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Erdogan ist in die Giftgas-Attacken in Syrien verwickelt

Der aktuelle Medienrummel um das Schmähgedicht Jan Böhmermanns gegen den türkischen Präsidenten Erdogan ist mal wieder eine gute Gelegenheit, um auf die Untaten des türkischen Machthabers hinzuweisen. Hier eine kleine Liste. Insbesondere sollte man auch bedenken, dass die Giftgasangriffe in Syrien mit über tausend Toten mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit eine Aktion Erdogans waren. Und das ist, auch wenn es immer noch entgegen jeglicher anderslautender Beweislage von US-Präsident Barack Obama gedeckt wird, mit Sicherheit ein schweres Verbrechen. Eines, das mindestens so viel Aufmerksamkeit erhalten sollte, wie die Schmähverse des armen Böhmermann, der sich gerade ja wie in Erdogans Reich vorkommen muss. Erdogans Giftgaseinsatz sowie seine Kurdenmassaker und dergleichen sind übrigens auch „bewußt verletzend„, Frau Merkel. Nicht nur Böhmermanns Gedicht ist das. Fragen Sie doch mal die Toten … Ach nee, das geht ja schlecht.

Giftgasaktion in Syrien

Seymour M. Hershs Syrien-Giftgas-Artikel auf deutsch. “Syrienkrieg: Der mehrfach ausgezeichnete us-amerikanische Investigativjournalist Seymour M. Hersh – Gewinner des Publitzer-Preises und fünffacher Gewinner des George Polk Award – hat in einem Anfang 2014 erschienen Artikel (“Whose sarin?“) sowie einem darauffolgenden Bericht (“The Red Line and the Rat Line. Seymour M. Hersh on Obama, Erdoğan and the Syrian rebels“) aufgezeigt, dass die syrische Regierung höchstwahrscheinlich nicht für den Giftgasanschlag im syrischen Ghouta bei Damaskus verantwortlich war, sondern eher Erdogans türkische Regierung und die radikal-islamistische Al-Nusra-Front, der syrische Arm der Al Kaida. Es handelt sich bei dieser Attacke um DEN Giftgasangriff in Syrien”.

Rote Linie, Rattenlinie. Giftgas, Bürgerkrieg und Krieg – Obama, Erdoğan und Syriens Rebellen. “Unsere militärische Führung erfuhr von der DIA und anderen Geheimdiensten, daß das Sarin über die Türkei geliefert wurde – und daß das nur mit türkischer Unterstützung möglich gewesen war. Die Türken sorgten außerdem für die Ausbildung in Sachen Herstellung und Umgang damit.“ Erhärtet wurde diese Annahme zu einem Gutteil von den Türken selbst, so durch abgefangene Unterhaltungen im unmittelbaren Gefolge des Angriffs. „Wesentliche Beweise kamen unmittelbar nach dem Angriff in Form freudiger Gratulationen in zahlreichen abgefangenen Unterhaltungen der Türken. Operationen sind im Planungsstadium immer megageheim, aber damit ist in dem Augenblick Schluß, wenn es bei Gelingen ans Trommeln geht. Nichts macht einen anfälliger, als wenn die Täter den Erfolg für sich beanspruchen.“ Erdoğans Probleme in Syrien würden bald vorbei sein: „Das Gas geht hoch, Obama sagt red line, und Amerika greift Syrien an – oder wenigstens war das der Gedanke dahinter. Aber so ist es dann eben doch nicht gekommen.“”.

Wer steckt hinter dem syrischen Giftgas-Angriff? ““Mehr als zwei Jahre später sitzen am 21. Oktober 2015 zwei türkische Parlamentsabgeordnete an einem Tisch in Istanbul und erzählen ihre Version der Ereignisse. Eren Erdem und Ali Şeker heißen die beiden Co-Vorsitzenden der oppositionellen CHP-Fraktion im türkischen Parlament. Sie wollen neue Beweise vorlegen: Dafür, dass nicht die syrische Armee, sondern dschihadistische Milizen den Angriff ausgeführt haben. Und dafür, dass nicht Assad, sondern der türkische Geheimdienst hinter dem Angriff von Ghouta steckt. Hintergrund der Pressekonferenz sind Ermittlungen eines Gerichts im südtürkischen Adana. Die Anklage warf dort 13 Türken vor, Giftgas von der Türkei nach Syrien geschmuggelt haben. Doch dem Gericht reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung, es ließ die Männer nach drei Monaten wieder frei. Erdem und Şeker hatten nach eigener Aussage Einblick in die Gerichtsakten und kommen bei ihrer Pressekonferenz zu einer ganz anderen Bewertung als das Gericht.”.”

Erdogan, Merkel, Böhmermann

Der law blog zu der Erdogan-Böhmermann-Sache: „Kunstfreiheit: Das Ding ohne Schranken„. Zitate: „Die Bundeskanzlerin hat ja heute nichts besseres zu tun, als dem türkischen Präsidenten Erdogan mit Kurzgutachten zur Frage auszuhelfen, ob Jan Böhmermanns Spottgedicht denn von den Grenzen der Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt war. […] Im Fall der ‚verleumderischen Beleidigung‘ sind es bis zu fünf Jahre Knast. […] Das Ganze würde jedoch nur funktionieren, wenn Erdogan in Deutschland das macht, was er zu Hause ständig macht. Nämlich Strafanträge stellen. Dann wäre in der Tat die Bundesregierung am Zug […] Ohne grünes Licht von Merkel würde also nichts laufen. […] Das Urteil sprächen am Ende Richter, die von der Kunstfreiheit schon mal etwas mehr gehört haben dürften und die Herrn Erdogan weniger verpflichtet sein dürften als unsere Kanzlerin.“.

Tagesschau.de („Ermittlungen gegen Satiriker- Böhmermanns Witze, Böhmermanns Verbrechen„): „Man müsse Jan Böhmermann nicht mögen – aber die Ermittlungen gegen ihn seien ebenso ein schlechter Witz wie der Paragraph, auf dessen Grundlage ermittelt wird, meint Georg Restle. Denn der Paragraph 103 StGB schütze sogar Diktatoren und Folterer.“.

Fefe zu dem Thema: „Das Gedicht richtete sich gar nicht an Erdogan sondern an Deutschland. Wie es gute Satire eben zu tun pflegt, hält es Deutschland den Spiegel vor. Wir, die wir uns angeblich für Pressefreiheit engagieren, haben nämlich selber Einschränkungen. Und genau die hat Böhmermann da mal aus dem Sack geholt. Und sie haben sich alle trollen lassen. […] finde ich die Böhmermann-Nummer jedenfalls besser und wichtiger als das extra3-Ding. Von hier aus die Gesetze anderer Länder überschreiten ist nicht mutig. Von hier aus die Gesetze des eigenen Landes überschreiten ist es.“.

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