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Fussball-WM: Wir schlachten gerade den Jemen ab

Während in Russland der Ball rollt, greifen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE oder UAE), die USA, Großbritannien, Deutschland, Al Qaida- und IS-Terroristen gemeinsam den Jemen an. Der Krieg gegen den Jemen läuft zwar schon seit Jahren, aber jetzt droht dem von der jemenitischen Regierung – in westlichen Medien als Huthi-Rebellen bezeichnet, da der Westen eine saudische Marionettenregierung für den Jemen unterstützt –  gehaltenen Gebiet der endgültige Kollaps, da die Angreiferkoalition gerade den letzten Zugang zu Hilfslieferungen abschnürt und wahrscheinlich Millionen Hungertote die Folge sein werden. 

Erbarmen ist von den Angreifern dabei wenig zu erwarten: Das Abschnüren der letzten Möglichkeit der Nahrungsversorgung für Millionen Menschen ist kein Zufall, sondern dient als Kriegswaffe. Dass sie während der WM „den Sack zumachen“ ist sicher auch nicht unbedingt ein Zufall. Man erinnere sich an den vom Westen inszenierten Putsch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew („Maidan-Revolution“) während der Olympischen Winterspiele 2014 in Russland. Eine „Flüchtlingsproblematik“ wird es dabei wohl auch nicht geben, denn die Kriegsschiffe der USA und Saudi-Arabiens knallen erbarmungslos Flüchtlingsboote ab und behaupten, es habe sich bei den Booten sich um Kriegsschiffe des Jemen gehandelt. Nach dem Motto: „Wen keiner durchkommt, regt sich im Westen niemand auf.“.

Der Jemen wird aus der Luft nicht nur von saudischen Flugzeugen bombardiert, auch die USA beispielsweise feuern Bomben auf das Land, allerdings von bewaffneten Drohnen aus (gesteuert aus Deutschland, aus Ramstein). Teilweise wird das dann wieder als „Kampf gegen IS und Al Qaida“ deklariert, obwohl diese Terrorgruppen wie in Syrien auch direkt oder indirekt auf der Seite der USA und Saudi-Arabiens kämpfen, und die Angriffe gar nicht auf diese Kämpfer erfolgen, was im Westen ohnehin niemand merkt. Oder anders ausgedrückt: Unsere Medien, propagandaverseucht, dass es einem die Sprache verschlägt, sorgen dafür, dass dies niemand so recht mitbekommt oder drehen die Tatsachen einfach um.

Die deutsche Bundesakademie für Sicherheitspolitik bezeichnet die jahrelangen Bombardierungen des Jemen in ihrem „Arbeitspapier Sicherheitspolitik N6/2016“ auch als Bombardierungspraktikum für Saudi-Arabien. Wörtlich heißt es in dem Paper: „Doch was dem saudischen Militär fehlt, ist Erfahrung. Der letzte Auslandseinsatz vor dem arabischen Frühling war 1991 gegen Irak, doch auch in den Jahrzehnten davor war das saudische Militär wenig im Einsatz. Seine Operation im Jemen hat unter anderem diese Funktion: Es dient nicht nur den saudischen Piloten als Bombardierungs- und Aufklärungspraktikum, sondern auch der Koordinierung von verschiedenen Einheiten am Boden – und der Zusammenarbeit mit anderen Staaten“.

Die Zusammenarbeit mit anderen Staaten läuft tatsächlich hervorragend: Deutschland, USA und Co liefern nicht nur Waffen, sondern beteiligen sich, wie bereits angedeutet, direkt am Krieg. In der Einsatzzentrale für den Angriff auf den Jemen in saudischen Hauptstadt Riad sitzen Militärs etlicher Länder der Koalition zusammen. Dass Briten und Amerikaner dabei sind, weiß man. Ob Deutschland auch hier im Einsatz ist, ist nicht bekannt. Angesichts des geradezu manischen Verlangens von Angela Merkel, bei jedem Krieg des Westens dabei zu sein (Beispiele Irak und Syrien), kann man sich aber auch einen Beteiligung an der Einsatzzentrale vorstellen. Im April 2017 wurde ein Abkommen über die Ausbildung saudischer Militärs und Polizisten durch die Bundeswehr unterzeichnet.

Die Briten sind am Boden mit Soldaten im Einsatz, die die Angriffe der Saudis und Truppen der Vereinigten Arabischen Emirate koordinieren und leiten. Das enthüllte das britische Militär selbst versehentlich durch bei Facebook eingestelltes Bildmaterial, welches nur zwanzig Minuten nach dem ungewollten Leak wieder gelöscht wurde. Allerdings hatten Nutzer des Netzwerkes Facebook wie auch mindestens eine britische Zeitung das Beweismaterial für die heimliche Beteiligung Großbritanniens am Krieg gegen Jemen bereits gesichert.

Die eigentlich nicht gerade propagandakritische britische Daily Mail – die allerdings bereits im Fall des von sogenannten „moderaten Rebellen“ geköpften Jungen in Syrien als erste und zunächst einzige westliche Zeitung lange vor den anderen westlichen Medien berichtet hatte – machte den Fall am 25. und 26. November 2017 publik: „Britain’s secret role in Saudi Arabia’s dirty war: UK troops are training army that has left a million on the brink of starvation, investigation finds“ lautet der Titel des entsprechenden Daily-Mail-Artikels.

Ein letztlich versehentlich auf der Facebook-Seite des britischen Armeebataillons „Royal Highland Fusiliers 2nd Battalion“ gepostetes Video zeigt unter anderem einen Soldaten der Royal Highland Fusiliers wie er saudischen Soldaten (oder Soldaten der Vereinigten Arabischen Emirate) vor einer Landkarte mit jemenitischem und saudischem Gebiet einen Angriffsplan gegen Jemen erläutert. Auf dem Plan sind Vorstöße oder Angriffe mit Pfeilen eingezeichnet. Im oberen Bereich links befindet sich eine Flagge Saudi-Arabiens. Im oberen Zentrum ist ein Kartenausschnitt der arabischen Halbinsel mit dem Jemen, Süd-Saudi-Arabien und dem Oman zu sehen.

Nach Angaben der Daily Mail handelt es sich bei der Mitarbeit der Briten um eine Trainingsmission mit dem Codenamen „Operation Crossways“. Bei der „Operation am lebenden Objekt“ seien Soldaten des Royal Regiment of Scotland beteiligt. Diese würden den saudischen Offizieren vom Royal Saudi Land Forces Infantry Institute Techniken der irregulären Kriegsführung („Irregular Warfare“, IW. Vergleiche auch „hybride Kriegsführung“) beibringen. Laut Daily Mail forderte der ehemalige Oberbefehlshaber der Royal Navy, Lord West, Transparenz bezüglich der Rolle der Briten.

Deutschland ist auch bei der Unterstützung der Bodentruppen der Angreiferkoalition aktiv, allerdings als Lazarettstation. Laut Gulf News werden in Jemen verwundete Soldaten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (diese stellen hauptsächlich Bodentruppen) in deutschen Kliniken versorgt. In dem Artikel mit dem Titel „UAE troops wounded in Yemen assured full support“ vom 19. Januar 2015 heißt es zum Besuch eines VAE-Prinzen: „Chief of Abu Dhabi Crown Prince’s Court visits soldiers in hospital in Germany […] Shaikh Hamed visited wounded soldiers at Vivantes, Godeshohe and BGU Murnau hospitals in Berlin, Bonn and Munich respectively.“ Die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate twitterte am ersten Weihnachtsfeiertag 2015 Folgendes zu einem Besuch eines weiteren VAE-Scheichs bei den verwundeten Soldaten im verbündeten Deutschland: „S.H. Sheikh Abdullah bin Zayed besucht #VAE Soldaten, die in deutschen Krankenhäsuern behandelt werden“, samt passendem Foto.

Die Bundesregierung erklärte in der Bundespressekonferenz vom 17. November 2017, dass in Jemen gar kein Krieg stattfände. Die Journalistengruppe „Jung und naiv“ um Tilo Jung veröffentlichte ein entsprechendes Video mit dem passenden Ausschnitt der BPK auf Youtube: „Bundesregierung leugnet Saudi-Arabiens Krieg im Jemen„. Tilo Jung kommentiert das Youtube-Video unter anderem folgendermaßen: „Laut Auswärtiges Amt​ handele es sich im Jemen um einen ‚inner-jemenitischen Konflikt‘, wo die Saudis nur einer Seite Hilfe leisten. Das ist grotesk: Die Saudis führen die arabische Koalition an, die den Jemen seit 2015 in Schutt und Asche bombardiert. Dazu bekommt die Koalition Unterstützung von den USA und Großbritannien.“.

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4 Kommentare

  1. Wo wir auch gerade bei der WM sind: Heute erdreistete sich ein „BILD-Schleimer“ in der Fussball-Talk-Sendung „Doppelpass“ bei „Sport1“ zu der Aussage: „Putin hat Passagierflugzeuge abgeschossen“ (scheinbar er persönlich und gleich mehrere) !!! Und keiner widersprach!
    Das zeigt, wie falsche Tatsachenbehauptungen Eingang sogar in die Bereiche des Sports erhalten. Und wie wird die Fussball-WM in unseren „Qualitätsmedien“ gerade zum Russland-Bashing genutzt – obwohl die Fans aus aller Welt ganz andere Erfahrungen in Russland machen!
    Man könnte zu der Überzeugung kommen, die Feinde Russlands sitzen nur in unserer Regierung und in unseren Medien!
    Und natürlich wird die Ablenkung durch die WM auch benutzt, um in den vielen Kriegen des „Westens“ mit seinen jeweiligen „Verbündeten“ – können auch Terroristen sein – Tatsachen und Erfolge herstellen zu können. Auch im Jemen! Jetzt gerade im Jemen!

  2. Während das Russland-Bashing auf allen Kanälen und „Qualitätsmedien“ im Moment der WM auf Hochtouren läuft, das wird sogar in Live-Kommentaren zu WM-Spielen deutlich, können Saudi-Arabien und die westlichen Verbündeten (ua auch die USA und gerade die BRD sowie GB) im Jemen durch ihre Terrorangriffe „Tatsachen“ schaffen, wobei die eigentliche Regierung zu „Rebellen“ gemacht wird und die Saudi-geleitete „Regierung“ angeblich das Volk vertreten soll! Diese terroristische „Regime-Change“ Politik ist doch zu bekannt.
    Und das Merkel-Regime lässt natürlich weiter Waffen und Munition an Saudi-Arabien liefern, obwohl sie wissen zu welchen Zwecken diese eingesetzt werden! Lieferungen in Krisengebiete sind eigentlich verboten – auch die Lieferungen an Israel!

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