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Das Übel der Woche

Zum heutigen Sonntag: nicht das Wort zum Sonntag, sondern die skandalösen Schlagzeilen der letzten Tage. Wir leben ja in einer Zeit, in der man mit so vielen Skandalen überhäuft wird, dass man leicht mal den Überblick verliert. Zumal vieles ja auch öffentlich gar nicht mehr als Skandal wahrgenommen geschweige denn in seinen Ausmaßen begriffen wird. Hier also ein paar Hinweise auf einige Meldungen/Artikel – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:  

Von Sondergesetzen für Arme berichtet Peter Nowak auf Telepolis. Widerspruch gegen Hartz-IV-Bescheide soll kostenpflichtig werden, verschärfte Maßnahmen gegen Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger sind in Planung. Der CDU-Politiker Sven Heibel will Homosexualität wieder verbieten und hat sich irritierenderweise einen Zettel mit dem alten Paragraphen 175 StGB in sein Strafgesetzbuch gelegt, damit seine Ausgabe diesen Paragraphen noch enthält.

In der Ukraine bildet sich vor der russischen Botschaft in Kiew ein Mob und man befürchtet schon einen ähnlichen Lynchmord wie bei den Ereignissen in Odessa. Dies bleibt glücklicherweise aus. Der größte Skandal: Die Polizei greift nicht ein. Dabei müssen Botschaften vom Gastland geschützt werden, egal wie. Alles andere würde ja auch den Sinn von Botschaften irgendwie untergraben. Irgendwie scheint das in der Ukraine nicht so richtig zu interessieren, genauso wenig wie das Schicksal der eigenen Bevölkerung im Osten. Die deutsche Presse übt sich überwiegend weiter in Die-oder-Wir-Rhetorik statt neutral zum Ukraine-Konflikt berichten.

Bei SciLogs schreibt Lars Fischer darüber, dass antibiotikaresistente Bakterien die Medizin in den nächsten 20 Jahren auf den Stand von 1890 zurückwerfen werden und wundert sich, dass sich niemand darüber ernsthaft aufregt. Chelsea Manning berichtet in der New York Times über die Kampagne des US-Militärs gegen Pressefreiheit und liefert hier interessante Informationen zur Lage im Irak. Das Land, an dem die US-Regierung irgendwie kein Interesse mehr hat. Und jetzt aber wieder haben muss.

Der Spiegel berichtet – besser spät als nie – von über 200 offiziellen us-amerikanischen Spionen in Deutschland. Und da sind Angela Merkel (CDU ) oder Wolfgang Schäuble (CDU) noch nicht einmal mit eingerechnet. Geholfen haben Bundesregierung und deutsche Behörden den Amerikanern allerdings wo sie nur konnten. Dabei ist in Deutschland Spionage für ein anderes Land doch eine Straftat. Bundespräsident und Ex-Pfarrer Gauck predigt derweil den heiligen deutschen Krieg. Der Präsident fordert mehr Krieg für Deutschland.

Bei der Fußball-WM zensierte die FIFA bei der Eröffnungsfeier den Protest eines Indio-Jungen. Der Junge war zusammen mit einem anderen Jungen und einem Mädchen Protagonist der Eröffnungsfeier: Die drei Kinder ließen Friedenstauben fliegen. Außerdem will die FIFA Streams bei Streaming-Anbietern nach eigenem Ermessen ausknipsen. Derweil opfert FIFA-Chef Sepp Blatter die Lichtgestalt Franz Beckenbauer und in einigen WM-Spielstädten wird protestiert. Blatter selbst hat frisch Russen-Mafia-Verbindungen an der Backe. Und sicher nicht nur die.

Die CIA hatte letztes Jahr schon ein Flugzeug zum Snowden-Entführen in der Luft. Gut, dass der Mann nach Russland und nicht nach Europa geflogen ist. Bitter, aber wahr. In der Schweiz greift die Unterhaltungsindustrie die Bürger via Regierung an: „Massenabmahnungen und Netzsperren für ein ’sauberes Internet'“. Angela Merkel (CDU) hat „seltsame ‚Gefällt mir‘-Angaben bei Facebook“, berichtet Telepolis. Die Bahn lobbyiert sich den Pofalla (CDU) ein. TTIP und NSU fallen momentan in der Berichterstattung nicht so ins Gewicht. Der Postillon stellt eine angesichts der WM-Euphorie sehr schön passende Sonntagsfrage.

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