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US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz: Europas Anschlag auf die griechische Demokratie

Ein Text von Stiglitz zur Griechenland-Krise bei project-syndicate.org. Aus dem Englischen von Jan Doolan. „Europas Anschlag auf die griechische Demokratie„. Zitate: „Wir sollten uns über Eines klar sein: Von den enormen Summen, die Griechenland als Kredite erhalten hat, ist fast nichts tatsächlich auch nach Griechenland gegangen. Dieses Geld wurde verwendet, um die Gläubiger aus dem privaten Sektor auszuzahlen, darunter deutsche und französische Banken. Griechenland hat lediglich Almosen erhalten, aber einen hohen Preis gezahlt, um die Bankensysteme dieser Länder zu retten. Der IWF und die anderen ‚offiziellen‘ Kreditgeber brauchen das Geld, das Griechenland derzeit abverlangt wird, nicht. […] Doch um es noch einmal zu sagen: Es geht hier nicht um das Geld. Es geht darum, ‚Fristen‘ zu nutzen, um Griechenland zur Kapitulation und zur Akzeptanz des Unannehmbaren zu zwingen – nicht nur Sparmaßnahmen, sondern auch anderen regressiven und straforientierten politischen Vorgaben.“.

Vergleiche dazu auch:

Telepolis („Deutschlands Wirtschaftskrieg„): „Wie Berlin mittels eines Regime Change in Athen seine Dominanz in Europa festigen wollte – und dabei einen neuen globalen Krisenschub auslösen könnte […] Der bekannte Ökonom Paul Krugman sieht hingegen eine andere Strategie am Werk. Man habe Tsipras ‚ein Angebot gemacht, das er nicht annehmen konnte‘. Dieses Ultimatum war letztendlich ein Schachzug, um die griechische Regierung zu stürzen, schlussfolgerte Krugman. Selbst wenn man Syriza nicht möge, sei dies Vorgehen ‚verstörend‘, warnte er. Tsipras habe sich aber geweigert, politischen Selbstmord zu begehen und ’sich in sein Schwert zu stürzen‘. Er könne der griechischen Regierung keinen Vorwurf daraus machen, dass sie sich ‚an die Wähler wendet, anstatt über sie herzufallen‘, so Krugman, der freimütig erklärte, dass er aus politischen wie ökonomischen Erwägungen heraus beim Referendum mit einem ‚Nein‘ zum deutschen Ultimatum stimmen würde.“.

Blauer Bote Magazin („WELT: Führende US-Ökonomen empört über ‘Inkompetenz’ von Angela Merkel und Troika – Lob für Tsipras„): „Schlechte Nachrichten für Angela Merkel und Wolfgang Schäuble: Ausgerechnet die rechtskonservative WELT berichtet in dem Artikel ‚US-Ökonomen empören sich über Europas ‘Inkompetenz’‘ Folgendes: ‚Jeffrey Sachs, Paul Krugman und Barry Eichengreen geben der Troika die Schuld an der Griechenland-Krise. Sie loben das Verhalten von Tsipras – und fordern vor allem von Deutschland mehr Verständnis. […] Gleich drei von Amerikas prominentesten Wirtschaftswissenschaftlern haben die Griechenland-Politik der EU und speziell von Deutschland scharf kritisiert […] zeigten sich entsetzt über die ‘inkompetente Politik’ in Brüssel und Berlin. Alle drei veröffentlichten am Wochenende Artikel, in denen sie der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die Hauptschuld an der Krise in Griechenland gaben.‘.“. Hier der angesprochene WELT-Artikel.

Flassbeck Economics: „Referendum in Griechenland: Ist es richtig, die Entscheidung zum Volk zurückzutragen?„. Resümé: „Wenn heute oder morgen nicht der Beschluss der Finanzminister zurückgenommen wird, das zweite Hilfspaket zu beenden, und wenn die Gläubigerstaaten in dieser Woche nicht explizit den politischen Entschluss fassen, den Willen des griechischen Volkes zu respektieren, dann bedeutet ein Nein im griechischen Referendum das Ende des Euro als irreversibles europäisches Projekt. Wenn aber die Mehrheit der Griechen aus Angst vor einem Austritt aus dem Euro Ja sagt, wird die Unvernunft fröhliche Urständ’ feiern. Dann wird SYRIZA Neuwahlen anstreben oder einer neuen Regierung auch ohne Wahlen in Athen Platz machen. Dann ist das Ende nur hinausgeschoben und zwar so lange, bis ein Land vor den Gläubigern steht, das zu groß ist, als dass man es auf dem gleichen Altar opfern könnte wie das kleine Griechenland.“.

Flassbeck Economics: „Das katastrophale Ende des griechisch-europäischen Trauerspiels„. Die Einleitung: „Wer bisher nicht glauben wollte, dass die Gläubiger im Krisenfall den Schuldnern im Detail vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben, der hat jetzt die Gelegenheit zu lernen, dass Schuldner eigentlich keine Rechte mehr haben, sondern auf Gedeih und Verderb von den Gläubigern und deren Ideologien abhängen. Im Falle Griechenlands wird zur Zeit fast jedes Arbeitspapier veröffentlicht, so dass man sich selbst unmittelbar ein Bild von dem alltäglichen Irrsinn machen kann, der da hin- und hergeschoben wird.“.

Flassbeck Economics: „Der ‚griechische Aufschwung‘ in den deutschen Medien„. Zitat: „Leser von flassbeck-economics wissen, dass wir in vielen Dingen anderer Ansicht sind als etwa Hans-Werner Sinn. Aber hier stimmen wir zu hundert Prozent mit ihm überein: Es ist nicht richtig, dass sich Griechenland im vergangenen Jahr, wie der Deutschlandfunk behauptet, auf einem ‚Wachstumskurs‘ befand, egal wie oft das wiederholt wird. Hier noch einmal die Fakten […]“.

Propagandaschau („ARD Propagandasendung ‚Griechenland am Scheideweg‘„): „Wenn ARD und ZDF Brennpunkte oder Sondersendungen mit wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen Themen ins Program heben, dann kann man als Zuschauer sicher sein, dass man regelmäßig Regierungspropaganda statt unvoreingenommene Informationen vorgesetzt bekommt. Genau das zeichnet einen Staatssender aus.“.

Die NachDenkSeiten schreiben („Das arme Griechenland und die Armseligkeit unserer Medien. Eine Dokumentation und einiges mehr zur totalen Meinungsmache.„): „‚Schon seit ihrer Wahl Ende Januar wurden die Exponenten der griechischen Regierung mit Polemiken und sachfremden Anfeindungen überzogen. Seit Alexis Tsipras in der Nacht zum Samstag nun angekündigt hat, ein Referendum abhalten zu wollen, gibt es kein Halten mehr. Offen feindselige und nicht selten persönlich beleidigende Tiraden scheinen jetzt unabdingbar zum guten Ton zu gehören‘, so beschreibt Carsten Weikamp die Reaktion der wichtigsten Medien.“.

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