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Ukraine: Laut Staatsanwaltschaft gab es beim Massaker von Odessa keine Gewalt, Opfer seien selbst Schuld

Die Zeitung Junge Welt schrieb gestern in einem Artikel („Pogrom ohne Täter„) zum Massenmord im ukranischen Odessa vom 2. Mai 2014, bei dem mindestens 48 Menschen von Anhängern der jetzigen Kiewer Regierung brutal ermordet wurden: „Wie die Zeitung Vesti Ukraina berichtete, sieht die Behörde keine Anzeichen für einen gewaltsamen Tod der Opfer. Keiner der Toten weise Spuren physischer Gewalt auf. Auch für vorsätzliche Brandstiftung gibt es nach Ansicht der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft keine Belege. Ursache des Feuers sei vielmehr die ‚Anwendung feuergefährlicher Gemische‘ durch ‚Teilnehmer an den Massenunruhen‘. […] die Menschen, die sich vor den angreifenden Nazis ins Innere des Gewerkschaftshauses geflüchtet hätten, hätten den Brandeffekt noch verschärft, indem sie die Türen verbarrikadiert hätten. Dadurch sei ein ‚Kamineffekt‘ entstanden; jeder, der schon einmal einen Kamin angezündet hat, weiß freilich, dass dessen Feuer durch das Schließen der Klappe gedämpft und nicht angefacht wird.“.

Einen Übersichtsartikel bei Blauer Bote Magazin vom 9. März 2015 zu der Gräueltat in der Süd-West-Ukraine – die ja damals sogar im Internet per Livestream übertragen wurde (!) und trotzdem von ARD und co relativiert wurde (à la „Da ist irgendwie irgendwas in Brand geraten.“) – gibt es hier: Odessa-Massaker: Massenmord in der Ukraine. Dort finden sich viele weiterführende Artikel und Quellen zu dem ungeheuerlichen Ereignis, welches offenbar weiter gezielt vertuscht beziehungsweise dessen Aufarbeitung wohl gezielt verhindert wird. Der Autor des oben zitierten Artikels aus der Jungen Welt – der Journalist Reinhard Lauterbach – ist bei dem Thema „Odessa-Massaker“ sehr rührig und hat schon einige Artikel dazu veröffentlicht.

Es gibt auch einen Film von Ulrich Heyden, Marco Benson und leftvision über die Angriffe auf das Gewerkschaftshaus: „Lauffeuer“ (Mehr: www.lauffeuer-film.de). Der Film („Ein Film über die Brandangriffe auf das Gewerkschaftshaus in Odessa zu Beginn des ukrainischen Bürgerkrieges, die Rolle von Ultranationalen, der Polizei und Politik im Post-sowjetischen Raum. Dies ist eine Dokumentation über ein Schlüsselereignis des ukrainischen Bürgerkrieges und eine Stadt die dadurch zerrissen wurde.“) wurde von den Dokumentarfilmern auch als Video via Youtube zur Verfügung gestellt:

UPDATE: In einem Artikel vom 1.5.2015 versucht Die Zeit, namentlich die Autorin Simone Brunner, den Odessa-Massenmord zu verharmlosen und zu zerreden. Das ist wirklich allerunterstes Niveau. Wieder einmal ist der Zeit jedes Mittel recht, die Kiewer Regierung zu unterstützen. Selbst wenn man dafür die Mörder von Odessa decken muss. Kein Link von mir auf dieses Monument journalistischen Versagens und menschlicher Widerwärtigkeit.