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Al Qaida ist auf unserer Seite

Der Satz, dass die Terrorgruppe Al Kaida auf unserer Seite – der Seite des Westens – sei, stammt aus einer E-Mail eines Untergebenen von Anfang 2012 an Hillary Clinton, damalige Außenministerin der USA in der ersten Regierungszeit des US-Präsidenten Obama, im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien. Wohl selten hat der verzweifelt-rhetorische Ausspruch „Wo sind wir hier eigentlich?“ besser gepasst als zu den geopolitischen Aktionen des Westens zur heutigen Zeit. Die US-Regierung macht die Al Qaida für die Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA mit über 3000 Toten verantwortlich und verlängerte erst vor Kurzem – im September 2016 – ihren „Krieg gegen den Terror“, der auf eben diesen 9/11-Al-Qaida-Terrorattacken basiert, um ein weiteres Jahr. Und das, obwohl die USA immer wieder die Unterstützung der Al-Qaida-geführten Koalition der sogenannten „Rebellen“ in Syrien über sogenannte angeblich „moderate Rebellen“ dieser Koalition immer wieder einräumte.

In einer E-Mail sagte Anfang 2012 der stellvertretende Stabschef des US-Außeniministeriums der damaligen Außenministerin der USA in der ersten Regierungszeit des US-Präsidenten Barack Obama, Hillary Clinton, zur Lage in Syrien “Al Qaida ist auf unserer Seite in Syrien”. Die entsprechende E-Mail an Clinton, deren Authentizität unbestritten ist, wurde von WikiLeaks veröffentlicht. Der Inhalt des entsprechenden Mailverkehrs innerhalb der US-Regierung zwischen Außenministerin Clinton und ihrem Mitarbeiter Jacob „Jake“ Sullivan hinsichtlich Al Kaida in Syrien vom Februar 2012:

Sullivan an Clinton: “See last item – AQ is on our side in Syria. Otherwise, things have basically turned out as expected.”

Dieses letzte Item einer weitergeleiteten E-Mail, auf das sich Sullivan bezieht, lautet wie folgt:

“AL-ZAWAHIRI URGES MUSLIM SUPPORT FOR OPPOSITION (U) Al-Qaida leader al-Zawahiri called on Muslims in Turkey and the Middle East to aid rebel forces in their fight against supporters of Syrian President Asad in an interne video recording. Al-Zawahiri also urged the Syrian people not to rely on the AL, Turkey, or the United States for assistance.euters)”

Die E-Mail zeigt auch auf, wie die USA die Al Qaida (AQ) in Syrien einsetzen, der Öffentlichkeit aber ein weiterhin feindschaftliches Verhältnis zwischen der USA und der Terrorgruppe gezeigt wurde. Zusätzlich zu den Al-Kaida-Kämpfern sind dabei auch weitere Jihadisten-Gruppen aktiv. Unter den führenden Wissenschaftlern zum Thema „Syrien“ herrscht Einigkeit, dass alle diese – zusammenarbeitenden – Gruppen, die in der westlichen Medienpropaganda als edle „Rebellen“ verklärt werden, vom Westen und seinen regionalen Verbündeten als Hilfstruppen in einem schmutzigen Krieg gegen Syrien eingesetzt werden und zwar von Anfang an, seit dem Frühjahr 2011.

Ebenfalls 2011 hatte der Westen unter Führung des Duos Obama-Clinton Jihadisten in Libyen zum Sturz der Regierung eingesetzt und sogar quasi als „eigene Truppen“ bezeichnet: “We came, we saw, he died” rief 2016er-Präsidenschaftskandidatin Hillary Clinton laut lachend während eines Interviews in die Fernsehkameras nachdem sie sich während des Interviews auf dem Handy eines ihrer Mitarbeiter das Todesfoltervideo ihrer radikalen Verbündeten mit dem Mordopfer Gaddafi – damaliger libyscher Staatschef – angesehen hatte. „Wir kamen, wir sahen, er starb“. „Wir“! Sie bekennt sich offen zum Mord an dem ausländischen Staatschef. Durchgeführt durch ihre jihadistischen Handlanger.

Dass die USA und ihre Verbündeten radikale Jihadisten und insbesondere auch die Al Kaida für ihre Zwecke einsetzen, wird nicht nur von der – in den Medien kaum zu vernehmenden – Wissenschaft immer wieder bestätigt, sondern auch von der US-Regierung immer wieder eingeräumt, wobei dies dank der Leitmedien kaum an eine größere Öffentlichkeit gelangt. 2016 sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bei einer Pressekonferenz, dass die umkämpfte syrische Stadt Aleppo von der Al Nusra, dem syrischen Arm der Terrorgruppe Al Qaida, gehalten wird. In zahlreichen Pressekonferenzen und anderen offiziellen Statements sagte die US-Regierung immer wieder, dass Aleppo oder dass die „Rebellengebiete“ in Syrien ganz allgemein zwar von der Al Qaida – dort Al-Nusra-Front genannt – dominiert werden, es in der Koalition dieser sogenannten „Rebellen“ aber auch moderate Kräfte gebe, die man ausbilde und mit Waffen unterstütze.

Diese Argumentation mit den „moderaten Rebellen“ in der Al-Kaida-Koalition in Syrien ist eine dreiste Augenwischerei. Denn natürlich reinigt die Anwesenheit einiger sauberer „Rebellen“ nicht die ganze Bande von ihrer Schuld. Ein Vergleich mit der organisierten Kriminalität macht die Absurdität dieser Moderate-Rebellen-Argumentation deutlich: Würde man argumentieren, die Lieferung von Waffen an eine Mafiagruppierung sei in Ordnung, wenn man die Waffen beispielsweise bei deren Hausmeister abliefert und der ja „moderat“ sei und noch niemanden umgebracht habe, würde jeder einem den Vogel zeigen. Mit einer ähnlichen Argumentation beglücken die westlichen Politiker und ihre Propagandamedien uns jedoch zu Syrien.

Hinzu kommt, dass die angeblich „moderate Rebellen“ nicht moderat sind, sondern in ihrer Grausamkeit ihren Al-Qaida-Kollegen in keinster Weise nachstehen. Die US-Regierung benannte nach monatelangem Schweigen auf die Frage, wer denn die moderaten Rebellen seien, die beiden Gruppen Al Zenki und Ahrar al-Sham als moderate Rebellen von Aleppo. Ahrar al-Sham ist eine in Deutschland verbotene radikalislamistische Terrorgruppe, deren Mitglieder in Deutschland beispielsweise vom Bundesgerichtshof verurteilt wurden und die zahlreiche Massaker in Syrien zu verantworten hat. Die vom CIA der USA offen betreute Al Zenki wurde vor Monaten dadurch bekannt, dass ihre Kämpfer, darunter zwei Führungsmitglieder, einem Kind bei lebendigem Leibe mit einem Messer den Kopf abschnitten und triumphal den abgetrennten Kopf des Jungen in die Höhe hielten. Woher man das weiß? Nun, die Zenkis, die auch gerne mal Bäckereien anzünden, filmten das Ganze und stellten das Video ins Internet, um damit zu prahlen. Soviel also zu den „im Gegensatz zur Al Qaida moderaten Rebellen“ …

Al Qaida und co sind also auf „unserer Seite“ in Syrien … Das ist absurd. Noch bizarrer wird es, wenn man sich vergegenwärtigt, dass US-Präsident Barack Obama vor wenigen Monaten den Ausnahmezustand für den „Krieg gegen den Terror“ um ein weiteres Jahr verlängerte (“Letter — Continuation of the National Emergency with Respect to Certain Terrorist Attacks“). Dieser nun seit sechzehn Jahren durchgehend laufende Notstand der USA basiert auf den Terrorattacken des 11. September 2001 in den USA, welche von der US-Regierung der Terrorgruppe Al Qaida zugeschrieben werden, sowie auf dem folgenden Kampf der USA gegen Al Qaida und co und wird jedes Jahr vom US-Präsidenten verlängert. Zunächst von George W. Bush, nun von Barack Obama.

Hier der vollen Wortlaut von Barack Obamas Verlängerung des durch die Al-Kaida-Angriffe bedingten Ausnahmezustandes in den USA, 30. August 2016:

Letter — Continuation of the National Emergency with Respect to Certain Terrorist Attacks

TEXT OF A LETTER FROM THE PRESIDENT
TO THE SPEAKER OF THE HOUSE OF REPRESENTATIVES
AND THE PRESIDENT OF THE SENATE

August 30, 2016

Dear Mr. Speaker: (Dear Mr. President:)

Section 202(d) of the National Emergencies Act, 50 U.S.C. 1622(d), provides for the automatic termination of a national emergency unless, within 90 days prior to the anniversary date of its declaration, the President publishes in the Federal Register and transmits to the Congress a notice stating that the emergency is to continue in effect beyond the anniversary date. Consistent with this provision, I have sent to the Federal Register the enclosed notice, stating that the emergency declared in Proclamation 7463 with respect to the terrorist attacks on the United States of September 11, 2001, is to continue in effect for an additional year.

The terrorist threat that led to the declaration on September 14, 2001, of a national emergency continues. For this reason, I have determined that it is necessary to continue in effect after September 14, 2016, the national emergency with respect to the terrorist threat.

Sincerely,
BARACK OBAMA

Die US-Regierung arbeitet seit 2011, zunächst verdeckt, seit 2015 offen (wenn auch über Tricks und Umwege), mit der Al Kaida zusammen (und mit weiteren Terrorgruppen). Dennoch hat US-Präsident Obama die Stirn, fünf Jahre hintereinander die Notstandsbefugnisse seiner Regierung, die auf Basis der Terrorattacken der Al Qaida auf die USA zustande kamen und weiterhin mit diesen begründet werden („stating that the emergency declared in Proclamation 7463 with respect to the terrorist attacks on the United States of September 11, 2001, is to continue in effect for an additional year„), zu verlängern. Über 3000 Menschen starben bei 9/11 in den USA. Die US-Regierung hat das 9-11-Ereignis für einen umfassenden „War On Terror“ genutzt, der Schätzungen von Wissenschaftlern zufolge zwei Millionen Menschen das Leben kostete, und mit der Jagd auf Al Qaida allerlei Ungemach – auch in den westlichen Ländern – begründet. Und 2017 läuft das immer noch weiter, obwohl die Obama-Regierung seit Jahren mit der Al Qaida zusammenarbeitet. Und die Medien interessiert dieser Skandal einfach nicht. Verdammt, wo leben wir hier eigentlich?