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March for Science ist ein Angriff auf die Wissenschaft

Die vorgeblichen weltweiten Märsche für Wissenschaft am 22. April 2017 sind in Wirklichkeit ein Angriff auf die Wissenschaft, der dazu beitragen soll, die Wissenschaftsszene im Sinne der Propaganda der westlichen Eliten nutzbar zu machen und gegen „den Russen“ oder ein anderes Opfer einzusetzen. Ähnliches hat die Propaganda bereits bei der Homosexuellenszene, den Grünen und anderen Gruppierungen geleistet, die als tolerant und eher kritisch oder alternativ angesehen werden. Das Einspannen solcher Bevölkerungsgruppen für die Propaganda ist Gold wert, viel mehr als „konservative NATO-Fans“, welche man ohnehin „im Sack“ hat, denn Erstere gelten wegen ihres freigeistigen Images als sehr glaubwürdig. Und im schlechtesten Fall hat man mit dem Eindringen in solche Gruppen innere Kämpfe ausgelöst, die die Gruppe paralysieren und nicht mehr schlagkräftig staatskritisch aktiv werden lassen. Wieso sich im Kampf mit dem politischen Gegner im eigenen Land aufreiben, wenn man diesen mit im Vergleich zu Waffenkosten äußerst geringen Mitteln auch zu seiner besten Propagandawaffe machen kann?

Auch auf die Frauen hat es die Propaganda des Westens übrigens seit einiger Zeit abgesehen, wie der Beitrag „Geleaktes CIA-Dokument belegt Kriegspropaganda“ im Magazin Telepolis zeigt. Hierbei handelt es sich um ein Interview von Jens Wernicke mit Professor Jörg Becker von der Universität Marburg. Zitate: „Nun belegt ein vor einiger Zeit von Wikileaks veröffentlichtes CIA-Dokument, dass offenbar auch bei der Geschlechterfrage massenpsychologisch für Krieg agitiert wurde und wohl nach wie vor wird. Wie beurteilen Sie das Dokument und die Inhalte? […] Inhaltlich, da haben Sie vollkommen recht, steht in diesem CIA-Papier vom 26. März 2010 die Frauenfrage und die Instrumentalisierung derselben zur Erhöhung der Kriegsbereitschaft der Bevölkerung im Vordergrund. Der entscheidende Paragraf heißt dabei in deutscher Übersetzung: „Die afghanischen Frauen sind der ideale Botschafter, um den Kampf der ISAF-Truppen gegen die Taliban human erscheinen zu lassen. Denn gerade Frauen können glaubwürdig über ihre Erfahrungen unter den Taliban, ihre Zukunftsträume und ihre Ängste bei einem Sieg der Taliban sprechen. Wir brauchen reichweitenstarke Medien, in denen afghanische Frauen ihre Erfahrungen mit französischen, deutschen und anderen europäischen Frauen teilen können, damit gerade die bei europäischen Frauen stark vorhandene Skepsis gegen die ISAF-Mission abgebaut werden kann. Nach Umfrageergebnissen des Bureau of Intelligence and Research (INR) der CIA vom Herbst 2009 unterstützten 8 Prozent der befragten französischen und 22 Prozent der befragten deutschen Frauen den Afghanistankrieg weniger als ihre jeweils befragten männlichen Landsleute. Am effektivsten sind wahrscheinlich solche Medienevents, in denen afghanische Frauen von ihrer Situation Zeugnis ablegen. Am besten in den Rundfunkmedien, die einen besonders hohen Frauenanteil bei ihrer Zuhörerschaft haben.“.

Die moderne Propaganda bekämpft nicht, sie dreht um und macht die Manipulierten zu ihren besten Agenten. Um was es bei dem Marsch wirklich geht, der einfach dreist vorgibt, im Namen der Wissenschaft zu sprechen, darauf weisen diese Textausschnitte der Ankündigung der organisatorisch beteiligten Giordano Bruno Stiftung (gbs) zum Science March hin: „gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon selbst wird am 22. April an der Kundgebung in Berlin teilnehmen, wo er am Vorabend der Demonstration im Rahmen der ‚Berliner Stiftungswochen‘ aus seinem Buch ‚Die Grenzen der Toleranz‘ vortragen wird, welches nicht zuletzt darauf abzielt, die Prinzipien einer rationalen, wissenschaftlichen Argumentation gegen die Trumps, Putins und Erdogans dieser Welt zu verteidigen (siehe hierzu auch diesen Blogeintrag zu den ‚10 Geboten der Rationalität‚). Wer dafür einsteht, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind, ist herzlich eingeladen, sich am ‚Science March Germany 2017‘ zu beteiligen.“.

Trump, Putin, Erdogan. Gemeint ist natürlich in erster Linie das mittlere Glied dieser ganz unwissenschaftlich gebildeten Schmutzkette, der Russe. Der ist ja mittlerweile auch wieder an allem Schuld. Idealerweise nicht mehr im Landesmaßstab verteufelt (auch wenn das nicht nur in Deutschland wieder stark zu nimmt), sondern auf den Staatschef reduziert, damit auch die Pseudo-Nicht-Rassisten beim Kriegsgeheul mit einstimmen und sich weiterhin für extrem tolerant und menschenfreundlich halten können. Das Ergebnis bleibt das Gleiche, außer dass man bei Letzterem heutzutage – man möchte fast sagen „glücklicherweise“ – mehr „Follower“ hat. Den zaudernden Trump hat man auch mit Hilfe ähnlicher Proteste wie dem March of Science dazu getrieben, zum Kriegspräsident zu werden, der gegen Syrien und Russland scharf schießt. Gutgläubige Menschen mit hehren Zielen trugen zum innenpolitischen Druck bei, dem Staatschefs großer Länder üblicherweise mit einem Schwenk auf die Außenpolitik ausweichen, wo sie dann eine harte Haltung zeigen, um sich insgesamt Luft zu verschaffen. Ganz im Sinne der Kriegspartei in den USA.

Ganz sicher geht es beim March of Science, der von der gbs mit dem Slogan „‚March for Science‘ – Bundesweite Demonstrationen gegen Populismus und Wissenschaftsfeindlichkeit“ beworben wird, nicht darum, für weite Teile der Bevölkerung bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Durchbruch zu verhelfen, wie der Tatsache, dass der Westen und einige regionale Verbündete seit 2011 mit Hilfe radikaler Jihadisten unter Führung der Terrorgruppe Al Qaida, die bekanntlicherweise von der US-Regierung für die Terrorattacken des 11. September 2001 verantwortlich gemacht wird, Syrien angreifen und dazu eine umfassend orchestrierte Propaganda auf mehreren Ebenen einsetzen, die mit Hilfe der Massenmedien eine komplette Parallelrealität zu den tatsächlichen Ereignissen in dem überfallenen Land in den westlichen Köpfen aufgebaut hat. Führende Wissenschaftler zum Thema sagen aber genau das. Und die westliche Propaganda bekämpft sie dafür scharf oder ignoriert sie so gut es geht. Da dringt nichts an die breite Masse der Bevölkerung durch. Und wenn, dann ist das bereits so diskreditiert und verschmutzt worden, dass die Menschen Angst vor der Wissenschaft beziehungsweise der wissenschaftlich ermittelten Wahrheit haben. Wer will schon als Spinner oder Nazi (bis vor Kurzem auch Antiamerikaner) gelten und seine Zukunft für „Ketzerlehren“ aufs Spiel setzen?

“Professor Meyer ging auch auf die „Weißhelme“ ein, die im letzten Jahr den Alternativen Friedenpreis erhalten hatten. Sie sind eigentlich eine Zivilschutzorganisation der Nusra-Front in die mehrere hunderte Millionen Dollar aus dem Ausland investiert wurden. Nusra und IS sind Ableger der al Qaida-Organisation, die sich einige Zeit heftig bekämpft und sich inzwischen wieder versöhnt hatten. Die Nusra Kämpfer sind dabei die brutalsten von allen. Die Berichte und Fotos über die Rettungsaktionen der Weißhelme sind oft gefälscht, um die Welt zu manipulieren.”, berichtet Hallertau.info über einen Vortrag des deutschen Syrienexperten Professor Günter Meyer von der Universität Mainz. Und noch einmal Propagandaforscher Professor Jörg Becker, dieses Mal zum Syrienkrieg in den Nachdenkseiten: “Gleichwohl wird die Mehrzahl der Nutzer der Massenmedien schlicht unwissend darüber sein, dass die USA seit Jahren völkerrechtswidrig einen Regime Change in Syrien herbeizuführen versuchen. Dass das ganze Terror-Problem vor allem durch westliches Morden und westliche Kriege entstanden ist. Ja, dass der Westen Al Quaida seit Jahren mit Waffen beliefert und hierdurch überhaupt erst großgemacht hat, um Assad zu stürzen und an seiner Stelle eine willfährige Marionettenregierung einzusetzen. […]”. Was ist eigentlich mit den Erkenntnissen von Professor Ferrada de Noli? Was ist eigentlich mit den Erkentnissen von Professor Postol? Und was ist eigentlich mit den Obamas dieser Welt, liebe Giordano Bruno Stiftung, gegen die wir die Wissenschaft verteidigen müssten?

Die Nachdenkseiten haben einige Kritikpunkte an dem March of Science und der deutschen regierungsorientierten Wissenschaft notiert. Die kritischen Anmerkungen beginnen folgendermaßen: „Wissenschaftler und Öffentlichkeit lassen sich gegen einen unbedeutenden Gegner mobilisieren und aufhetzen. Im Aufruf heißt es: „Die gründliche Erforschung unserer Welt und die anschließende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen.“
Es wäre gut, es würde hier Ross und Reiter genannt. Wer ist denn gemeint mit den „Vertretern alternativer Fakten“? Die Initiatoren des Marsches übertreiben das Leugnen wissenschaftlicher Erkenntnisse maßlos. Siehe das erwähnte Beispiel Klimawandel. Wer bestreitet das, wie viele Leute bestreiten das, welche bedeutenden Leute bestreiten in Deutschland den Klimawandel?
Die Initiatoren des Marsches für die Wissenschaft tun so, als gäbe es „alternative Fakten“ und vorherrschende Lügen vor allem außerhalb der normalen Medien und der normalen Wissenschaft. Das stimmt nicht […]“.

Dem folgen einige interessante Beispiele aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb. Und die hat mit Sicherheit kein Putin zu verantworten (oder ein Trump oder ein Erdogan) … Ein Beispiel von vielen: „Es gibt Wissenschaftler, die erkannt haben, wie gefährlich die Verringerung der Artenvielfalt werden wird. Es gibt Wissenschaftler, die erkannt haben, welche verheerenden Folgen der großflächige Einsatz von Pestiziden haben wird. Aber es gab auch die anderen Wissenschaftler, die sich für die großen Chemiekonzerne und deren Interessen einspannen ließen. Und diese haben bisher immer noch gesiegt und nicht die Wissenschaftler, die angeblich den demokratischen Prozess bestimmen und deshalb einen hilfreichen Beitrag für die Demokratie leisten.“. Im Anschluss daran findet sich auch noch ein interessanter Leserbrief an die Giordano-Bruno-Stiftung.

Die Marches of Science sehen sich selbst als „Eine internationale Kundgebung, die am 22. April in 514 Städten (Stand: 13.04.2017) auf der ganzen Welt für den Wert von Wissenschaft, Fakten und Evidenzbasiertheit in Zeiten von “alternativen Fakten” (= Lügen) eintritt. Wissenschaft ist etwas, was alle angeht. Insofern gehen am 22.4. nicht nur Wissenschaftler/innen auf die Straße, sondern alle, denen diese Dinge ebenfalls wichtig sind.“. Ziel neben dem angesprochenen Russen-Bashing und Druck auf Trump, um in vollends „unter Kontrolle“ und „an die Front“ zu bringen, wird es tatsächlich aber sein, propagandakritische Wissenschaftler zu verleumden, indem man deren Erkenntnisse Lügen darstellt beziehungsweise sie mit Schmutz bewirft. Seit Jahren schon machen pseudokritische und vermeintlich wissenschaftlich Gruppierungen einerseits Jagd auf Esoteriker und co wie auch auf ernstzunehmende Wissenschaftler und Regierungskritiker. Letztere werden mit ersteren in einen Topf geworfen, um sie zu diskreditieren. Der von der CIA entwickelte Verschwörungstheoretiker-Vorwurf läßt grüßen, er funktioniert ganz ähnlich (und er ist wissenschaftlich gesichert, da ein entsprechendes Dokument der CIA mittlerweile öffentlich frei zugänglich ist). Ähnlich versucht die Propaganda in den letzten Jahren ebenfalls, die Friedensbewegung mit Rechtsextremen in einen Topf zu werfen, was natürlich grotesk ist – aber bei manchen wirkt. Und was da mit „Alternativen Fakten“ gemeint ist, das sind eben auch die nicht dem Propaganda-Tenor von Regierung und Massenmedien – und Propaganda kann nie Wissenschaft sein – entsprechenden (wissenschaftlichen!) Fakten. Selbst wenn letztere nur ein Teil der so gelabelten „Alternativen Fakten“ sind: Es ist dieser Beifang, der zählt. Der soll weg.

4 Kommentare

  1. Interessant ist, wer die Hintermänner sind. Ähnlich wie „Pulse of Europe“ oder Demos gegen den „bösen Russen“ kosten solche Verantaltungen nämlich Zeit, Organisation im Vorfeld und auch Geld. Hier sind einige wenige ideologische Gestalten federführend. Ein kleines Beispiel:
    Der von staatlichen Geldern gefütterte Jenia Jitsev, Postdoktorand der Neurowissenschaft in Jülich, letzte Publikation 2014, danach nur noch politischer Aktivismus (im Auftrag?):
    – Er ist einer der aggressivsten Personen in der Gruppe „Maidan Köln“ (https://www.facebook.com/groups/Maidan.Koeln/?hc_ref=SEARCH) welche die Schuld für den MH17 Absturz bei Russland sieht und „Stärke zeigen“ im Osten gegen die Russen fordert – sprich: Bodenkrieg um die Krim.
    Seit neuestem ist er auch supi pro-europäisch und taucht ständig auf den „Pulse of Europe“-Demos auf, bei denen letztlich für ein Europa der Konzerne, TTIP usw. in Brüssel getrommelt wird, weil man nicht zwischen EU und Europa differenzieren mag. (https://www.facebook.com/events/282913168801304/permalink/290686594690628/)
    Wenn er nicht gerade sein Profilbild in Regenbogenfarben oder für Je suis Charlie einfärbt, springt er zudem bei den „March for Science“ herum, wo er gegen angebliche „alternative Fakten“ demonstriert…also nur die linientreue Forschung promoted.
    /https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fjenia.jitsev%2Fposts%2F1546165408729358&width=500)

    Es zeigt sich eine ungute Verschmelzung von Political Correctness, Staatsnähe, schwul-lesbischer Ideologie, die aber nur für Kriegstreiberei missbraucht wird (gegen Putin), linientreuer Forschung und Industrienähe für TTIP usw. („Europa! Gleichheit!“). Hinter den Worthülsen trifft man auf aggressive Propaganda, Verleumdung und eine erstaunliche Bereitschaft zu Lüge und Wortverdrehung. Solche Menschen wie dieser Herr Jitsev verbringen quasi ihre gesamte Freizeit damit, verleumderische Parolen zu verbreiten. Als Belohnung winken dann Los Angeles Urlaub und A13-Staatsgehalt. Hier ist eine echte Propaganda-Industrie entstanden.

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