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Milch: Deutsche Bauern leiden unter Russland-Embargo – Investoren bauen Produktion für 1 Milliarde Dollar bei Moskau

Im Folgenden interessante Informationen zur Krise in der deutschen und europäischen Milchwirtschaft und der Lage im ausgefallenen agrarwirtschaftlichen Absatzmarkt Russland aus Fachportalen für Landwirtschaft (topagrar online) und Außenhandel (Wirtschaftportal OWC-Verlag für Außenwirtschaft):

Russland-Embargo: Tietböhl richtet Hilferuf nach Berlin“ bei topagrar. „Seit zwei Jahren kann die deutsche Landwirtschaft weder Milchprodukte noch Schweine und Geflügel in Russland absetzen. Laut Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsident Rainer Tietböhl spüren die Bauern das andauernde Russland-Embargo inzwischen. Er appelliert daher an die Bundesregierung: ‚Wir brauchen Russland als Absatzmarkt, aber vor allem, um den Frieden zu bewahren.‘ […] Er sprach von 50 % Einbußen in seinem Betrieb im Vergleich zum Vorjahr. […] Ein Grund für den Niedrigpreis sei, dass wegen des Russland-Embargos Milcherzeuger in ganz Europa die Milch nicht absetzen könnten.

Russland: Asiaten investieren in der Landwirtschaft“ beim OWC-Wirtschaftsportal. „Ein Konglomerat aus asiatischen Investoren baut unweit von Moskau eine Milchproduktion mit einer Investitionssumme von einer Milliarde US-Dollar auf. Die Vereinbarung wurde Mitte Mai beim Staatsbesuch des thailändischen Premierministers in der russischen Hauptstadt unterschrieben. […] Die Branche profitiert vor allem vom schwachen Rubel und den Gegensanktionen, die Russland im Sommer 2014 gegen die meisten westlichen Länder erlassen hat. […] Projekte mit deutscher Beteiligung zielen eher auf die Verarbeitung […] So könnte bald deutscher Käse, der bis 2014 nach Russland exportiert wurde, vor Ort hergestellt werden.“.

UPDATE vom 30.05.2016: In dem Artikel „Moskau: Asiatische Milliardeninvestition in Milchproduktion“ hat auch Telepolis-Autor Peter Mühlbauer das Thema aufgegriffen (und die beiden oben genannten Quellen). Zitat: „Während Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmid einen ‚Milchgipfel‘ abhält, werden in Russland Fakten geschaffen […] Foodwatch zieht daraus den Schluss, dass Konsumenten bei teurer Milch ‚vor allem für Werbung und Marketing‘ zahlen und dass für den Milchkäufer ‚völlig intransparent‘ ist, wie viel von dem gezahlten Geld bei den Bauern ankommt. Aus der Sicht der Verbraucher ist es Foodwatch zufolge ‚unter solchen Marktbedingungen völlig vernünftig, wenn sie zur billigeren Variante greifen‘. Schmidts Behauptung, ‚der Kauf teurerer Milch im Supermarkt könne den Bauern aus der Krise helfen‘, bezeichnet man angesichts der ermittelten Daten als ‚Käse‘ und als ‚Märchen‘. Ursache des niedrigen Milchpreises ist Foodwatch nach ein ‚Überangebot‘. Dieses Überangebot besteht unter anderem deshalb, weil 2014 der Export von Milch, Käse, Butter, Joghurt, Deserts und anderen Milchprodukten nach Russland wegfiel, nachdem die dortige Regierung als Reaktion auf die Handelssanktionen der Bundesregierung eigene Sanktionen verhängte.“.