Gesellschaft Medien Politik Wissenschaft

US-Regierung: Al Qaida ist in Syrien auf unserer Seite

2016 sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bei einer Pressekonferenz, dass die umkämpfte syrische Stadt Aleppo von der Al Nusra, dem syrischen Arm der Terrorgruppe Al Qaida, gehalten wird. 2012 beruhigte der stellvertretende Stabschef des US-Außeniministeriums, Jacob „Jake“ Jeremiah Sullivan, in einer E-Mail seine damalige Chefin und Außenministerin der USA, Hillary Clinton, zur Lage in Syrien und schrieb „Al Qaida ist auf unserer Seite in Syrien“, die Dinge würden wie erwartet verlaufen. Die entsprechende E-Mail mit den sensationellen Aussagen der US-Regierung unter Präsident Barack Obama, wurde von WikiLeaks veröffentlicht. Sie zeigt auch auf, wie die USA die Al Qaida in Syrien einsetzen, der Öffentlichkeit aber ein weiterhin feindschaftliches Verhältnis zwischen der USA und der Terrorgruppe gezeigt wurde.

Der Inhalt des entsprechenden Mailverkehrs innerhalb der US-Regierung zwischen Hillary Clinton und ihrem Mitarbeiter Jake Sullivan hinsichtlich Al Kaida in Syrien vom Februar 2012:

Sullivan an Clinton:

„See last item – AQ is on our side in Syria. Otherwise, things have basically turned out as expected.“

Dieses letzte Item einer weitergeleiteten E-Mail, auf das sich Sullivan bezieht, lautet wie folgt:

„AL-ZAWAHIRI URGES MUSLIM SUPPORT FOR OPPOSITION (U) Al-Qaida leader al-Zawahiri called on Muslims in Turkey and the Middle East to aid rebel forces in their fight against supporters of Syrian President Asad in an interne video recording. Al-Zawahiri also urged the Syrian people not to rely on the AL, Turkey, or the United States for assistance.euters)“

Die US-Regierung macht die Terrorgruppe Al Qaida für die Terroranschläge des 11. September 2001 (9/11, unter anderem World Trade Center in New York) in den USA verantwortlich und führt auf dieser Basis seit 2001 einen weltweiten „Krieg gegen den Terror“, der bereits hunderttausende Menschenleben forderte. US-Präsident Barack Obama verlängerte erst vor kurzem den mit den damaligen Terrorattacken begründeten nationalen Notstand in den USA, welcher der US-Regierung umfassende Ausnahmerechte einbrachte. Die von WikiLeaks geleakten E-Mails zum Verhältnis zwischen US-Regierung und Al Qaida sollten eigentlich zum einem enormen Erdbeben in den Medien und der Öffentlichkeit führen, wurden jedoch von der Presse kaum beachtet.

Die in der E-Mail zwischen Clinton und Sullivan gemachten Ausführungen decken sich auch mit den Erkenntnissen der Wissenschaft hinsichtlich des Syrienkrieges, seiner Ursachen und seiner wahren, wissenschaftlich korrekten und nicht propagandaverseuchten Hintergründe. Professor Tim Anderson aus Australien beispielsweise hat ein Buch über den seit 2011 laufenden Krieg in Syrien veröffentlicht, der in den westlichen Medien immer verschleiernd „Bügerkrieg“ genannt wird, was wohl nicht wirklich zutreffend sei dürfte: „The Dirty War on Syria“. Die Nachdenkseiten schrieben unter anderem über das aktuelle Buch des Professors für Politik der Universität Sydney (“Leiser Optimismus im Mittleren Osten?“), welches vor Kurzem unter dem Titel „Der schmutzige Krieg gegen Syrien“ auch auf deutsch erschien, folgendes:

“Gleich vorweg: Andersons Buch will keine Chronologie der Ereignisse des Krieges in Syrien erzählen. Es entsteht allerdings ein anderes Bild, wenn Anderson akribisch darstellt, wie die Ereignisse in Syrien durch ein Zusammenspiel von islamistischen Fundamentalisten, US-amerikanischen Geostrategen, wahhabitischen Steinzeit-Königreichen, westlichen Mainstream-Medien und Nichtregierungsorganisationen massiv manipulativ umgedeutet und umgeschrieben wurden. Bis 2011 zum Beispiel war der syrische Präsident Bashar al-Assad ein von westlichen Regierungen und Konzernen umworbener Mann, dem man die Durchführung marktradikaler Reformen in seinem Land nahelegen wollte. Um Assad sodann ganz plötzlich zum neuen Hitler umzudichten, der sein eigenes Volk massakriert. […]

Im Gegensatz zu Afghanistan und Irak verzichtete man in Syrien auf den militärischen Einmarsch. Als der arabische Frühling auch Syrien erreichte, wurden die legitimen Proteste der demokratischen Opposition genutzt, um im Schutz der Masse durch islamistische Scharfschützen auf Zivilisten und Polizisten zu schießen. Die westliche Erzählung von der syrischen Polizei, die auf friedliche Demonstranten schießt, und von den friedfertigen Demonstranten, die quasi innerhalb weniger Stunden und Tage zu Soldaten mit professionellen Schutzanzügen amerikanischer Fertigung und mit Waffen, deren Munition aus israelischer Produktion stammt, mutierten, ist nicht plausibel. Der Konflikt eskalierte. Die demokratische Opposition blieb eingeschüchtert zuhause, und die Söldnermilizen übernahmen ganze Regionen. Über 100.000 syrische Soldaten sind mittlerweile von ‚moderaten Rebellen‘ ermordet worden. Die angeblich syrischen Rebellen stammen aus über achtzig Ländern der Welt.”.

Mehr zu den „syrischen Rebellen“ beziehungsweise zur Al Qaida in Syrien …