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Experten klären über Syrienkrieg auf

Viele westliche Wissenschaftler, vor Ort recherchierende Journalisten, in Syrien tätige Geistliche und andere Augenzeugen sowie weitere Experten haben sich zu dem aktuellen militärischen Konflikt in Syrien geäußert. Sie zeichnen ein Bild, welches nicht viel mit dem Großteil der Berichte in der westlichen Presse gemein hat. Dieser Artikel ist der zweite Teil einer Sammlung von Expertenstimmen zum Syrienkrieg. Der erste wurde unter dem Titel „Syrienkrieg: Wissenschaftler und andere Experten klären auf“ veröffentlicht. Hier nun einige dieser Expertenaussagen, die helfen, die Situation im Nahen Osten richtig einzuschätzen:

Professor Jan Oberg: „[…] die aus anderen Ländern gekommen waren und den Osten Aleppos besetzt hatten ‒ ob wir sie nun Rebellen, Dschihadisten, bewaffnete Opposition, Kämpfer, Terroristen oder anders nennen. […] Ich habe keine »Weißhelme« getroffen, Angehörige dieser angeblich humanitären Organisation. Ich traf auch niemanden, der sie in Aleppo gesehen hat oder dem von ihnen geholfen wurde. […] Auch die großen westlichen Medien sind weggeblieben.“

Professor Michael Jabara Carley: „In der Tat kreist die syrische arabische Armee die Dschihad-Terroristen in Aleppo ein und drängt sie in Richtung der türkischen Grenze, um ihnen die Versorgungswege abzuschneiden […] Ein Umschwung wird überall wohlwollend aufgenommen, mit Ausnahme von den westlichen Mainstream Medien […] Die Obama-Administration hat direkt oder indirekt den ISIS und verschiedene Ableger der Al-Qaida in Syrien unterstützt“

Dr. Daniele Ganser: „Als im März 2011 der Syrien-Krieg ausbricht, sehen wir, dass man dort eigentlich die Sicherheitseinheiten von Präsident Assad angegriffen hat, also die Polizei und das Militär. Das waren verdeckte Kriege, die durch Saudi-Arabien und Katar unterstützt wurden. […] Sie haben aber nie Panzer geschickt, […] stattdessen radikale Sunniten unterstützt, welche dann den Sicherheitsapparat der Syrer angreifen. Und als die Syrer zurückgeschossen haben, hat man gesagt, dass Assad sein Volk erschieße.“

Professor Eva Myrdal: „[…] konnten wir frei in Damaskus und von dort Richtung Osten reisen. […] Während unserer Reise sehen wir Aufrufe vom schwedischen Außenministerium und die Nachrichten von internationalen TV-Sendern wie CNN, BBC und Al- Dschasira auf arabisch und englisch. Wir stellen fest, dass die Unstimmigkeiten zwischen dem, was die behaupten über Plätze, wo wir sind, und den Fakten vor Ort systematisch sind. Und in den vergangenen Monaten ist es noch deutlicher geworden, dass ‚die internationale Berichterstattung‘ à la Svensson eine Desinformationskampagne betreibt.“

Professor Ulrich Winkler: „Die lokalen Bischöfe sagten und sagen mir immer wieder in Gesprächen: Was ist die Alternative für die Christen? Wer schützt die Christen, wenn nicht das Assad-Regime? Welche Perspektiven gibt es überhaupt? […] Der Unterschied ist, dass wir es bei den Russen genau wissen, dass und wie sie Assad unterstützen, bei den anderen internationalen Akteuren, militärischen Beratern, Spezialeinheiten und Rebellengruppen ist das nicht so deutlich zu erkennen […] dass der Waffennachschub von außen für alle Seiten nach wie vor funktioniert, sonst wäre der Krieg längst zu Ende.“

Oberlandesgericht Düsseldorf: „Der Generalbundesanwalt wirft dem Angeklagten u. a. die Begehung von Kriegsverbrechen nach dem Völkerstrafgesetzbuch (VStGB) vor. So soll er in Aleppo eine mindestens 150-köpfige Stadtteilmiliz befehligt haben, die zu der Gruppierung „Ghoraba-as-Sham“ gehörte. […] soll die von dem Angeklagten befehligte Miliz einen Stadtteil im Nordosten von Aleppo kontrolliert haben. Die Miliz soll Plünderungen vorgenommen und Menschen, die sich ihr widersetzten, gefangenen genommen, gefoltert und auf das Schwerste misshandelt haben.“

General a.D. Harald Kujat: „Aber Aleppo wird deshalb eine humanitäre Katastrophe, weil dort Terroristengruppen diese Stadt besetzt haben, die Bevölkerung unterdrücken und das Regime, Assad-Regime, versucht, diese Stadt zu befreien. […] Aleppo hat eben auch eine Schlüsselfunktion für die Versorgung der terroristischen Gruppen: Al-Kaida, dort Al-Nusra, besetzen Aleppo und der IS. Es ist eben nicht so, dass dort die gemäßigten Gruppen gegen das Assad-Regime kämpfen […]“

Erzbischof Jacques Behnan Hindo von Hassakè-Nisibi: „Die westliche Propaganda […] redet weiterhin von gemäßigten Rebellen, doch die gibt es nicht: in der Galaxie der bewaffneten Gruppen sind die Soldaten der Syrischen Befreiungsarmee nur mit einer Lupe zu finden. Alle anderen, abgesehen vom IS, haben sich in der Al-Nusra-Front zusammengeschlossen, ein Ableger der Al Kaida in Syrien […] Dies alles ist sehr beunruhigend: diese Supermacht protestiert 14 Jahre nach dem 11. September, weil die Russen die Milizen der Al Kaida in Syrien bombardieren. Was bedeutet das?“

Professor Theodore Postol: „Dies wirft beunruhigende Fragen darüber auf, wie die politische und militärische Führung der USA zu dem Schluss kam, dass die syrische Regierung für den vermeintlichen Angriff verantwortlich war. Es ist besonders bedenklich, dass der WHR sich als ein Bericht mit „sehr überzeugenden“ Erkenntnisse darstellt und dass zahlreiche hohe Beamte in der US-Regierung ihre Ansicht darüber zum Ausdruck brachten, dass der Bericht korrekt war“

Professor Günter Meyer: „2007 deckte […] Seymour Hersh auf, dass die USA gemeinsam mit Israel und Saudi-Arabien eine Terrorarmee zum Sturz der Regierungen in Damaskus aufbauten. Auch berichtete der ehemalige französische Außenminister Fabius von britischen Vorbereitungen im Jahre 2009 für einen militärischen Angriff auf Syrien. […] Nach westlicher Lesart wurden die friedlichen Proteste des „Arabischen Frühlings“ 2011 vom Assad-Regime mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Nicht erwähnt wurden Bewaffnete […] Ebenso wenig erwähnt wurden „versteckte Massaker“ an Sicherheitskräften.“

Professor Norman Paech, teilweise zitiert: „Dagegen sei zum Beispiel nachgewiesen worden, dass 2013 Sarin aus der Türkei an „Rebellen“ in Syrien geliefert wurde. Das sei durch die Medien auch hierzulande nicht weiter verfolgt worden. „Die unendliche und desillusionierende Reihe von Kriegslügen, die uns alle US-amerikanischen Administrationen bei ihrer Kriegsführung von Vietnam über Jugoslawien bis hin zum Irak geliefert haben, haben mein Vertrauen in deren Meldungen zerrüttet““

Scott Ritter: „Das Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm der CIA lässt sich zurückverfolgen bis zum Frühjahr 2011 […] Gedeckt durch die Luftherrschaft der NATO waren Kämpfer gegen das Regime in Libyen imstande, die Kontrolle über weite Landesteile zu erlangen. […] Waffen umzuleiten in die Türkei, wo sie Rebellenkräften übergeben wurden, die seit Juni 2011 im Kampf gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad standen […] vom syrischen Zweig der Muslimbruderschaft“

Professor Götz Aly: „Russland konnte der Türkei abringen, dass die radikalislamische Al-Nusra-Front (mittlerweile als Fatah-Al-Scham-Front getarnt) und selbstverständlich der IS weiterhin bekämpft werden. Beide Terrororganisationen wurden jahrelang von Saudi-Arabien, lange auch von der Türkei direkt unterstützt, indirekt mit US-amerikanischen und britischen Waffen beliefert […] Im Fall Syrien leiden unsere führenden Politiker (und viele Journalisten) an Geschichtsblindheit und Realitätsverlust.“

Peter Scholl-Latour: „Die Lage in Syrien selbst wäre nicht so explosiv, wenn nicht von außen heraus Unterstützung, Geld und vor allem auch Waffen hineingetragen würden. Es ist ja bezeichnend, dass die Aufstandsgebiete Homs unmittelbar an der libanesischen Grenze liegen […] dann andererseits Kilis, wo neuerdings die Türken […] Stellung bezogen haben, und dann eben auch als dritter Punkt Dara’a an der Grenze von Jordanien, man kann auch sehr leicht einen jordanischen Soldaten in eine syrische Uniform kleiden und sagen, das sei ein syrischer Soldat.“

Dr. Michael Lüders: „In Syrien wollte man und will man um jeden Preis Baschar al-Assad stürzen, ebenfalls ein furchtbarer Diktator. Aber man muss ja die Frage beantworten, sollte dieses Regime fallen, wonach es erst einmal nicht aussieht, wer würde dann die Macht in Damaskus übernehmen? Wahrscheinlich ja nicht Christ- oder Sozialdemokraten, sondern eher der Islamische Staat. Wo also ist die Logik dieser Politik?“

Karin Leukefeld: „Die wirtschaftlichen Zentren Syriens – die um Aleppo, Homs und Damaskus angesiedelt waren – sind weitgehend zerstört. Syrien hatte eine eigene Pharmaindustrie, eine hervorragende Textilindustrie, eine Lebensmittelindustrie und große Getreidereserven: alles ist zerstört, geplündert und in die Türkei verkauft.“

Professor Frieder Otto Wolf: „Man wird der Sache nicht gerecht, wenn man den Konflikt nur aus der Perspektive der gegenwertigen Oppositionskräfte in Syrien beschreibt. Man muss auch die langfristige Entwicklung und die gesellschaftlichen Kräfte dort betrachten. Der Westen hat sich hier mit islamistischen Kräften eingelassen, wie auch schon in Afghanistan und in Libyen, mit denen, wie ich glaube, keine tragfähige Partnerschaft möglich ist.“

Dr. Daniele Ganser: „Saudi Arabien, Katar, die Türkei, die Briten und die USA wollen seit Jahren Assad stürzen […] In der wissenschaftlichen Forschung spricht man von Regime Change, also von Putsch. […] Um Assad zu stürzen, haben seine Gegner radikale Sunniten unterstützt und diese bilden heute den IS.“

Professor Marcello Ferrada de Noli: „Lieber Herr Hackl, Ihre Investigativ-Abteilung der ARD stellte eine Anfrage an mich, in Reaktion auf eine Veröffentlichung von RT unter dem Titel: „Schwedische Ärzte: Lebensrettende Maßnahmen der White Helmets sind gestellt und gefährlich.“ Darin werde ich […] als Leiter der schwedischen Ärzteorganisation „Ärzte für Menschenrechte“ (SWEDHR) interviewt. […] zahlreiche gefälschte „lebensrettende“ Maßnahmen an vermutlich bereits toten Kindern […]“

Bischof Severios Malke Mourad, zitiert: „Nach seinen Informationen seien bei den jüngsten Angriffen der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) auf nordsyrische christliche Dörfer zwischen drei- und vierhundert Christen entführt worden. Insbesondere das christliche Dorf Tell Tamer sei wegen seiner Grenznähe von strategischer Bedeutung für die IS-Terroristen, da es ihnen die Waffenzufuhr über die Türkei ermögliche.“

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer: „Programmbeschwerde: ARD-aktuell unterschlägt Gegenansicht zum Syrienkrieg […] Der Bericht des Erzbischofs Tobij im italienischen Parlament, immerhin einer der großen politischen Bühnen der EU, wäre geeignet gewesen, dem deutschen Publikum die erbärmliche Heuchelei der Berliner Regierung bewusst zu machen. Er hätte auch eine Erklärung mehr dafür abgegeben, weshalb Rom sich am 20.10. weigerte, weitere EU-Sanktionen gegen Russland mitzumachen, wie vom Kabinett Merkel gefordert.“

Professor Götz Aly: „Anders als die Initiatoren der Studie […] weismachen wollen, flohen nicht fast 70 Prozent der Befragten allein wegen des Assad-Regimes aus Syrien, sondern allenfalls 20 Prozent […] Entweder sind die dafür verantwortlichen Journalisten unwillig, Statistiken zu prüfen, oder sie verstehen sich als Propagandisten […] Abgesehen von der Interpretation der Daten gilt es zu bedenken, dass Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen, ganz überwiegend wissen, welche Antworten opportun sind und welche nicht.“

John Pilger: „Von diesem Moment an plante die CIA die Zerstörung der syrischen Regierung durch dschihadistische Fanatiker – jene Fanatiker, die die Bevölkerung in Mosul und in Aleppo als Geiseln halten. Warum kommt das nicht in den Nachrichten? Der frühere britische Außenamtsvertreter Carne Ross, der für die Sanktionen gegen den Irak zuständig war, erzählte mir: ‚Wir haben die Journalisten mit irrelevanten Tatsachen aus gesäuberter Aufklärung gefüttert, oder wir haben sie kaltgestellt. So funktionierte das.‘“

Bernd Duschner: „Die Politik der Nato, einen Regime-Wechsel in Damaskus zu erzwingen, hat zu mittlerweile 400.000 Toten und 2.000.000 Verletzten geführt. Elf Millionen Syrer wurden zu Flüchtlingen gemacht. Bereits Ende 2014 war das Sozialprodukt des Landes verglichen mit 2010 um 60% eingebrochen und 64,7% der Syrer lebten in extremer Armut und konnten sich selbst die notwendigsten Lebensmittel nicht mehr kaufen. An diesem Krieg gegen Syrien hat sich die Bundesregierung von Beginn an beteiligt.“

US-Abgeordnete Tulsi Gabbard: „[…] Proteste gegen die Regierung, die 2011 begannen, schnell von wahabitischen Jihadistengruppen wie al-Qaeda (al-Nusra) übernommen wurden, welche von Saudiarabien, Türkei, Qatar, den Vereinigten Staaten von Amerika und anderen Ländern finanziert und unterstützt wurden.  […] Ich traf ein muslimisches Mädchen aus Zabadani, die 2012 im Alter von 14 Jahren von „Rebellengruppen“ entführt, immer wieder geschlagen und vergewaltigt wurde“

Clinton-E-Mails, Sullivan an Hillary Clinton: „See last item – AQ is on our side in Syria. Otherwise, things have basically turned out as expected.“. Anmerkung: AQ steht hier für Al Qaida.

Professor Götz Aly: „Vor drei Monaten ließ Thomas de Maizière im Bundestag eine Anfrage der Linken so beantworten: Nach Einschätzung des BND halte die Bundesregierung die Türkei für eine von Regierungsseite geförderte „Aktionsplattform“ der Islamisten. Hernach war von einem „Büroversehen“ die Rede, doch bestritt außer der türkischen Regierung niemand den Inhalt der Antwort.“

Oberlandesgericht München, zitiert: „Die Angeklagten erledigten von August 2013 bis April 2014 im Gebiet um die syrische Stadt Aleppo Wachdienste für die Gruppe und beteiligten sich so am Kampf gegen das syrische Militär und Rebellen. Bei Kamel T. sei eine salafistische Motivation hinzugekommen. Azad R. sei hingegen ein Mitläufer gewesen. Die Richter befanden die Angeklagten der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz für schuldig.“

Rüdiger Göbel: „Auf Geheiß von Präsident Barack Obama wirft die US Airforce Waffen und Munition für die Aufständischen in Syrien per Fallschirm ab – offiziell natürlich nur für die »moderaten«, die gegen die »radikalen« kämpfen. Damit sorgen die USA für eine weitere Verlängerung des Syrien-Konflikts, der nun seit vier Jahren andauert. Mehr als 250.000 Menschen wurden dabei getötet – die Hälfte davon wohl syrische Soldaten, die Land und Leute verteidigten.“

Bischof Georges Abou Khazen: „Leider wissen wir nicht, was die dschihadistischen Gruppen tun. Wir wissen, dass es sich größtenteils um ausländische Kämpfer handelt: Wer hat das Kommando über sie? Wem gehorchen sie? Werden sie sich der Feuerpause anschließen? […] An vielen Orten finden Initiativen der Aussöhnung mit den Syrern statt, die sich den Rebellen angeschlossen hatten. Die sogenannten ‚Kämpfer‘ werden aus dem Ausland kontrolliert und leisten weiterhin Widerstand.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer: „[…] Skandal um die türkischen Giftgaslieferungen an syrische Terroristen, die schließlich zu dem Massaker von Ghouta führten […] USA und der NATO, die beide den Massenmord mit Sarin dem Präsidenten Assad in die Schuhe schieben und einen Krieg gegen Syrien beginnen wollten […] den türkischen Abgeordneten Eren Erdem. Dem droht ein Verfahren wegen Landesverrats(!), weil er die türkische Verstrickung in das Verbrechen ans Licht brachte.“

Professor Theodore Postol: „Tatsache ist, dass ein in dem Dokument angeführtes Beweisstück auf einen Angriff hinweist, der am Morgen des 4. April von Einzelpersonen am Boden verübt wurde, nicht aus der Luft. Dieser Schluss basiert auf einer Vermutung, die das Weiße Haus anstellt hinsichtlich des Giftgasbehälters und der Fotos dieses Behälters. Meine Einschätzung ist, dass dieser Behälter höchst wahrscheinlich manipuliert oder inszeniert ist, so dass keine ernsthaften Schlüsse aus den vom Weißen Haus vorgelegten Fotos gezogen werden können.“

Peter Scholl-Latour: „Wir regen uns zu Recht über die NSA auf. Aber man musste schon sehr naiv sein, um nicht zu wissen, dass diese Überwachung stattfindet. Das größere Problem sind Fabriken der Desinformation, ob sie sich nun in North Carolina, London oder Israel befinden. Die zielen auf deutsche und europäische Medien. Und das klappt. Von der „taz“ bis zur „Welt“ – ein Unisono, was die Ukraine betrifft. Oder Syrien: Als man die Aufständischen als die Guten und die anderen als die Bösen dargestellt hat. Dabei waren weder die einen noch die anderen gut oder böse. Wir leben mit so vielen Lügen.“

Professor Günter Meyer: „Ein gezielt betriebener Wirtschafts- und Stellvertreterkrieg des Westens und anderer Staaten in der Region hat die Bevölkerung ins Elend und bereits 11 Millionen Syrer auf die Flucht getrieben. […] Die jüngsten Drohungen aus Washington verbunden mit einer schleichenden Invasion im Osten des Landes […] dass die Unterstützung und Expansion des Islamischen Staates auf eine bewusste Entscheidung der amerikanischen Regierung zurückzuführen sei. In einem […] Gespräch des Außenministers Kerry mit Führern von Milizen der Assad-Gegner wurden diese Angaben bestätigt.“

Daniel McAdams, General a.D. Wesley Clark: „Weit davon entfernt, eine spontan gewachsene Wurzel-allen-Übels-Organisation zu sein, wurde zumindest laut General Wesley Clark ISIS von unseren ‚engsten Alliierten‘ geschaffen und finanziert. Der General sagte: ISIS entstand von Anfang an mit Geld von unseren Freunden und Alliierten … um auf Leben und Tod gegen Hezbollah zu kämpfen.“

Dr. Tim Anderson: „Im Fall der syrischen Flüchtlinge in Europa hat eine in den USA ansässige Organisation mit Namen ‚The Syria Campaign‘ solche Missverständnisse gefördert, einschließlich der Behauptung, dass die meisten dieser Flüchtlinge ‚vor Assad geflüchtet‘ seien. Die ‚Syria Campaign‘ ist eine Public-Relations-Schöpfung […] sie arbeiten für eine NATO-Intervention auf der Seite der dschihadistischen Gruppierungen“

Professor Jan Oberg: „Was auch immer Ihnen die großen westlichen Medien über Völker- und Massenmorde in Ost-Aleppo erzählt haben […] sie berichten aus Beirut, Istanbul oder Berlin. Ich habe niemanden von ihnen gesehen. Und ich habe auch keine Leichen oder Leute mit Angst in den Augen gesehen. […] Ich war der einzige Skandinavier und unter dem ersten Dutzend – vor allem Medienvertreter – die in den Osten der Stadt gelangten […] Dort sprach ich mit erschöpften aber ungeheuer glücklichen Menschen.“

Dominic: „Erstaunlich erwachsen ist die Liste derer, denen angeblich eine Siebenjährige auf Twitter folgt: Präsidenten, Premiers, Stars aus USA und Indien, berühmte Autoren, Journalisten der Weltpresse, ein Konto auf Japanisch und ganz am Anfang Elizabeth Tsurkov – Denkfabrikler und Meinungsartikler in Israel. Ihrerseits folgen Bana neben Tausenden von Fans und Journalisten auch die Grossen der Welt – darunter Emmanuel Macron, der französische Präsident. Glauben Erwachsene wirklich, dass es ein kleines Mädchen ist, das zu ihnen spricht – eine authentische, neutrale Stimme aus Syrien?“

Marco Glowatzki: „Die Not in Syrien ist vor allem durch die Sanktionen des Westens verursacht, die fast das gesamte wirtschaftliche Leben in Syrien zum Erliegen gebracht haben. Das ist eine echte Katastrophe für Syrien, über die meines Wissens nicht eine einzige Nachrichtensendung umfassend und vor allem fair berichtet hat. […] Ein krasses Beispiel: Die Djihadisten haben etliche Wasserwerke, Stromkraftwerke und Leitungen zerstört. Um diese zu reparieren, werden Ersatzteile benötigt, die Syrien einkaufen müsste. Dürfen sie aber nicht.“

Appel kirchlicher Würdenträger aus Syrien: „Dagegen wurde 2012 aufgrund einer schwer verständlichen Entscheidung das Öl-Embargo für die Regionen aufgehoben, die die bewaffnete und dschihadistische Opposition kontrolliert. […] In diesen 5 Jahren haben die Sanktionen gegen Syrien dazu beigetragen, die syrische Gesellschaft zu zerstören: Sie lieferten sie dem Hunger, Epidemien und Elend aus und arbeiten somit den Milizen von Integralisten und Terroristen, die heute auch in Europa zuschlagen, in die Hand.“

Al-Nusra-Kommandant, Interview mit Jürgen Todenhöfer: „Wir gewannen die Kämpfe dank der „TOW“-Raketen. Wir haben durch diese Raketen ein Gleichgewicht mit dem Regime erreicht. Die Panzer haben wir aus Libyen über die Türkei bekommen. Auch die „BMs“ -Mehrfachraketenwerfer. Das Regime übertrifft uns nur mit seinen Kampfflugzeugen, Raketen und Raketenwerfern. Wir haben einen Teil ihrer Raketenwerfer erbeutet und einen großen Teil aus dem Ausland bekommen. Aber wir haben durch die amerikanischen „TOW“-Raketen die Lage in einigen Gebieten unter Kontrolle.“

André Chamy: „Das Ganze wurde organisiert, um über die Sender der Golfstaaten, besonders die bereits bekannten Qatars, wie Al-Jazeera und Saudisch Al-Arabiya unterstützt von einem weniger bekannten, genannt Barada mit Basis in London, verbreitet zu werden. Letzterer verbarg nicht seine Verbindung zur ‚Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung‘, einem Netzwerk oppositioneller Syrer, welches während der letzten 5 Jahre VOR den Ereignissen, nicht weniger als 6 Mill. $ vom US-Staatsministerium erhalten hatte.“

Jens Bernert: „Das Mädchen Bana Alabed ist eines der Kinder, die im Syrienkrieg für Propaganda mißbraucht werden. Die offizielle Bana-Alabed-Story besagt unter anderem, dass ein siebenjähriges arabischsprachiges Mädchen aus Ostaleppo in gutem Englisch gegen die Angriffe der bösen Syrer und Russen twittert. […] Seit der Rückeroberung von Aleppo durch die syrische Regierung lebt Bana in der Türkei und im Oktober 2017 soll Manchester-United-Fan Bana ein selbstgeschriebenes Buch veröffentlichen.“

IPPNW: „Das Zentralkommando der US-Streitkräfte CENTCOM hat entgegen früherer Behauptungen zugegeben, dass US-Kampfflieger Uranmunition in Syrien eingesetzt haben. Uranmunition ist panzer- und bunkerbrechend und setzt beim Aufprall auf das Ziel hochtoxische, radioaktive Uranoxide in Nanopartikelgröße frei. In den Einsatzgebieten dieser Munition sind Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen gehäuft aufgetreten.“

Professor Günter Meyer: „[…] Wenig später tauchten in den arabischen Medien bereits erste Berichte über die entsprechenden Vorbereitungen auf. Tatsächlich kam es im März 2013 zu einem Chemiewaffeneinsatz in Khan al-Assal, nahe Aleppo, wofür die Regierungstruppen von ihren Gegnern verantwortlich gemacht wurden. Das erschien jedoch wenig glaubhaft, zumal vor allem Alawiten und Soldaten des Regimes zu den 25 Giftgasopfern gehörten.“

Jochen Mitschka: „Kurz darauf tauchten russische Satellitenaufnahmen im Internet auf, die darstellen sollten, dass sich US-Spezialeinheiten mitten durch die ISIS-Terroristenstellungen bewegten, ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Russland beschuldigte indirekt die USA der Zusammenarbeit mit ISIS und Analysten sahen die Tötung der russischen Offiziere als gezieltes Attentat von US-Spezialkräften, was nichts anderes als eine Kriegserklärung wäre.“

Karin Leukefeld: „Im Dezember 2016 kam schließlich die Einigung auf den Rückzug der Kämpfer, ihr Traum, Aleppo zu erobern, war vorbei. Wer wollte, wurde mit Angehörigen in die Provinz Idlib oder direkt in die Türkei evakuiert. Zehntausende Zivilisten kehrten den „Revolutionären“ den Rücken und flohen ins Zentrum der Stadt. Die russische Armee und syrische Spezialkräfte begannen mit dem Minenräumen. Hilfsgüter wurden verteilt, Russland flog ein Feldkrankenhaus ein, Personal inklusive. Westliche Hilfsorganisationen bleiben Aleppo bis heute weitgehend fern.“

Nafeez Ahmed: „Aber der Westen hat diesen islamistischen Gruppen direkt bei ihren Bemühungen geholfen, Syriens Ölfelder in Betrieb zu nehmen. Im April 2013 schrieb beispielsweise die Times, dass Al Kaida-Rebellen die Schlüsselregionen Syriens übernommen hätten: „Die Hand von Al Nusra kann man am stärksten in Aleppo spüren“, wo dieser Al Kaida-Verbündete in Abstimmung mit anderen Rebellengruppen einschließlich ISIS „eine Scharia-Kommission“ eingerichtet hatte“

Professor Michael Jabra Carley, teilweise zitiert: „Es gebe wohl nur eine Gruppe, die von den Verwicklungen zwischen den USA und dem IS nichts wisse: „Die amerikanische Öffentlichkeit“, sagt der Experte. Alle anderen wüssten indes, dass die US-Regierung in Syrien zwei Ziele verfolgt: „Baschar al-Assad stürzen, das Land aufteilen und – das zweite Ziel – es Russland heimzuzahlen. Die Neocons in Washington sind einfach nur rasend, weil Moskau ihnen die Einmischung in Syrien und den Sturz Assads versaut hat.“

Propagandaschau, 20min.ch: „Einer dieser „Rebellen“ steht derzeit in Münster vor Gericht. Was ihm vorgeworfen und durch Zeugenaussagen belegt wird, bestätigt letztlich das, was die syrische Regierung immer wieder gesagt hat, dass es sich bei den Bewaffneten mehrheitlich um Kriminelle und Terroristen handelt. In Syrien nannte er sich Abu Dieb, «Vater des Wolfes», und führte 150 Männer an, die in den Wirren des syrischen Bürgerkriegs zwischen 2012 und 2014 ein ganzes Stadtviertel von Aleppo terrorisierten, plünderten und folterten. Jetzt steht er als Ibrahim A. (42) vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf

Professor Jörg Becker: „In der Kriegsberichtserstattung ist der Missbrauch von Kleinkindern eine üble Form von Kriegsjournalismus. Dort, wo kleine Mädchen auftauchen, ist nur noch Propaganda im Spiel. Dass unsere Medien dieses Spiel mitspielen, ist unerträglich. […] Ich habe mich die letzten Wochen schriftlich beim Westdeutschen Rundfunk darüber beschwert, dass wir im Fernsehen permanent Nachrichten von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bekommen. Das ist ein Ein-Mann-Unternehmen mit Sitz in London, die unerträglich einseitig berichten und dafür sogar noch zum Teil von der EU finanziert werden.“

Professor Götz Aly: „Dahinter steckt ein seit Jahren in Deutschland gepflegtes Fehlurteil, demgemäß „die Rebellen“ in Syrien die Guten seien. Dagegen spricht ein Faktum, über das deutsche Medien infolge ideologischer Selbstverblendung kaum berichten: Seit dem Sieg der syrischen Regierungstruppen in Aleppo kehrten laut der UN 440 000 syrische Binnenflüchtlinge in ihre Heimatstädte zurück; seit dem Beginn der russischen Intervention 2015 machten sich von den ins Ausland geflüchteten Syrern knapp 300 000 auf den Rückweg. Das sind keine Sympathisanten eines Diktators, sondern Menschen.“

General a.D. Wesley Clark: „Also, man ist deswegen ein bisschen im Dilemma, wir müssen diese Art Verwirrung darüber sein lassen. Wir brauchen die Erlaubnis, den Hinweisen zu folgen, die Truppen reinzulassen und das auszuspielen. ISIS wurde gestartet durch die Finanzierung  unserer Freunde und Verbündeten, denn die Leute in der Region werden Ihnen sagen: ‘Wenn Sie jemand wollen, der Hisbollah bis zum Tod bekämpft, so hängen Sie nicht ein Rekrutierungsplakat auf und sagen: ‘Verpflichten Sie sich bei uns’ oder ‘Wir machen eine bessere Welt’. Sie haben es auf Glaubenseiferer abgesehen!“

Dr. Tim Anderson: „In meinem Land haben wir fünf Jahre einer fast monolithischen Kriegsberichterstattung zu Syrien gesehen und eine damit verbundene Kriegszensur abweichender Sichtweisen. Obwohl ich mehr geschrieben habe als jeder andere australische Akademiker oder Forscher zum Syrienkrieg, wurde ich de facto durch die australischen korporativen und staatlichen Medien auf die schwarze Liste gesetzt, da das, was ich sage, nicht zur offiziellen Linie paßt.“

Alle Teile:

Teil 1 – Syrienkrieg: Wissenschaftler und andere Experten klären auf

Teil 2 – Experten klären über Syrienkrieg auf