu twittern. „Tonight we have no house, it’s bombed & I got in rubble. I saw deaths and I almost died. – Bana #Aleppo“. Das Smartphone hatte wohl noch Saft … Am gleichen Tag – sieben Stunden zuvor – meldete Mama Alabed: „The army got in, this could be our last days sincerely talking. No Internet. Please please please pray for us.- Fatemah #Aleppo“. Kein Internet, Twittern geht trotzdem? Ein Wunder!

Wie das mit dem Internet in Aleppo läuft, erklärte Bana schon Ende September 2016, drei Tage nach dem Start der Bana-Alabed-Kampagne: „Some people wondering how we get Internet, ok we use poor 3g & remaining WiFi service spared.“. Wow, die kleine Araberin kann offenbar genauso gut leicht technisch angehauchtes Englisch wie beispielsweise ein Netzpropagandasoldat der britischen Armee. Benutzt ein siebenjähriges arabischsprachiges Mädchen Ausdrücke wie „remaining WiFi service spared“ oder „poor 3g“, um sich auf Englisch über ihre Internetqualität auszulassen? Ich musste erst einmal googeln, was „spared“ hier genau heißt. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es hier „verschont“ oder „übrig lassen“ (im Sinne von mit jemandem teilen) heißt … Mein Englisch ist wohl ziemlich „poor“.

Am 8. Dezember 2016 erklärt dann Mutter Alabed, wie das mit dem Internet in Aleppo und dem Strom dafür funktioniert: „There’s Internet in East Aleppo. There’s solar in E. Aleppo. There’s Bana in E. Aleppo who’s suffering & tweeting. Good night. – Fatemah“. Man habe also auch Solarzellen zur Stromversorgung. Nun, schön, aber das passt irgendwie so gar nicht zu den Angaben aus dem bereits erwähnten TRT-Interview, in dem Mutter Alabed vorgibt, Bana hätte Harry Potter in Aleppo gar nicht gelesen, weil man ja zu wenig Strom gehabt habe, um den E-Book-Reader zu laden. Strom, Harry Potter, E-Book, Internet – Wie man es auch wendet, irgend etwas stimmt immer nicht.

Bana Alabed hatte übrigens fünf Tage zuvor in einem Tweet erklärt, wie das mit dem Strom und ihrem Telefon läuft: „I recharge my phone with solar panels and our agenda is just for Aleppo civilians like us evacuated from the battlefield. Nothing else.-„. Aha, sie lädt also ihr Smartphone mit Solarzellen auf. Für den E-Book-Reader mit den angeblich heißgeliebten Harry-Potter-E-Books hat es aber nicht gereicht? Oder hat sie den nur für die Propagandabilder kurz aufgeladen, damit die Weltpresse monatelang über ihr tapferes Harry-Potter-Lesen in Bombennächten berichten konnte? Aber Moment mal, sie bekam ja ein Harry-Potter-Buch erstmals in Istanbul zum Lesen, laut ihrer Mutter Fatemah…

Banas Papa arbeitet bei Al Qaida

In dem oben genannten Telegraph-Artikel heißt es auch, Banas Vater Ghassan arbeite in der Rechtsabteilung des Stadtrates: „The only time she goes outside is to get bread with her father Ghassan, who works in the legal department of the local council.“. Wie bereits eingangs erwähnt, hat die Al Qaida die Kontrolle über den Stadtbereich Aleppos, in dem Bana angeblich lebt – Ost-Aleppo – und sogar der us-amerikanische Falken-Think-Tank Atlantic Council gesteht ein, dass diese Jihadisten dort das Scharia-Recht eingeführt hatten. Dass in Aleppo ein Scharia-Recht galt, gibt übrigens sogar die US-Regierung in einem Text zu Syrien vom 3. März 2017 auf der Website des US-Außenministeriums offen zu: „The Aleppo Sharia Commission, associated with some armed opposition forces, operated a court system with courts on civil, criminal, military, and civilian affairs.“.

Professor Günter Meyer von der Universität Mainz, führender deutscher Orientexperte, bei Web.de: “Syrien-Konflikt und die Chancen auf Frieden unter Baschar al-Assad: Nahost-Experte klärt auf“, 5. November 2016. “Ein Frieden in Syrien ist auf absehbare Zeit höchst unwahrscheinlich. Sie haben auf der einen Seite das Regime, das von Russland und dem Iran unterstützt wird. Das Regime setzt auf die Eroberung des Ostteils von Aleppo. Jedoch kontrolliert diesen Teil die Nusra-Front, der Ableger von Al-Kaida, gemeinsam mit anderen dschihadistischen Extremisten. Wir hören ständig davon, dass die Zivilbevölkerung von den Russen und dem Regime zerbombt wird. Es ist aber keine Rede davon, dass die Dschihadisten die Waffenruhe von Anfang an abgelehnt haben und die Zivilbevölkerung als menschliches Schutzschild missbraucht wird. Die Scharfschützen der Extremisten verhindern, dass sich die Einwohner im belagerten Ost-Aleppo über die von den Russen geöffneten Korridore in Sicherheit bringen können. Weitgehend verschwiegen wird der seit Tagen anhaltende massive Beschuss der Wohngebiete im Westteil Aleppos durch Raketen und Artillerie der Dschihadisten. […] Eine Niederlage der von den USA unterstützten Rebellen in Ost-Aleppo wäre für Präsident Barack Obama eine riesige Demütigung. Deswegen setzt Washington alles daran, um das zu verhindern.”.

Immer wieder weisen führende Wissenschaftler und andere Experten darauf hin, dass der Syrienkrieg ein Angriff auf Syrien ist und dass die „Rebellen“ in Wirklichkeit im Wesentlichen von Al Qaida geführte Jihadisten oder Söldner sind, die zudem noch in einer großen Zahl aus dem Ausland kommen. Es gibt beispielsweise sogar eine eigene usbekische Brigade. Selbst die US-Regierung musste in einigen Pressekonferenzen immer wieder eingestehen, dass Aleppo von der Al Nusra, dem syrischen Arm der Al Qaida, gehalten wird. Beispielsweise das US-Verteidigungsministerium im April 2016 bei einer Pressekonferenz zu Syrien: “That said, it’s primarily al-Nusra who holds Aleppo”. Al Nusra ist der syrische Arm der Al Qaida. Die Qaida hält also nach Angaben des US-Militärs Aleppo beziehungsweise Ost-Aleppo. Alleine schon mit diesem Statement eines Offiziellen der US-Regierung ist klar: Die Tweets von „Bana Alabed“ kommen aus dem Al-Qaida-Machtbereich. Den westlichen Medien hat das offenbar nichts ausgemacht.

Die USA mussten in mehreren Presseterminen eingestehen, dass sie die Al-Qaida-Koalition unterstützt, redete sich aber damit heraus, dass sie nur moderate Teile mit Waffen beliefert etc.. Diese Argumentation mit den “moderaten Rebellen” in der Al-Kaida-Koalition ist Augenwischerei. Denn natürlich reinigt die Anwesenheit einiger angeblich sauberer “Rebellen” nicht die ganze Bande von ihrer Schuld. Ein Vergleich mit der organisierten Kriminalität macht die Absurdität dieser Moderate-Rebellen-Argumentation deutlich: Würde man argumentieren, die Lieferung von Waffen an eine Mafiagruppierung sei in Ordnung, wenn man die Waffen beispielsweise bei deren Hausmeister abliefert und der ja “moderat” sei und noch niemanden umgebracht habe, wie würde wohl ein Richter oder Staatsanwalt darauf reagieren?

Hinzu kommt, dass die angeblich “moderate Rebellen” nicht moderat sind, sondern in ihrer Grausamkeit ihren Kollegen der eigentlichen Al Qaida in keinster Weise nachstehen. Die US-Regierung benannte die beiden Gruppen Al Zenki und Ahrar al-Sham als moderate Rebellen oder (angebliche) Nicht-Al-Qaida-Rebellen von Aleppo. Ahrar al-Sham ist eine in Deutschland verbotene radikalislamistische Terrorgruppe, deren Mitglieder in Deutschland beispielsweise vom Bundesgerichtshof verurteilt wurden und die zahlreiche Massaker in Syrien zu verantworten hat. Die vom CIA der USA offen betreute Al Zenki wurde vor Monaten dadurch bekannt, dass ihre Kämpfer, darunter zwei Führungsmitglieder, einem Kind bei lebendigem Leibe mit einem Messer den Kopf abschnitten und triumphal den abgetrennten Kopf des Jungen in die Höhe hielten.

Der der US-Regierung und der NATO sehr nahestehende Think Tank Atlantic Council, der mit Sicherheit keiner syrischen oder russischen Propaganda verdächtig ist und scharf gegen Syrien und Russland argumentiert, zu den sogenannten Rebellen in Aleppo und anderen Gebieten Syriens, nach einer deutschsprachigen Zuammenfassung im Magazin Telepolis mit dem Titel “Syrien: Das Herrschaftsmodell der Opposition“: “Ein amerikanischer Think Tank [Atlantic Council] erklärt, wie die al-Qaida-Milizen ihre Macht in bereits eroberten Gebieten ausüben […] Mittlerweile wurde bekannt, dass die beiden Dschihadisten/Salafisten-Gruppen al-Nusra und Ahrar al-Sham sämtliche andere Milizen in Aleppo auf die Sharia verpflichtet haben. Wichtig ist dabei zu ergänzen: ihre Form des Sharia-Verständnisses. Wie diese in der Idlib angewendet wird, erklärt der Atlantic Council-Bericht. Es ist ein vor allem ein Machtsystem, das den Großen, al-Nusra und Ahrar al-Sham, die Herrschaft garantiert, die anderen haben sich unterzuordnen. […] Die Gerichte arbeiten in diesem System mit Sicherheitskräften, die von den wichtigsten Milizen gestellt werden und ‘lehren den Bewohnern das Fürchten’, wie es im Bericht heißt.”.

Ein Artikel von Michael Jabra Carley (Professor für Geschichte an der Universität Montreal, Kanada): “Wie die westliche Heuchelei die Welt noch gefährlicher macht“. Zitate: “[…] Die Rede von „unseren Gemäßigten“ ist eine Fiktion und ein Deckmantel der USA für ihre Unterstützung für Al-Qaida und deren verschiedene Verbündete, bei denen es sich weitgehend um ausländische Söldner handelt, die gegen die säkulare, legitime Regierung Syriens kämpfen. Das einzige Resultat der russischen Bemühungen ist bis jetzt, dass US-Generäle drohen, Russland „zu schlagen“ wie nie zuvor. Zugleich droht der französische Präsident Russland und Syrien mit Anklagen wegen Kriegsverbrechen, und verschiedene britische Politiker einschließlich des Außenministers wüten über „naziartige“ Bombardierungen von armen, unschuldigen „Gemäßigten“. In Wirklichkeit benutzen diese die Zivilisten in Aleppo in ihrer immer kleiner werdenden Besatzungszone als menschliche Schilde und richten alle, die versuchen, zu entkommen, summarisch hin. Im wesentlich größeren Teil Aleppos, den die „Gemäßigten“ nicht kontrollieren, greifen sie systematisch Zivilisten an. […] Die US-amerikanische und westliche Version der Ereignisse in Syrien und anderswo ist bis auf die letzte Silbe falsch. […] Die dringliche Frage ist jetzt, ob die Bewohner der USA, Kanadas und Europas bereit sind, für eine Serie von Lügen, und zur Verteidigung der US-geführten Al-Qaida-Invasion Syriens, einen grundlosen Krieg mit Russland zu riskieren.”.

An dieser Stelle erübrigt sich eigentlich schon die Frage, ob „Bana Alabed aus Aleppo“ ein Propagandaaccount auf Twitter ist. Denn die Jihadisten-Koalition um Al Qaida hatte in Ost-Aleppo bis zur Vertreibung durch syrische Regierungstruppen Mitte Dezember 2016 die absolute Kontrolle. Jede Nachrichtquelle, die nach außen aktiv ist, wird natürlich ebenso von den Jihadisten kontrolliert und gesteuert. Monatelang Tweets aus Ost-Aleppo, die zudem permanent Stimmung für die Al-Qaida-Koalition von Aleppo machen und dazu ein kleines Postergirl nutzen, überhaupt als seriös zu erachten, ist definitiv unseriös. „Bana Alabed“ ernst nehmen heißt auch auf Al Qaida hören. Alternativ könnte man ins Spiel bringen, dass der Account ja beispielsweise auch ein federführend britisch betriebener Account sein könnte. Das würde es hinsichtlich des Themas „Propaganda“ sicher nicht besser machen. Der Betrieb des Accounts findet mit einiger Sicherheit irgendwo in der Gemengelage zwischen Jihadisten, Türkei und vor allem Großbritannien statt.

Diverse Kritiker der Bana-Alabed-Story haben im Internet Kollagen zu den Jihadisten-Verbindungen der Alabed-Familie gepostet, welche allesamt aus Fotos und Propagandabildern zusammengesetzt wurden, die von den Alabeds und ihren Jihadistenkollegen selbst ins Netz gestellt wurden. So zeigt die Kollage hier oben links die brutalen Kinderkopfabschneider der Terrorgruppe Al Zenki, Mahmoud Raslan und Bana Alabed mit mehreren dieser Terrortypen. Bei der Grinsebacke mit dem grünen Shirt könnte es sich übrigens um den Grinsebackekumpel des ZDF-Terrorarztes aus Aleppo handeln. In einer anderen Kollage – oben rechts – ist Papa Alabed mit seinen Terroristenkumpels zu sehen und mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Neben Bana sind auch Hadi al Abdallah (in einem Bild mit Bana, „Bana is safe“) sowie dessen Kumpel Abdullah al-Muhaysini, der aus Saudi-Arabien stammende Al-Qaida-Oberprediger in Syrien, der seinen Kämpfern vor der Schlacht von Aleppo zweiundsiebzig Jungfrauen nach dem Tod versprach, „deren Spucke das Meer versüßt“.

Interessant ist übrigens bezüglich des radikalislamistischen Hintergrundes der sogenannten „Rebellen“ auch das Propagandavideo „Bana Alabed Periscope Archive ‚A visit to Old Aleppo#StandWithAleppo‘„, in dem alle erwachsenen Frauen vollverschleiert sind. Das entspricht allen Videos der Jihadisten aus Aleppo (die aber meistens ohnehin keine Frauen zeigen) und steht in völligem Gegensatz zu den Bildern aus dem heutigen Aleppo des Jahres 2017, in dem sich die Frauen wieder offen und mit offenem Haar zeigen können. Die (wenigen) Bilder der Frauen aus den Jihadistengebieten passen zu der fanatischen pseudoreligiösen Einstellungen von Al Qaida und co.. Natürlich ist niemand ein Terrorist, nur weil er verschleiert ist, aber wenn aus den Gebieten, die nach Angaben führender Experten von Al Qaida und angeschlossenen Terrorgruppen kontrolliert werden, nur Bilder mit vollverschleierten Frauen kommen, dann ist das bezeichnend und ein weiterer Hinweis auf die Richtigkeit der Angaben der Wissenschaftler. Angesichts der berichteten häufigen Vergewaltigungen in Aleppo zur Zeit der Jihadistenherrschaft ist der Aufzug der Frauen in dem Video nur allzu verständlich. Bezeichnend ist, dass selbst diese Frauen, die ja auf der Seite der Jihadisten operieren und zudem Gesichter für die an den Westen gerichtete Propaganda sind, sich in dem Video voll verschleiern mussten. Es muss ein brutales Klima für Frauen und Mädchen, die nur ein paar Jahre älter als Bana waren, in Ost-Aleppo geherrscht haben. Die Verschleierung weist darauf hin, dass die Aufnahmen tatsächlich in Aleppo stattfanden, sind aber natürlich kein Beweis dafür.

Mama heißt eigentlich Maram Mohammed Alabd und ist eher keine Englischlehrerin

Banas Mutter heißt nach eigenen Angaben mit Vornamen Fatemah. Ihr eigentlicher Name ist jedoch Maram (oder Maram Mohammed), wie sich aus dem Zeugnis ihrer Befähigung zum Englischlehrer ergibt, welches ihr Mentor und Englischlehrer „Mr. Alhamdo“ bei Facebook präsentierte. Die Institution, bei der Maram „studierte“, ist natürlich eine der Jihadisten in Aleppo und vielleicht gibt es sie auch gar nicht wirklich. Das von Alhamdo und co „selbstgebastelte“ Zeugnis bescheinigt Maram die erfolgreiche Teilnahme an dreizehn Sessions – möglicherweise Doppelstunden, bestenfalls Tage – einer ersten Stufe von vieren und gibt ihr eine Punktzahl von 96 von 100 möglichen Punkten.

Ihr gesprochenes Englisch ist nicht wirklich gut, wie viele Videos mit Fatemah/Maram zeigen, beispielsweise das bereits mehrfach angesprochene TRT-Interview. Ihr angebliches schriftliches Niveau – das ihrer Tweets – ist dagegen weit besser. Und sogar besser als das ihres Lehrers, Mr. Alhamdo, wie Barbara Mackanzie feststellt und dabei auch die britische Propagandaschleuder Bellingcat zitiert, die genau das anscheinend für völlig normal hält: „Even more laughable is Bellingcat’s attempt to compare ‚Fatemah’s‘ written style with that of her teacher: ‚their styles are in fact quite different: Fatemah scrupulously uses capital letters in the right place, correct punctuation, and correct spacing, all things Mr Alhamdo is much more slap-dash about.‘ He certainly is ‚more slap-dash‘ in this regard, but what we do in fact find on closer scrutiny of Alhamdo’s tweets is precisely the sort of mistakes and insecurities which a non-native speaker is naturally bound to make. It is like the written equivalent of an accent which non-native speakers will only be able to get rid of through practising speaking in an appropriate environment for years. And yet, Bellingcat wants us in all seriousness to believe that Maram would miraculously have learnt (in no more than 13 teaching sessions) to outdo her teacher by miles. What Bellingcat in fact asks us to do is nothing less than the abdication of all common sense.“. Bellingcat wurde im Verlauf des Syrienkrieges gegründet und sein Gründer erlangte bekanntlich dadurch „Ruhm“, dass er den großen False-Flag-Giftgasangriff von Ghouta der syrischen Regierung unterschob, welcher unter anderem durch Professor Theodore A. Postol von der renommierten technischen Universität MIT (auch ehemaliger UN-Waffeninspektor im Irak) und durch den bekannten Investigativjournalisten Seymour M. Hersh als Angriff unter Falscher Flagge enttarnt wurde.

Es ist eigentlich so gut wie nicht möglich, dass Maram ohne entsprechenden Englisch-Background und auf Level Eins besser twittert als ihr Lehrer Mr. Alhamdo und dass sich ihr gesprochenes schlechtes Englisch so sehr von ihren angeblichen schriftlichen Fähigkeiten, wie wir sie in ihrem Twitter-Account bewundern können, unterscheidet. Das deutet darauf hin, dass nicht nur der Bana-Alabed-Account, sondern auch der Fatemah-Alabed-Account ein „Haustieraccount“ – beispielsweise des britischen Geheimdienstes – ist, der extern betrieben wird. Übrigens twittert auch Bana Alabed besser als der Englisch-Oberlehrer Mr. Alhamdo. Und Bana ist die „Schülerin der Schülerin“ von Mr. Alhamdo. Und sieben Jahre alt.

Bana Alabed aus Aleppo

Bana Alabed aus Aleppo – Teil 2

21 Kommentare

  1. Zum Thema kein Internet und trotzdem tweeten. Ich dachte Twitter wird auch oder hauptsächlich per SMS gefüttert. Also sollte twittern ohne Internet durchaus möglich sein. Wäre mal interessant die Verbindungsdaten des Banana Accounts zu sehen. Müsste ja geloggt werden wie die Tweets ins System kommen.

  2. Danke für die umfangreiche Zusammenfassung und die Arbeit, die Du investiert hast!

    Jeder, der sich nur 5 Minuten damit beschäftigt hat und über einen einigermaßen gesunden Menschenverstand verfügt, merkt doch, dass diese Bana-Story von vorne bis hinten zum Himmel stinkt.

    Journalisten sind dazu da, zu hinterfragen. Warum können das unsere selbsternannten Qualitätsjournalisten denn nicht? Wenn sie diesen Unsinn, den der Bana-Account von sich gibt, für bare Münze nehmen (was ich mir nicht vorstellen kann), dann sind wir noch schlimmer dran als ich bisher gedacht habe.

    Dass der Holocaust und der Name des jüdischen Mädchens Anne Frank, das in einem KZ starb, ausgerechnet im Zusammenhang mit radikalen Islamisten genannt werden, ist genauso makaber wie die Namen der Geschwister Scholl für systemkonforme Propaganda zu benutzen und sie damit zu missbrauchen.

    1. Der STERN und Marc Drewello nehmen das für bare Münze und wolen das durchsetzen. Heute kam die entsprechende Replik.

      1. „Die offizielle Bana-Alabed-Story, basierend auf den Bana-Tweets und der Berichterstattung der westlichen Medien darüber, besagt unter anderem, dass ein siebenjähriges arabischsprachiges Mädchen aus Ostaleppo in gutem Englisch gegen die Angriffe der bösen Syrer und Russen twittert. Obwohl die Nutzung des Netzwerks Twitter laut Twitter-AGB erst ab dem Alter von Dreizehn erlaubt ist. In den Bombennächten liest Bana angeblich die englischsprachigen Harry-Potter-Romane, die ihr Fan J.K Rowling, die Harry-Potter-Autorin, ihr als E-Books über das Internet zukommen ließ. Außerdem ist sie nach eigenen Angaben Manchester-United-Fan.“

        Das hört sich ja auch alles sehr plausibel an 😉

  3. An Berichten westlicher Medien sind Zweifel nicht erlaubt, denn sie stehen doch an der Seite der „Guten!“ Das anzuzweifeln ist ja wie „Gotteslästerung ! Dieses sieben jährige Mädchen ist ein Wunderkind, so wie Jesus auch Wunder vollbringen konnte. Er speiste mit einem Laib Brot 5.000 Menschen und alle wurden satt. Wie groß/schwer muß dieses Brot wohl gewesen sein ? Das mußten auch alle „Gläubigen“ glauben. Wer daran zweifelte, landete damals oftmals im Kerker oder dem Scheiterhaufen. Daran hat sich außer den Methoden bis heute nichts geändert !

  4. Das ist mal ein sehr sehr guter Artikel und ich teile die Ansicht des Authors bezüglich sämtlicher offengelgten Merkwürdigkeiten in den Tweets.
    Zu dem „duty“ Tweet könnte man noch anmerken, bzw. sich fragen, was ein 8 jähriges Mädchen über Pflichten generell und von den Pflichten erwachsener Leute weiss, so dass sie da angeblich realistisch behaupten soll, was die Pflicht anderer Leute in Bürgerrechtsfragen ist.
    Kann natürlich nicht sein!

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