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Ukraine-Konflikt: BILD fälscht Video-Bildmaterial

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Die BILD hat einen Artikel veröffentlicht, der belegen soll, dass die „prorussischen Separatisten“ ständig die im Minsk-II-Waffenstillstandsabkommen vereinbarte Waffenruhe brechen und die ukrainischen Regierungstruppen angreifen. Wie leider zu erwarten, enthält der Artikel allerlei Verdrehungen, Unwahrheiten und Manipulationen beziehungsweise listet nur einseitig (tatsächliche oder angebliche) Verletzungen der Waffenruhe durch die Ostukrainer auf. Tatsächlich verletzen nach OSZE-Angaben beide Seiten die Waffenruhe – bei Zahl und Umfang der Verletzungen liegen die ukrainische Armee und ukrainische Nationalgarde sogar deutlich „vorne“.

Das eigentlich irre an dem BILD-Artikel kommt aber erst noch:

Die BILD benutzt ein Foto aus einem Youtube-Video (siehe oben rechts), um eine Verletzung der Minsk-II-Waffenruhe durch die ostukrainische/separatistische Seite zu beweisen. Wer den Artikel liest, denkt, das Foto zeige einen Angriff der Rebellen auf Kiewer Regierungstruppen. Tatsächlich handelt es sich bei dem Material um ein Video, welches ein Angehöriger der ukrainische Armee/Nationalgarde oder einer ihrer Unterstützer bei Youtube eingestellt hat. Es ist Bildmaterial des berüchtigten Bataillon Asow, ukrainische Nationalgarde (Gut zu erkennen an dem Wappen, siehe Bild oben links)! Es zeigt einen Angriff der ukrainischen Seite auf (angebliche) Stellungen der „prorussischen Separatisten“! Das Bataillon Asow schießt dabei ein Haus in Brand. Hier das Video bei Youtube: Бій за Широкино.

Noch skurriler: Einer der Autoren dieses BILD-Artikels („So sieht ‚Waffenruhe‘ mit Putin wirklich aus„), Multimedia-Redakteur Julian Röpcke, hatte das fragliche Video der ukrainischen Seite vor einigen Tagen selbst bei Twitter gepostet und dabei auch deutlich zu verstehen gegeben, dass es sich um ein Video eines Angriffs der ukrainischen Regierungsseite handelt (siehe Screenshot unten und den Artikel „Bruch von Minsk-II: BILD-Reporter postet Video von Bataillon-Asow-Angriff und beschwert sich über Kritik an Angriff“ bei Blauer Bote Magazin). Dabei hatte er die Angegriffenen als Russen bezeichnet („#Footage Intense fighting in #Shyrokyne. Russian positions take heavy hits.“). Röpcke bezeichnet die „prorussischen Separatisten“ generell als „Russen“ oder „russische Armee“.

Es wird aber noch bizarrer: Röpcke postete das Video des Angriffs der Kiewer Regierungstruppen auf die angeblichen russischen Stellungen, um diese Attacke als „König der Präventivschläge“ („It’s this king of preemptive strikes …“) zu feiern.

Dann dreht er richtig auf/ab: Röpcke beschwerte sich schon einmal vorsorglich, dass dieser „Präventivschlag auf russische Angriffspositionen“ (Wortwahl Röpcke) von „der OSZE und westlichen Regierungen als Verletzungen des Waffenstillstands gezählt“ (Wortwahl Röpcke) würden. Er ist also schon mal vorsorglich beleidigt, dass man das als Verletzung des Minsk-II-Abkommens sehen könnte (Was natürlich ganz eindeutig der Fall ist.). Angriffe gegen die Separatisten/“die Russen“ seien doch wohl völlig okay und nicht Teil des Waffenstillstandsabkommens. Oder so ähnlich … Das Abkommen gilt für ihn offensichtlich nur für eines Seite …

So, und dieses Video eines Angriffs der ukrainischen Truppen auf Stellungen der „prorussischen Separatisten“ nutzt die BILD/Röpcke jetzt, um Angriffe der „prorussischen Separatisten“ auf ukrainische Truppen „zu beweisen“.

Ist das jetzt noch „nur“ plumpe Propagandafälschung von Videomaterial oder ist das schon Volksverhetzung?

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UPDATE: BILD-Journalist Julian Röpcke meldet sich per Twitter:

10 Kommentare

  1. Danke für solch Aufdeckungen. Es gibt diese zwei Lager in dem Ukraine-Konflikt, und der Julian gehört zu dem einen Lager. Der Kalte Krieg ist nicht einer im Außen, er ist einer im Innen. Diese zwei Lager heute bleiben jetzt Jahrzehnte bestehen.

  2. Moment?! Las ich eben richtig? Ein B I L D – Journaillist bezichtigt also andere der Lüge?

    Das ist bisher der BESTE WITZ dieses Jahres. Ich bin aber sehr sicher, dieser Vollhonk wird das noch toppen können, oder?

  3. Ich glaube, der Berufs-Psychopath von der BLÖD-Zeitung meinte „this KIND of preemptive strike“ … den „KING“ würde ich mal eher als Tippfehler deuten.

    Nichtsdestotrotz hat sich jemand, der unter dem hashtag „FunFact“ über militärische Aggressionen gegen zivile Ziele twittert, selbst als ernstzunehmender Berichterstatter und Mensch komplett desavouiert … vermutlich hat er früher unter #VollGeil über den Bombenterror der israelischen Armee gegen die Zivilbevölkerung im Gaza-Strip „berichtet“.

  4. Den Wortlaut „King“ von ich auch merkwürdig, dachte aber, das liege an schlechtem oder mir unbekanntem Englisch.

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