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Kriegspropaganda mit kleinen Mädchen

Der Propagandafall aus dem Syrienkrieg um das kleine siebenjährige „Twittermädchen“ Bana Alabed aus Aleppo, der nun auch vor den Gerichten seine Kreise zieht, ist ein Paradebeispiel für Kriegspropaganda mit kleinen Mädchen  (oder Frauen) und für Kriegspropaganda mit Kindern im allgemeinen. Erfundenes oder tatsächliches Kinderleid, von unseren willfährigen westlichen Medien ins politisch passende Licht gerückt, löst maximale Emotionen bei den mit diesen Propagandaschmierenstücken durch die Presse berieselten Menschen im Westen und auf der ganzen Welt aus. Hier seien im Folgenden einige Beispiele für Propaganda mit Kindern aus der Zeit vor dem Syrienkrieg erwähnt, die teilweise auch in dem Artikel „Bana Alabed aus Aleppo – Teil 2“ zu finden sind.

Professor Becker von der Universität Marburg wies auf Kriegspropaganda mit Frauen und Mädchen durch den Westen in einem Interview mit dem Magazin Telepolis („Junge Mädchen in der politischen Propaganda„) vom 22. Juni 2015 hin:

„Zur Ihrem Punkt zurück: Ja, der Missbrauch von jungen Mädchen in der politischen Propaganda ist nicht nur bei den Nazis zu finden, sondern zieht sich vielmehr als eine Art basso continuo durch alle Kriege der letzten Jahre hindurch. Lassen Sie mich das anhand einiger Beispiele belegen.

Zu erinnern ist hier erstens an den durch die PR-Firma Hill & Knowlton arrangierten Auftritt des 15-jährigen Mädchens Nayirah 1990 vor dem US-Kongress, die weinend von der Brutalität irakischer Soldaten in einer Säuglingsstation in einer kuwaitischen Klinik berichtete, sich später jedoch als Tochter des kuwaitischen Botschafters entpuppte, die derlei Geschehnisse niemals zu sehen bekam.

Zweitens an das antiserbische Tagebuch des kroatischen Mädchens Zlata Filipović im Bosnienkrieg von 1991 bis 1993, dessen Publikation von der UNICEF gesponsert wurde, und drittens an die im Irakkrieg entführte US-amerikanische Soldatin Jessica Lynch.

Zu denken ist viertens auch an die im Gefängnis von Abu Ghraib in Bagdad stationierte US-Militärpolizistin Lynndie England und fünftens auch an die am 20. Juni 2009 bei Unruhen in Teheran ermordete Neda Soltan, von der das falsche Foto einer anderen Iranerin um die Welt ging, nämlich das einer Neda Soltani. […]“

Professor Becker stellte sich am 14.1.2017 einem „polemischen Interview“ mit dem deutschen Journalisten Armin Siebert bei den russischen Sputnik News. Bezogen auf den Fall Bana Alabed (Armin Siebert meint Bana Alabed mit „Sechsjährige“ – Er hat sich um ein Jahr vertan.) heißt es dort:

Siebert: „Im Fernsehen hab ich gesehen, wie sogenannte Aktivisten aus Aleppo berichtet haben. Da haben selbst Sechsjährige getwittert. Schon stark, wie schnell und live das heute direkt und authentisch in unsere Wohnzimmer übertragen wird.“

Prof. Becker: „In der Kriegsberichtserstattung ist der Missbrauch von Kleinkindern eine üble Form von Kriegsjournalismus. Dort, wo kleine Mädchen auftauchen, ist nur noch Propaganda im Spiel. Dass unsere Medien dieses Spiel mitspielen, ist unerträglich. […]“

Markus Kompa schreibt in seinem Artikel zu Bana Alabed bei Telepolis über den Propagandafall „Brutkastenlüge“ aus dem nahen Kuweit: „Legendäres Beispiel ist ‚Krankenschwester Nayira‘ die 1990 in einem Video heulend ‚bezeugte‘, wie irakische Soldaten Babys aus Brutkästen geworfen hätten. Diese von Medienvertretern unkritisch aufgesogene Story bewirkte in der Öffentlichkeit eine Stimmung, die den USA das Bombardement auf die Ölfelder des Irak politisch ermöglichte. Tatsächlich waren die ‚Babys‘ in Wirklichkeit Puppen, die ‚Krankenschwester‘ die Tochter des kuwaitischen Botschafters. Regie dieser infamen Propaganda-Inszenierung führte die PR-Agentur Hill & Knowlton. Während das Leben der nur inszenierten Babys damals immerhin für einen Kriegsgrund taugte, spielte die halbe Million echter irakischer Kinder, die durch das US-Embargo ohne Medikamente verreckte, für die westliche Wertegemeinschaft keine Rolle. Bill Clintons damalige Außenministerin Madeleine Albright kommentierte 1996 ungerührt, dieses Opfer sei es wert gewesen. Die zynische Kriegerin führt heute eine politische Beratungsfirma in strategischer Partnerschaft mit dem grünen Ex-Außenminister Joschka Fischer, der den Deutschen den Jugoslawienkrieg verkaufte, und unterstützt Ex-Außenministerin Hillary Clinton, die lügend und lächelnd über Leichen geht.“.

In einem weiteren Beitrag schreibt Anwalt Kompa, der auch mein Rechtsanwalt im Gerichtsverfahren gegen den Stern und seinen Journalisten Marc Drewello ist: „Es ist das gleiche Theater, das unsere ja sooooo zuverlässigen Medien jedes Mal mitspielen, wenn ein transatlantisch beschlossener Krieg verkauft werden soll. In Afghanistan hießen die Taliban noch „Freiheitskämpfer“, als es gegen Russland ging; Saddam Hussein war zum Kriegführen gegen den Iran ein toller Partner, in Kuwait aber dank der inszenierten Kinderkrankenschwester ein Barbar; in Jugoslawien transportierte der Spiegel dieses Horrormärchen:

Scharping:  (…) Schwangeren Frauen wurden nach ihrer Ermordung die Bäuche aufgeschlitzt und die Föten gegrillt.
SPIEGEL: Ist das verbürgt?
Scharping: Ja, leider.
SPIEGEL: Die Zeugen sind verbürgt oder die Taten?
Scharping: Ich gebe solche Erzählungen nur weiter, wenn sie von mindestens zwei oder drei Zeugen unabhängig voneinander berichtet worden sind. Betrachten Sie einmal mit Auge und Herz, was kleine Kinder in den Lagern machen. Sie können über ihre Erlebnisse nicht sprechen und malen statt dessen. Mich zerreißt es fast, wenn ich solche Bilder sehe. Ich glaube inzwischen, wenn wir jemals die Ereignisse im Kosovo genauer nachvollziehen können, wird das Erschrecken noch größer sein als jetzt.
SPIEGEL: Es gab vor gut zehn Jahren einen Streit unter deutschen Historikern, ob der Holocaust historisch singulär ist oder nicht. Jetzt wiederholt sich im Kosovo einiges wieder – übertreiben Sie mit Ihrer Wortwahl?
Scharping: Nein, denn mit der Erinnerung an den Holocaust oder an Auschwitz wird keineswegs eine Gleichsetzung vollzogen, sondern eine Mahnung ausgesprochen. (…)“

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