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Neues zu den U-Booten vor Schweden

Vor mehr als zwei Wochen gab die schwedische Regierung in Radio Schweden öffentlich zu, was ohnehin eigentlich klar war:  dass die angeblichen russischen U-Boote vor Stockholm in den letzten zwei Jahren gar nicht vorhanden waren. Hier einige neuere Meldungen zu dieser Sache, die in den etablierten deutschen Medien eigentlich völlig ignoriert wird:

KenFM.de: „KenFM am Telefon: Dirk Pohlmann zur Stellungnahme des Verteidigungsministeriums in der U-Boot-Affäre„. Zitat: „Dieser Tage gab dann der Schwedische Verteidigungsminister im Schwedischen Staatsrundfunk offen zu, dass die erneut ‚beobachteten‘ Russischen U-Boote dann doch nicht aus Russland stammen. […] Und was macht unsere Presse aus dieser Meldung? Sie ignoriert sie. Sie recherchiert null. Sie glänz durch Unterlassung. KenFM-Redakteur Dirk Pohlmann, der sich seit Jahren mit der schwedischen U-Boot-Story beschäftigt, schrieb an das Bundesverteidigungsministerium, um der Sache auf den Grund zu gehen. Im Gespräch mit Ken Jebsen spannt er den großen Bogen. Was soll das alles, und wo führt uns dieser Kurs hin.“.

JungeWelt: „U-Boote enttarnt. Geheimes Treiben unter Wasser: Nachforschungen des schwedischen Militärs von Erfolg gekrönt„. Zitat: „Nun müssen sich die Schweden an die eigene Nase fassen. In einem Interview für den staatlichen Kanal Sveriges Radio am 11. Juni gab Schwedens Verteidigungsminister Peter Hultqvist zu, der Öffentlichkeit monatelang Untersuchungsergebnisse vorenthalten zu haben. Bereits im September 2015 hatte die Schwedische Marine die Resultate ihrer elektronischen Aufklärung zu Makulatur erklärt, ohne Hintergründe zu nennen. Danach verordneten sich Militär und Regierung eine Schweigepflicht. Doch nun lichtete Hultqvist auf Nachfrage der Medien den Schleier […] Tatsache ist, dass Schwedens Militär wieder einmal seine eigene Politik verfolgt. Hultqvist laviert und schiebt diesem die Schuld am Vertuschen des glatten Fehlalarms vom Herbst 2014 zu. Die Sache sei dessen »Verantwortungsbereich«, und er müsse sich »an Geheimhaltungsregeln halten«. Hult­qvist ist schließlich nur Minister. Und kaum jemand macht ihn nass: Während sich die Medien bei der Jagd auf die vermeintlichen Russenboote überschlugen wie bei der ähnlich inszenierten antisowjetischen Hysterie der 1980er Jahre, sind sie nun ziemlich abgetaucht.“.

DWN: „Kalter Krieg. Minister räumt ein: Es gab nie ein russisches U-Boot vor Schweden„. Zitat: „Während eines Manövers in den Gewässern vor Vindbaden meldete die schwedische Marine ebenfalls, dass ein fremdes U-Boot gesichtet wurde. Auch damals fiel der Verdacht auf Russland. Wenig später wurde klar, dass es sich mit einer großen Wahrscheinlichkeit um ein deutsches U-Boot handelte, berichtet Göteborgs Posten. Doch auch dieser Vorfall unterlag bisher der Geheimhaltung.“.

JungeWelt: „Storys aus dem kalten Krieg„. Zitat: „Auch die U-Boote tauchen wieder auf. In den ereignislosen Sommermonaten – in der Branche als »Saure-Gurken-Zeit« gefürchtet – hatten die Westmedien vor gut 30 Jahren drei Hauptthemen: Lebensmittelskandale, das Ungeheuer von Loch Ness oder russische U-Boote beim Ausspionieren schwedischer Gewässer. Das waren allerdings schwedische oder US-amerikanische Fahrzeuge, wie später offiziell zugegeben wurde. Die gleiche Story wird jetzt gerne aufgewärmt. Das russische U-Boot, das 2014 gesichtet wurde, gehörte der schwedischen Marine, wie später schamhaft eingeräumt wurde. Und der davor geortete Eindringling fuhr unter schwarz-rot-goldener Flagge.“:

Leserbrief aus dem Reutlinger General-Anzeiger: „Nichts aus der Geschichte gelernt?„. Zitat: „Die an der russischen Grenze aufgefahrenen Nato-Verbände und -Manöver mit ukrainischer Beteiligung sind natürlich keine Provokation und kein Säbelrasseln. Noch toller geht’s mit den angeblich russischen U-Booten in schwedischen Gewässern zu. Die Hysterie, die mit dieser Schlagzeile in Schweden zum wiederholten Male erzeugt wurde, führte dazu, dass die Militärausgaben dort deutlich erhöht wurden. Jetzt hat der schwedische Verteidigungsminister Peter Hultqvist zugegeben, dass es sich um ein schwedische Objekt gehandelt habe und nicht um ein russisches U-Boot. Das Bedrohungsszenario soll die schwedische Bevölkerung für einen Nato-Beitritt stimulieren. „.

Telepolis: „Enten und U-Boote. Atlantische Journalisten fischen im Trüben„. Zitat: „So hatte es bereits in den 1980er Jahren geheimnisvolle – angeblich russische – U-Boote gegeben, die nichts dringenderes zu tun hatten, als in schwedischen Hoheitsgewässern publikumswirksam ihre Periskope zu zeigen. Die U-Boot-Sichtungen trieb die neutralen Schweden an die Seite der NATO. Der damals amtierende US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger räumte 2000 in einer TV-Dokumentation lächelnd ein, dass es sich seinerzeit um NATO-U-Boote gehandelt hatte. Die psychologische Operation (PsyOp), die damals Ängste vor der Sowjetunion geschürt hatte, sei mit den schwedischen Stellen abgesprochen gewesen. Über diese und andere Kriegslisten der 1980er Jahre zeigte ARTE letztes Jahr die Dokumentation Die Methode Reagan. Autor Dirk Pohlmann sieht die damalige Desinformationskampagne vor dem Hintergrund des schwedischen Ministerpräsident Olof Palme, der sich mit seiner Friedenspolitik oder der Finanzierung von Nelson Mandelas „Terrororganisation“ ANC in Washington keine Freunde gemacht hatte.“.

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