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Atlantik-Brücke, CIA, Nazis und Verschwörungstheorien

Ein toller dreiteiliger Artikel von Markus Kompa im Magazin Telepolis: „Jan Fleischhauer, die Atlantik-Brücke und die CIA„, „Gute Nazis, schlechte Nazis„, „Memo für transatlantische Agenten„. Kleine Zitate daraus:

John Jay McCloy galt als „Vorsitzender“ des amerikanischen Establishments. Vor dem Zweiten Weltkrieg beriet McCloy nicht nur eine Clique rechtsnationaler Wall-Street-Milliardäre wie Hitler-Verehrer und -Bespender Henry Ford, sondern versorgte auch selbst den italienischen Faschisten Benito Mussolini mit Krediten. McCloy fungierte zudem als Rechtsberater des deutschen Chemiekartells IG Farben, das den Sprengstoff für die Bomben und das Giftgas Zyklon B herstellte sowie kriegswichtige Treibstoffe importierte – etwa von Rockefellers Standard Oil. 1930 hatte McCloy eine Cousine der Ehefrau von Konrad Adenauer geheiratet und wohnte 1936 den Olympischen Spielen in Berlin in Hitlers Privatloge bei. […]

Um Westdeutschland zu kontrollieren und auf einen Krieg gegen Stalin vorzubereiten, betraute Dulles den einstigen Nazi-General Reinhard Gehlen mit dem Aufbau einer Geheimorganisation. US-Geheimdienstler sammelten Alt- und Neonazis in paramilitärischen, scheinbar von Deutschen geleiteten Tarnorganisationen ein. 1947 gelang es Dulles und McCloy, die Gründung der CIA politisch durchzusetzen, die eigentlich nur Informationen sammeln sollte. Dulles formte die CIA jedoch zu einem aggressiven operativen Geheimdienst, der subversive Aktionen im Osten sowie in der Dritten Welt durchführte – aber auch in Westeuropa. So spaltete die CIA die französische Gewerkschaft und finanzierte verdeckt die italienischen Christdemokraten. Politiker erhielten in Deutschland Aufstiegshilfe, wenn sie sich zu den USA bekannten. […]

Als 1956 ein SPD-Wahlsieg zu befürchten war, bot Gehlen dem CIA-Chef nichts weniger als einen patriotischen Staatsstreich an. Ob Medienvertreter und gesellschaftlich hochgestellte Meinungsführer das verurteilt oder vielmehr als Akt der Vernunft bejubelt hätten (wie dieser Tage das Bombardieren von Syrien), wird man nie erfahren. […]

1967 verteilte die CIA ein Memo an ihre Vertrauensagenten, in dem sie vorschlug, Zweifler an der offiziellen Version zum Kennedy-Attentat als Spinner darzustellen. Dabei etablierte sie erstmals den Begriff „conspiracy theorist“, zu deutsch: „Verschwörungstheoretiker“ (vgl. 50 Jahre Verschwörungstheoretiker). Führende deutsche Journalisten, die sich auf der Atlantik-Brücke gegenseitig auf die Füße treten, halten sich an dieses geheimdienstlich vorgegebene Narrativ noch heute. So macht etwa Fleischhauers SPIEGEL Skepsis zum Kennedy-Attentat lächerlich, indem er den Kritikern UFO-Fans und konspirologische Spinner an die Seite stellt. […]

Ihren höchsten Preis widmet die Atlantik-Brücke ausgerechnet dem stellvertretenden CIA-Direktor Vernon Walters, der über Jahrzehnte in aller Welt für die CIA Staatsstreiche organisiert hatte.