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Propaganda für den Krieg: Und wieder der U-Boot-Trick

A) Oktober 2014: Angeblich fremde U-Boote vor Schwedens Küste. Es wird nichts gefunden. Dafür gibts verschwommene angebliche Beweisfotos. Die Medien beschuldigen Russland und schüren die „Anti-Putin-Hetze“.

B) 14.4.2015: Das schwedische Militär klärt auf: Das berühmte mysteriöse angebliche U-Boot-Foto zeigt kein U-Boot, sondern ein gewöhnliches Schiff (kein russisches). Weitere angebliche Sichtungen können nicht aufgeklärt oder erklärt werden.

C) 28.4.2015. Angeblich fremde U-Boote vor Finnlands Küste. Es wird nichts gefunden, aber es werden mal eben vom finnischen Militär Bomben ins Wasser geworfen. Die Medien beschuldigen Russland und schüren die „Anti-Putin-Hetze“.

Angebliche U-Boot-Sichtungen haben in Schweden Tradition. Vor allem in der 1980er Jahren war die Hysterie groß und es wurde ständig etwas gemeldet. Der Rest Skandinaviens lacht deswegen über die Schweden. Die Schweden und ihre U-Boote sind ein Running Gag in den Nachbarländern. Gefunden wurde nie etwas.

Würden tatsächlich vorhandene U-Boote den Russen etwas bringen? Wem bringt des Beschuldigen der Russen etwas?

„Trotzdem ist die U-Boot-Manie ein bisschen peinlich und sollte den Schweden, aber auch den Bürgern von Nato-Staaten Grund zum Nachdenken über die verbreitete Russenangst bieten, die Blüten treibt, aber auch Interessen dient. Schweden und Finnland überlegen gerade, der Nato beizutreten und die Verteidigungsminister von Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island bekunden, man werde wegen der ‚russischen Aggression gegen die Ukraine‘, die die Sicherheitslage in Nordeuropa verschlechtert habe, die militärische Kooperation verstärken.“, schreibt Telepolis in dem Artikel „Geschürte Hysterie über (russische) U-Boote vor der Küste Schwedens?“ vom 14.4.2015.

A) 20.10.2014: Der Stern: „Und plötzlich scheint sich Schweden wieder im Kalten Krieg zu befinden. Denn nach den ersten Berichten über die Sichtung, lag für die Schweden auf der Hand, unter welcher Flagge das U-Boot fahren musste – Russlands. Und tatsächlich häufen sich in den vergangenen Tagen die Ereignisse mit russischen Beteiligten vor der schwedischen Küste: […] Es könnte eine Verkettung von Zufällen sein. Was in Schweden derzeit passiert, klingt jedoch anders.“.

Nahezu alle anderen Medien haben ähnlich berichtet. Russenalarm!
(Teilweise mit Fragezeichen, wegen der Seriosität).

B) 14.04.2015: KronenZeitung (Österreich): „Bei einem im vergangenen Oktober in der Ostsee vor Stockholm fotografierten Objekt handelte es sich nach Militärangaben nicht um ein fremdes U- Boot, sondern um ein ziviles Boot. Auf dem Foto ‚ist kein U- Boot zu sehen‘, sagte der schwedische Militärsprecher Jesper Tengroth am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach handelte es sich um ein weißes 10,5 Meter langes Glasfaserboot.“.

Die Medien haben dies ebenfalls berichtet, eher etwas versteckt. War kein großes Thema.

C) 28.04.2015: Der Focus: „Die finnische Armee hat Medienberichten zufolge ein ‚Unterwasserziel‘ vor der Küste von Helsinki bombardiert. […] ‚Natürlich sind es die Russen‘, sagte er der Zeitung ‚Aftonbladet‘. „Sie haben in der Vergangenheit bereits ihre Aggression in Schweden demonstriert“, so der Ex-Kapitän. Er ist sich sicher: ‚Putin bereitet den Krieg vor.‘ Mit seiner Einschätzung steht er nicht alleine da. Der Vorsitzende des schwedischen Verteidigungskomitees, Allan Widman, sagte am Dienstag in einer Rede: ‚Putin bereitet Russland auf den Krieg vor, egal ob warm oder kalt.‘.

Nahezu alle anderen Medien haben ähnlich berichtet. Russenalarm!
(Teilweise mit Fragezeichen, wegen der Seriosität).

Kann eine Propaganda für den Krieg und gegen „den Feind“ eigentlich noch dreister, billiger und peinlicher sein?

Sie dürfen sich gerne mal so richtig von Politik, Militär und Medien verarscht fühlen.

UPDATE:

Aber der eigentliche Clou der Geschichte ist eigentlich, dass „die Medien“ nur zwei Wochen nach der Erklärung der schwedischen Streitkräfte diese offensichtlich „vergessen“ haben und immer noch bei ihrer Story vom bösen Russen bleiben. Das ist doch atemberaubend. Man würde doch erwarten, dass die Presse wenigstens erwähnt, dass sich die damaligen Vermutungen offensichtlich nicht bestätigten beziehungsweise nur ein „normales“ Boot nachgewiesen werden konnte. Stattdessen werden die alten Anschuldigungen weiter benutzt als sei nichts gewesen.

Hier nur ein paar Beispiele dafür:

Die WELT in einem Artikel vom 28.4.2015:

welt_uboote

Die FAZ in einem Artikel vom 28.4.2015:

faz_uboote

Die BILD ist am 28.4.2015 besonders frech und benutzt sogar das Bild noch einmal, von dem das schwedische Militär sagte, es zeige doch kein U-Boot, sondern ein weißes 10,5 Meter langes Glasfaserboot.

bild_uboote

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