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Nachrichtensperre zum Bana-Alabed-Medienskandal des Stern

Die bizarre Lügengeschichte vom Twittermädchen Bana Alabed – reichlich plumpe Kriegspropaganda inklusive des bedenkenlosen Missbrauchs eines kleinen siebenjährigen Mädchens dafür – beherrschte wochenlang die deutschen Medien, welche diese schon auf den ersten Blick hanebüschene Story als die pure Wahrheit verkauften. Das Magazin Stern aus Hamburg will diese Geschichte sogar jetzt noch mit Gewalt vor Gericht durchsetzen und hat am berühmt-berüchtigten Hamburger Landgericht einen – zumindest formaljuristischen – „Sieg“ errungen, der ihm offenbar dermaßen peinlich ist, dass es nicht darüber berichtet und auch keine Auskunft darüber gibt. Auch sämtliche anderen selbsternannten Qualitäts- und Leitmedien berichten nicht und scheuen darüber hinaus ganz allgemein das Thema „Bana Alabed“. Wir werden erneut Zeuge einer freiwilligen, umfassenden Nachrichtensperre in den deutschen Medien zum Schutz der eigenen Propagandalügen.

Die einzige klassische Tageszeitung, die über dieses Gerichtsverfahren des Stern und seines Journalisten Marc Drewello gegen Blauer Bote Magazin berichtete, war Neues Deutschland:„Twitter-Mädchen aus Aleppo: Bauchredner aus Syrien„. Der ND-Artikel ist recht kurz, beginnt aber einigen sehr passenden Sätzen zu diesem aktuellen Medienskandal: „Das Onlinemagazin »Stern.de« erringt einen Sieg in einem beachtlichen Medienprozess – und berichtet (so wie alle anderen etablierten Medien auch) mit keiner Zeile darüber. Es mag sein, und das ist eigentlich die einzige Erklärung für diesen verschämten Umgang mit dem eigenen Triumph, dass den Blattmachern die ganze Sache ein bisschen unangenehm ist – und das zu Recht.“.

Weiter heißt es in dem Neues-Deutschland-Artikel unter Bezugnahme auf den Übermedien-Journalisten Boris Rosenkranz, der auch bei dem Gerichtsverfahren am Hamburger Landgericht anwesend war: „Rosenkranz’ Nachfrage bei Stern.de, ob sie die Bana-Geschichte denn für wahr halten und sie in irgendeiner Weise überprüft haben, wollte eine Verlagssprecherin mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht beantworten.“. Der übliche PR-Bullshit eines Unternehmenssprechers … Natürlich hat der Stern sich zu seinem skandalösen Verhalten zu erklären, welches darauf hinausläuft, den Kritiker an der Bana-Alabed-Lügengeschichte in teure Gerichtsprozesse zu ziehen, aber der Stern weigert sich. Welch ein „Sieger“ – und das auch noch auf dem Rücken eines kleinen Kindes …

Einige Magazine und Blogs haben über den Fall berichtet. Wer jedoch beispielsweise bei Google News „Bana Alabed“ eingibt, wird kaum fündig werden, obwohl das doch monatelang ein ganz heißes Eisen in der „Medienberichterstattung“ zum Syrienkrieg war. Um so erfeulicher ist es, dass in einem Kommentar-Artikel der Berliner Zeitung die Bana-Alabed-Thematik kurz aufgegriffen wird. Es ist neben einem Telepolis-Artikel zu Fake News in der ARD, den mein Anwaltes Markus Kompa geschrieben hat, der einzige deutschsprachige Artikel, der aktuell (10.8.2017) mit der Standardsuche bei Google News zu „Bana Alabed“ überhaupt gefunden wird – von einer Befassung der Medien mit dem unglaublichen Gerichtsverfahren des Stern in der Sache ganz zu schweigen. Um so erfreulicher ist, dass den Berliner-Zeitung-Artikel mit Professor Götz Aly ein bekannter Wissenschaftler geschrieben hat, der sich zudem nicht von der Propaganda ins Bockshorn jagen läßt. Hier zwei Zitate aus dem Aly-Artikel:

„Während westliche Medien die Lügengeschichte vom siebenjährigen „Twittermädchen“ Bana Alabed aus dem von „den Rebellen“ eroberten östlichen Stadtteilen Aleppos als pure Wahrheit verkauften, saß Franziskanerpater Ibrahim Alsabagh im belagerten Westteil der umkämpften Stadt. Er war den Regierungstruppen dankbar, dass sie die fast schon Eingeschlossenen verteidigten. […] Hat man in den großen deutschen Medien je von diesen Kriegsverbrechen der sogenannten Rebellen gehört? Hat sich die Bundeskanzlerin, die so gerne Assad und Putin verurteilte, jemals dazu geäußert? Nein! Wer das von deutschen Politikern und Medienleuten erzeugte, weithin unkritische Bild vom syrischen Krieg korrigieren und ergänzen möchte, lese dieses Buch.“. Das erwähnte Buch hat der Franziskanerpater über seine Erlebnisse in Aleppo 2015 und 2016 geschrieben. Es heißt in seiner deutschsprachigen Ausgabe „Hoffnung in der Hölle. Als Franziskaner in Aleppo“.

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