Gesellschaft Medien Politik Wissenschaft

Stern: Nach Holocaust-Bana auch noch ein Trump-Hitler-Vergleich

Der Zentralrat der Juden in Deutschland regt sich zurecht darüber auf, dass das Hamburger Magazin Stern – auch bekannt durch seine gefälschten Hitlertagebücher – in seiner neuesten Ausgabe auf dem Titel US-Präsident Donald Trump mit Hitlergruß zeigt und das Ganze mit „Sein Kampf“ untertitelt. „Die Darstellung von Präsident Trump als vermeintlich neuer Hitler ist geschmacklos und völlig deplatziert“, sagte der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster dem Berliner „Tagesspiegel“. Die Hamburger Zeitschrift agiert nicht das erste Mal in diese Richtung: Bereits in den vergangen Monaten hatte der Stern wie viele andere deutsche Medien auch die Bana-Alabed-Story gepuscht und für politische Zwecke eingesetzt und diese Geschichte beinhaltet auch die Relativierung des Massenmordes an Juden während der Nazizeit. Dabei wurde unter anderem das Gedenken an Anne Frank zur Propaganda im Syrienkrieg instrumentalisiert sowie im Rahmen plumper Kriegspropagandalügen von einem „Holocaust“ gegen die mit dem Westen verbündeten Al-Qaida-Kämpfer und ihre Geiseln gesprochen.

Der Stern brachte in den vergangen Monaten immer wieder die Propagandastory um das siebenjährige Mädchen Bana Alabed aus Syrien. Diese wurde von ihren jihadistischen Eltern und der „Rebellen“ genannten Al-Qaida-Koalition in Syrien gemeinsam mit dem britischen und türkischen Geheimdienst und westlichen Medien missbraucht, um als Twitter-Avatar Stimmung gegen die Rückeroberung Aleppos durch syrische Regierungstruppen – gemeinsamer Feind des Westens, Saudi-Arabiens etc. und der syrischen Al-Qaida-„Rebellen“ – zu machen. Aleppo wurde von einer Koalition radikalislamistischer Jihadisten unter Führung der Al Qaida gehalten, wie selbst die US-Regierung immer wieder einräumen musste (was aber nie wirklich in die relevanten Medien gelang): Das US-Verteidigungsministerium ließ beispielsweise im April 2016 bei einer Pressekonferenz zu Syrien und Irak verlauten: “That said, it’s primarily al-Nusra who holds Aleppo”. Al Nusra ist der syrische Arm der Al Qaida. Die Qaida hielt also nach Angaben des US-Militärs Aleppo beziehungsweise Ost-Aleppo.

So weit, so schlecht. Es kommt aber noch schlimmer: Der Stern will die Propagandageschichte um Bana Alabed mit Gewalt – vor Gericht – als DIE WAHRHEIT durchsetzen. Dabei ist die Geschichte, dass ein siebenjähriges Mädchen in einer Fremdsprache (Englisch) aus Ostaleppo gegen die bösen Russen und Syrer twittert, schon auf den ersten Blick eine sehr offensichtliche Fälschung zu Propagandazwecken, denn die Betreiber des Bana-Alabed-Twitter-Accounts entlarven sich immer wieder selbst mit ihren Tweets, deren Sprachvermögen und Botschaften. Es überwiegt ein recht gutes Englisch, welches man wohl eher englischen Muttersprachlern zuordnen kann. Ein einfacher Blick auf den Bana-Alabed-Account genügt schon, um zu begreifen, dass diese fremdsprachlichen, englischen Twitterbotschaften nicht von einem arabischsprachigen siebenjährigen Mädchen kommen können. Dass der Twitter-Account dann auch noch haarsträubende Fehler macht und Bana beispielsweise zwischenzeitlich für tot erklärt wird oder behauptet wird, Bana habe eine Schwester, nur um das nach dem Erkennen des Versehens (Sie hat keine) einige Zeit später wieder zu relativieren, setzt der peinlichen Story dann noch die Krone auf.

Im Rahmen der Propagandastory um Bana Alabed wurde auch der Holocaust missbraucht sowie Bana Alabed mit dem bekannten jüdischen Naziopfer Anne Frank verglichen. Gegen die Angriffe auf Ost-Aleppo wurde durch Bana Alabed eine verquere Holocaust-Rhetorik ins Spiel gebracht sowie Bana selbst von den westlichen Medien als „Anne Frank von Aleppo“ bezeichnet. Dieses Motiv war von Anfang etabliert worden. Am 9. Oktober brachte Anne Will in ihrer ARD-Talksendung einen bizarren Holocaust-Vergleich: „Da wird an irgendeiner Stelle gefragt, wie der Holocaust passieren konnte. Schauen sie sich Aleppo an, dann wissen sie es! Das heißt – will uns der Kommentar sagen – wer das Sterben in Aleppo zulässt ohne zu handeln, der macht sich auch schuldig.“. Bana Alabed hatte beispielsweise am 29. September 2016 die Angriffe Syriens und Russlands zur Rückeroberung des Ostteils von Aleppo mit dem Holocaust verglichen: “Liebe Welt, es ist besser, den 3. Weltkrieg zu starten als Russland und Assad einen Holocaust in Aleppo begehen zu lassen.”. Hashtag „#HolocaustAleppo“…

bana_alabed_holocaust_aleppo

„In Kommentaren unter ihren Tweets und Videos wird sie bereits mit Anne Frank verglichen.“, schreibt Claudia Becker in der WELT am 4. Oktober 2016. Die „New York Times“ bezeichnete das Mädchen bereits als „Anne Frank von Aleppo“.“, schreibt n-tv am 4. Oktober 2016. Und so weiter … Eines der berühmtesten und ersten Fotos zeigt die kleinen Bana an ihrem Schrank-Schreibtisch, fast in der gleichen Szene und Pose wie Anne Frank auf ihrem berühmten Foto am Schrank-Schreitisch. Das Bild war auch lange Banas Profilbild bei Twitter und ihr erstes Profilbild.

Dass der Stern nach den Skandalen um die gefälschten Hitlertagebücher und die Bana-Alabed-Fake-News noch einmal dermaßen mit einer Hitler-Show ins Klo greift, zeigt symptomatisch die Arroganz der heutigen Propagandamedien, die sich selbst auch noch „Qualitätsmedien“ nennen und denen für ihre politische Propaganda offenbar jedes Mittel recht ist. Die Verwahrlosung der Presse schreitet (leider) mit schnellen Schritten voran. Gäbe es doch wirkliche Qualitätsmedien, das wäre schön …

Es gibt ein Spendenkonto für die laufenden Gerichtsverfahren gegen den Stern im Falle der Bana-Alabed-Geschichte.

Ein Kommentar

  1. Dazu paßt doch auch daß „Xieg Yeil“ des AA als Glückwunschgruß an die Ukraine.
    Da aber solches in der Schrottpresse nicht verkündet wird oder in den Nachrichten, bekommt es Otto Normalverbraucher nicht mit und wenn, würde es ihn auch nicht stören, ist ja nicht schlimm, ist ja nicht hier und überhaupt.

Kommentare sind geschlossen.