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Köln: Konrad-Adenauer-Preis für Nazikollaborateur Klitschko

Die Stadt Köln ehrt den umstrittenen Kiewer Bürgermeister und ehemaligen Weltklasseboxer Vitali Klitschko mit dem Konrad-Adenauer-Preis. Angesichts der Lage in der Ukraine und der Beteiligung des Bruders von Wladimir Klitschko an den Schandtaten der neuen Regierung und der Unterstützung des in der Ukraine herrschenden rechtsextremen Millieus ist die Preisverleihung ein politischer Skandal erster Güte. Was hat die Stadt Köln nur geritten, ausgerechnet Klitschko auszuzeichnen? Betreiben da Parteien ein Zurschaustellen politischer Solidärität mit der ukrainischen Herrscherelite um jeden Preis, auch wenn man dafür einen Nazifreund ehrt?

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Der Kölner Stadtanzeiger berichtet über die kommende Ehrung Klitschkos – dessen Auftreten bei einer Podiumsdiskussion zur Ukraine im März in Osnabrück bereits für Irritationen gesorgt hatte – und die kritischen und unkritischen Stimmen aus der Kölner Lokalpolitik dazu. in dem Artikel „Aufregung um Auszeichnung für Vitali Klitschko“ heißt es: „Im Zuge des Konrad-Adenauer-Preises werfen Kritiker dem ukrainischen Politiker und Ex-Profi-Boxer Vitali Klitschko ein Bündnis mit Rechtsextremen sowie die Absage des CSD in Kiew vor. In Köln wird er sich dennoch ins Goldene Buch eintragen. […] Das Kuratorium, dessen Vorsitzender Oberbürgermeister Jürgen Roters ist, hatte sich im vorigen Dezember einstimmig für den früheren Boxweltmeister und jetzigen Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew entschieden. Klitschko werde für sein ‚beispielloses Engagement für Frieden und Demokratie in der Ukraine‘ ausgezeichnet.“.

Klitschko – ein eifriger Befürworter des Krieges der ukrainischen Regierung gegen die eigene Bevölkerung („Terroristen“) in der Ostukraine – gilt als Unterstützer des rechtsextremen Bataillons Asow der nicht minder extrem-nationalen ukrainischen Nationalgarde (ein Sammelbegriff für die marodierenden rechtsextremen Freischärler-Schwadrone in der Ostukraine), wie unter anderem auch das Bild hier oben in diesem Beitrag zeigt. Zum Bataillon Asow gibt es hier bei Blauer Bote einen Übersichtsartikel („Bataillon Asow – Ukrainische Nationalgarde„), der viele Medienberichte zitiert, die diese irregulären Kämpfer zurecht als Neonazis bezeichnen. Zwei Beispiele:

„… die konservative US-Nachrichtenwebseite Fox.com titelte am Montag: ‚Hat die Ukraine ein Monster geschaffen, das sie nicht kontrollieren kann?‘. Fox meinte die russophoben und zumeist offen faschistischen Truppen, die auf Seiten der Kiewer Junta in der Ostukraine an vorderster Front im Einsatz sind und dabei zahllose Kriegsverbrechen begangen haben: laut Fox ‚Entführungen von Zivilisten, Folter und Exekutionen‘ sowie Einsatz von ‚Hunger und Durst gegen Zivilisten als Kriegswaffe‘. Über 30 ‚Neonazifreiwilligenverbände‘ gibt es demnach. Ein Teil, wie das berüchtigte ‚Asow-Bataillon‘, unterstehe dem Innenministerium, ein anderer, wie z.B. der ‚Rechte Sektor‘, operiere unabhängig von Kiew. Eine dritte Gruppe – wie das ‚Dnipro-Bataillon‘ – trete als Privatarmee von mit der Junta verbandelten Oligarchen auf. Die Anführer aller drei Kategorien sitzen laut Fox inzwischen in Schlüsselpositionen der sogenannten Sicherheitsministerien und –behörden.“, schreibt jungeWelt in dem Artikel „Mediale Deeskalation? Berichte über Neonazis in Ukraine„.

Rechte Söldner in Ukraine. Kiews Problem in den eigenen Reihen„, titelt n-tv. Zitate aus dem Beitrag: „Die Anschuldigungen Moskaus, dass in der Ukraine Faschisten ihr Unwesen treiben und Russen bedrohen, sind nicht völlig unbegründet. Im ‚Asow Bataillon‘ kämpfen sogar Ausländer dafür, den ‚weißen Mann‘ in dem Land zum Sieg zu führen.“ und „So berichtet die britische BBC über einen schwedischen Scharfschützen, der mit dem sogenannten Asow-Bataillon gegen die Separatisten kämpft. Mikael Skilt sei ein ehemaliger Angehöriger der Schwedischen Armee, auf dessen Kopf mittlerweile ein Preisgeld von 5000 Euro ausgesetzt sein soll. Skilt, der nach eigenen Angaben Kommandant einer Aufklärungseinheit ist, bezeichnet sich selbst als Nationalist. Seine Ansichten gleichen jedoch eher denen eines typischen Neonazis.“.

Kritiker werfen Mitgliedern von Klitschkos Partei UDAR vor, aktiv an dem Massaker in der südwestukrainischen Stadt Odessa beteiligt gewesen zu sein. Am 2. Mai 2014 wurden in Odessa in der Ukraine mindestens (offiziell) 48, wahrscheinlich aber noch viel mehr Menschen (114/116) grausam umgebracht. Die Täter, das war ein Mob aus Rechtsextremen, Maidan-Aktivisten, Anhängern der jetzigen Kiewer Regierung Poroschenko/Jazenjuk. Die Opfer, das waren oppositionelle Demonstranten, die gegen den beginnenden Krieg im eigenen Land und die Maidan-Putsch-Regierung protestierten. Bis heute ist der eigentlich recht eindeutige Fall – die Morde wurden damals sogar im Livestream übertragen – nicht von den ukrainischen Behörden aufgearbeitet worden. Blauer Bote berichtete bereits mehrmals über das Massaker. Dazu gibt es hier auch einen Übersichtsartikel: „Odessa-Massaker: Massenmord in der Ukraine„.

Zitiert wird dort auch der Artikel „Odessa-Massaker: Kiew fälschte Untersuchungsbericht“ von Hinter der Fichte. „Auch die Aussagen von Augenzeugen über die Beteiligung von 500 Radikalen, die mit Hilfe der Gouverneurs Wladimir Nemirowski nach Odessa gebracht worden sind, sind gelöscht worden. Ebenso die Zeugenaussagen, dass – neben anderen Maidan-Anführern – der Führer von Klitschkos UDAR-Partei in Odessa Andrei Jusow angestiftet haben das Gewerkschaftshaus anzuzünden. Wir haben ausführlich berichtet, dass Parubij im Vorfeld des Massakers in Odessa auftauchte und namentlich bekannte Täter wie Wolkow und andere traf.“.

Generell ist der gewalttätige Rechtsextremismus augenscheinlich in der neuen ukrainischen Führungselite der Jazenjuk-Poroschenko-Ära weit verbreitet und salonfähig. Das zeigen nicht nur die vielen Morde (beziehungsweise angeblichen Selbstmorde) an ukrainischen oppositionellen Politikern und Journalisten in den letzten Wochen („Tote Oppositionelle in der Ukraine„) oder Ministerpräsident Jazenjuks Versuch der Geschichtsfälschung zum Zweiten Weltkrieg („Ukraine-Konflikt: Deutsche Bundesregierung findet Jazenjuks Hitler-Verteidigung in Ordnung„) in der ARD, sondern auch wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie der polnische Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe in einem Telepolis-Interview aufzeigt („Ohne historische Aufarbeitung bleibt die Ukraine ein Pulverfass„), gibt es in der Ukraine schon seit Jahren einen fest verankerten faschistoiden Nationalismus. Zitat:

„Juschtschenko war ukrainischer Präsident vom 2005 bis 2010. Er gründete 2005 das Institut des Nationalen Gedenkens, das zwei Narrative auf der Staatsebene popularisierte. Das erste Narrativ stellte die Hungersnot, die von 1932 bis 1933 in der Sowjetukraine stattfand und bei der 2,6 bis 3,9 Millionen Menschen verhungerten, als einen gegen die ukrainische Nation gerichteten sowjetischen Genozid dar, bei dem 7 bis 10 Millionen Ukrainer absichtlich umgebracht wurden.

Das zweite Narrativ heroisierte die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und die Anfang 1943 von der OUN aufgestellte Ukrainische Aufständische Armee (UPA) und stellte sie zusammen mit der Waffen-SS-Division Galizien als den Kern der ukrainischen Befreiungsbewegung dar. Die beiden Narrative waren im Kalten Krieg in der ukrainischen Diaspora verankert, die zum Teil aus den Veteranen dieser Bewegung bestand und sich der Aufarbeitung der Problematik des Zweiten Weltkrieges, besonders der Schoah, in der Westukraine vehement widersetzte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde vor allem das OUN-UPA-Narrativ in die Westukraine importiert, wo es nicht nur von rechtsradikalen Gruppierungen sondern auch nationalistischen und ‚liberalen‘ Intellektuellen, auch Schul- und Gymnasiumlehrer sowie Universitätsprofessoren verbreitet wurde.“.

In der Ukraine herrschen Krieg, Gewalt, Hass und Chaos. Und Vitali Klitschko mischt da kräftig mit, unterstützt Rechtsextreme, geht selbst gegen Oppositionelle vor, führt Säuberungen durch, setzt sich für den Krieg ein, deckt Verbrechen, schürt Hass gegen „die Russen“. Aber wie heißt es in dem oben genannte Bericht des Kölner Stadtanzeigers? „CDU-Vorsitzender Bernd Petelkau sieht keinen Anlass zu Bedenken: ‚Er hat sich als eine demokratische Säule in der Ukraine erweisen.'“. Na, darauf eine Konrad-Adenauer-Preis, liebe Stadt Köln!

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2 Kommentare

  1. Ich, als Kölnerin, bin zutiefst entsetzt!!!
    Sollte Herr Roters seine Wissenslücken bzgl. Kiew schließen wollen, kann er sich gerne bei mir melden..

  2. Naja, Adenauer hat die Nazis in der BRD doch wieder hoffähig gemacht, sie wieder in der Justiz und Wirtschaft sowie der Aussenpolitik willkommen geheissen! Da passt der Name des Preises doch zum Empfänger.

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