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Arzt bestätigt: Angeblicher Angriff auf Krankenhaus in Syrien ist eine Fälschung

In einem Interview mit dem schwedische Magazin „Proletären“ bekräftigt ein Arzt aus dem syrischen Aleppo, was hier bei Blauer Bote Magazin vor einigen Wochen schon so gut wie sicher nachgewiesen werden konnte: Der angebliche Angriff auf das angebliche Al-Kuds-Krankenhaus in Aleppo durch die syrische Armee war eine Propagandageschichte, ein Fake. In Umlauf gebracht von der den kleineren „Rebellenteil“ von Aleppo kontrollierenden Koalition aus Al-Nusra-Brigaden (Syrischer Arm der Al Kaida) und anderen Extremistenorganisationen und ihrer Propagandashowtruppe „White Helmets“ (die auch für die nachgewiesene Fälschung eines Luftangriffs auf ein Flüchtlingslager in Syrien Anfang Mai 2016 sowie weitere Propagandafakes verantwortlich zeichnen). Von der angeblichen Klinik „Al Kuds“ hat weder dieser Arzt noch einer seiner Kollegen aus Aleppo bisher etwas gehört. Auch angeblich in Aleppo umgekomme Ärzte aus der Stadt kennen die dortigen Mediziner nicht. Ohnehin war das Setting für die Propagandashow um das angebliche Hospitalbombardement ziemlich billig erstunken und erlogen. Hier im Folgenden einige Auszüge aus dem Proletären-Gespräch mit dem syrischen Arzt – welches die Propagandaschau auf deutsch übersetzt hat – und im Anschluss daran noch einmal der Blauer-Bote-Artikel über den angeblichen Krankenhausangriff im April 2016.

Auszüge aus dem Interview mit dem syrischen Arzt

Syrien: Interview mit einem echten Arzt in Aleppo

Frage: Was denken Sie über die Anschuldigungen, Syrien und die russische Luftwaffe würden zivile Ziele im oppositionellen Aleppo bombardieren? Letzten April wurden Fotos vom Al-Quds Krankenhaus verbreitet, in dem „Aleppos letzter Kinderarzt“, Wassim Mohammed Maaz, getötet wurde. Ärzte ohne Grenzen, die Al-Quds unterstützen, verurteilten den Angriff.

Tony Sayegh: „Als Erstes muss ich sagen, dass er uns in der Syrian Medical Association nicht bekannt ist. Jeder Arzt in Syrien muss in der Association gemeldet sein, um praktizieren zu können. Da wir nicht wissen wer er ist, können wir dazu auch keine Meinung äußern. Das Gleiche gilt für andere für tot erklärte Ärzte. […]

Was das Al-Quds anbetrifft, so sagt Tony Sayegh, dass er den Medienberichten nicht glaubt. Vier Jahre zuvor habe es ein solches Krankenhaus in Aleppo nicht gegeben. Was auch immer dort angegriffen wurde, es war keine bekannte Gesundheitseinrichtung. Tony Sayegh glaubt, dass die Bilder eines anonymen Gebäudes mit Sandsäcken darauf hindeuten, dass es eine militärische Einrichtung war.

[…] Ganze Fabriken wurden zerlegt und in die Türkei geschafft. Sie haben alles gestohlen. Seit dem Punkt steht alles auf dem Kopf und es begann eine schwierige Zeit für Aleppo.“ […] Die Plünderung der Fabriken in die Türkei geschah auf Befehl von Herrn Erdogan, dem türkischen Präsidenten.“

[…]

Tony Sayegh: „Nicht Neues. Wir bekommen von den Terroristen unsere tägliche Ration an Bomben und Granaten. Wir wissen nicht ob das zufällig oder absichtlich geschieht, aber es kommen Unschuldige ums Leben, Frauen und Kinder werden getötet. Das wird im Westen nie berichtet.“

[…]

Tony Sayegh: „Wir wissen immer noch nicht, was „gemäßigte Rebellen“ und „Opposition“ bedeutet. Wir verstehen es nicht, wir können sie nicht finden. Es sind Terroristen, die unter verschiedenen Namen operieren, wie Jabhat al-Nusra oder Daesh, und sie werden von den Golfstaaten unterstützt.

[…]

Frage: Wie bekommt man in Syrien Frieden? Was sollte die restliche Welt tun, um Syrien und seiner Bevölkerung zu helfen, aus der Hölle des Krieges zu entfliehen?

Tony Sayegh: „Darauf gebe ich eine kurze Antwort. Lasst uns in Ruhe, vergesst uns!“

Frage: Was meinen Sie damit?

Tony Sayegh: „Nun, es ist für uns notwendig, dass uns die USA, Europa, die Türkei und die Golfstaaten in Ruhe lassen und mit der Unterstützung der Terroristen aufhören.

Blauer-Bote-Artikel vom 1. Mai 2016:

Syrien: Falschmeldung bei “Ärzte ohne Grenzen” – Angriff auf Krankenhaus in Aleppo durch Al Kaida vorgetäuscht

Im syrischen Aleppo wurde angeblich das in den Gebieten der „Rebellenkoalition“ unter Führung der syrischen Al Kaida (Al-Nusra-Front) gelegene Al-Kuds-Krankenhaus bombardiert, „Ärzte ohne Grenzen“, auf die sich die deutschen Medien beziehen, sprechen von 50 Toten. Ein Bombardement – unklar ist, durch wen – mag stattgefunden haben (Vielleicht ein unbeabsichtigtes). Doch die Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ zu dem Vorfall lassen starke Zweifel aufkommen, ebenso wie die Quellen, die von dem Angriff berichten: Ein Mann aus England, der sich „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ nennt, verbreitete die Story, die wiederum auf Berichten von lokalen „Rettungshelfern“ (Tagesschau) beruhen. Bei diesen „Rettungshelfern“ handelt es sich um die der Al Kaida (und dem Westen!) nahestehenden Weißhelme (White Helmets), eine Propagandatruppe gegen die syrische Regierung, die schon des öfteren beim Fälschen von angeblichen Regierungsangriffen mit angeblichen Fassbomben erwischt wurde. Siehe:

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„Ärzte ohne Grenzen“ (Médécins sans Frontièrs, MSF) schreibt in der deutschsprachigen Mitteilung zu dem aktuellen Vorfall, der gerade in den Propagandamedien „rauf- und runtergespielt wird“: „Wer in Syrien in einem Krankenhaus Hilfe sucht, begibt sich in Lebensgefahr. In diesem Jahr wurden bereits elf von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Krankenhäuser bombardiert. Viele Menschen haben ihr Leben verloren. Zuletzt wurden bei einem Luftangriff in Aleppo das Al-Kuds-Krankenhaus und benachbarte Gebäude zerstört, dabei starben mindestens 50 Menschen, darunter sechs Mitarbeiter des Krankenhauses. Die Überlebenden berichten, dass zuerst zwei Fassbomben die angrenzenden Gebäude trafen. Dann explodierte eine dritte Bombe, diesmal gezielt am Eingang der Notaufnahme, also dort, wo sich Ärzte und Pfleger um die Verwundeten kümmerten.“.

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Dieser Bericht der „Überlebenden“ ist – gelinde gesagt – grober Unfug, der offensichtlich auf der üblichen Fassbombenpropaganda beruht und zudem in sich überhaupt nicht stimmig ist. Eine Fassbombe ist eine improvisierte Sprengbombe mit geringer Wirkung, die im Vergleich zu echten militärischen Bomben nur geringe Schäden anrichtet. Die zwei angeblichen Fassbomben auf Nachbargebäude können keine Wirkungstreffer bei der Klinik erzielt haben. Fassbomben, wenn es sie in der Form in Syrien überhaupt gibt, wie behauptet, werden außerdem nicht aus Kampfjets abgeworfen. Bleibt noch die eine Bombe, die angeblich gezielt die Notaufnahmetür traf. Um gleichzeitig Fassbomben abzuwerfen und gezielt den Notaufnahmeeingang mit einer normalen Bombe zu treffen, müssten man schon mit dem Hubschrauber unterwegs sein und das sehr tief, über dem Krankenhaus und in Reichweite der Rebellenwaffen. Das alles klingt insgesamt sehr unplausibel. Genauso unplausibel ist, wie die eine Bombe, die angeblich den Eingang der Notaufnahme traf, das ganze Gebäude zerstören konnte und 50 Menschen tötete. Abgesehen davon kann man es generell die Frage stellen, ob auch ein Kampfflugzeug so einfach in der Lage wäre, gezielt den Eingang der Notaufnahme zu treffen.

Bei der Tagesschau heißt es: „‚Dieser schlimme Angriff hat ein unverzichtbares Krankenhaus in Aleppo und das wichtigste Zentrum für Kinderheilkunde in der Gegend zerstört‘, teilte der MSF-Leiter in Syrien, Muskilda Sankada, mit. Die Al-Kuds-Klinik im Stadtteil Al-Sukari werde von MSF mit medizinischer Ausstattung versorgt. Aktivisten aus der Region sprachen sogar von 50 Todesopfern bei den Angriffen auf die Klinik. Den Rettungshelfern zufolge traf das Bombardement auch umliegende Gebäude, in denen medizinisches Personal untergebracht war. Es würden noch Menschen unter den Trümmern vermisst. Videoaufnahmen zeigten zerstörte Häuserfronten, brennende Gebäude und Helfer, die Leichen und Verletzte wegtrugen.“. In dem im Artikel eingebetteten Video lügt der Sprecher dreist, Russland und Syrien hätten in der Vergangenheit immer wieder Kliniken in Syrien bombardiert.

Diese ganzen Angaben zu dem (angeblichen) Angriff auf das Krankenhaus kommen von den „örtlichen Rettungshelfern“, den White Helmets, und den dieses Gebiet beherrschenden Rebellen in einer Koalition aus Al Kaida, weiteren „Kopfabschneider-Islamisten“ und einigen wenigen CIA-ausgebildeten Kämpfern! Gegründet hat die „propagandalügende Rettungshelfertruppe“ James Le Mesurier – nach eigenen Aussagen „1. Trainer“ von Syria Civil Defence / The White Helmets – der laut diesem Al-Jazeera-Interview zufällig 2013 in der Gegend war (Türkei) und spontan spontanen syrischen Freiwilligen half, eine schlagkräftige Truppe aufzubauen. Sein Twittername @USARinwar spricht sich – natürlich ist das völlig unabhängig von seiner humanitären Mission – übrigens „USA are in war“ aus, das heißt „Die USA sind im Krieg“.

usarinwar

Interessant auch ein Zitat zu den White Helmets aus einem englischsprachigen Artikel: “The trainees are said to be ‘nonpartisan’ but only work in rebel-controlled areas of Idlib (now controlled by Nusra/Al Queda) and Aleppo. There are widely divergent claims regarding the number of people trained by the White Helmets and the number of people rescued. The numbers are probably highly exaggerated especially since rebel-controlled territories have few civilians. A doctor who recently served in a rebel-controlled area of Aleppo described it as a ghost town. The White Helmets work primarily with the rebel group Jabat al Nusra (Al Queda in Syria). Video of the recent alleged chlorine gas attacks starts with the White Helmet logo and continues with the logo of Nusra. In reality, White Helmets is a small rescue team for Nusra/Al Queda.”

Die Angaben zu dem Vorfall in Aleppo (Es mag einen Treffer gegeben haben oder auch nicht, aber sicher nicht in der genannten Art.) kommen nicht ursprünglich von MSF/“Ärzte ohne Grenzen“, wie es die meisten Nachrichtenmeldungen hierzu suggerieren, sondern von diesen mit der NATO (USA, UK, Türkei) verbündeten White Helmets, die ausschließlich in den Al-Kaida-CIA-Rebellen-Gebieten aktiv sind und keinesfalls neutral sind! Man beachte beispielsweise auch das schon angesprochene Tagesschau-Video dazu, in dem ständig diese White Helmets herumspringen und das (dessen Videomaterial) offensichtlich von ihnen oder anderen örtlichen „Offiziellen“ produziert wurde. Und das, was MSF da weitergibt (siehe oben) ist offensichtlich Schwachsinn. So kann es mit Sicherheit nicht gewesen sein. Und MSF gibt das wieder, was die „örtlichen Rettungshelfer“ berichtet haben, auf deren Angaben der ganze aktuelle Propagandazirkus beruht! Die westlichen Medien wiederum schreien dann „Ärzte ohne Grenzen“ und stellen die syrische Regierung an den Pranger. Al Kaida steuert mit Hilfe der USA die westlichen Medien, könnte man sagen … Oder umgekehrt.

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Vor einigen Monaten hatten die USA ein Krankenhaus der „Ärzte ohne Grenzen“ im afghanischen Kundus in Schutt und Asche gelegt. Hier kamen etwas weniger als 50 Menschen ums Leben, obwohl nicht nur der Notambulanzeingang getroffen wurde und das Krankenhaus in mehreren Wellen mit Raketen und sogar noch der Bordkanone des angreifenden Gunships angegriffen wurde. Nach einigen Ausreden musste US-Präsident Obama den Angriff einige Tage danach zugeben. MSF drängt seitdem auf eine unabhängige Untersuchung des Kriegsverbrechens, die USA wiegelt ab, spricht von einem Versehen und will das Ganze intern klären.

Perverserweise könnte ausgerechnet dieses Kriegsverbrechen des US-Militärs in Afghanistan letztlich dazu geführt haben, dass MSF sich in Syrien genötigt fühlt, die Propaganda der „USA-Al-Kaida-Koalition“ 1:1 weiterzureichen: Würde MSF das nicht tun (weil die Angaben aus Syrien überhaupt nicht nachprüfbar sind und aus unseriösen und schon des Öfteren beim Lügen erwischten Quellen – siehe Bild ganz oben – stammen), stünden Vorwürfe im Raum, man sei parteiisch und würde sich nur gegen das Bombardement in Afghanistan aussprechen (gegen die USA), nicht aber gegen (Pseudo-) Ähnliches in Syrien. Ein Vorwurf, den sich MSF nicht leisten kann, will es in den Krisengebieten dieser Welt und unter der strengen Wacht des weltweiten Kriegsbetreibers USA als neutral gelten.

Interessant ist auch, das der offensichtlich der westlichen Propaganda nicht abgeneigte deutsche MSF-Sprecher in dem Tagesschau-Video nicht das Kundus-Bombardement durch die USA anspricht (im Gegensatz zur internationalen Sektion, die ständig zurecht darauf hinweist). Er spricht lediglich das Bombardement in Jemen an. Bereits in den letzten Monaten hatte sich immer wieder gezeigt, dass gerade die deutsche MSF-Sektion immer wieder westliche Propaganda betreibt und dazu Angaben dubioser syrischer Quellen völlig ungeprüft durchreicht. Dass Teile von MSF wie viele andere „internationale“ Hilfsorganisationen auch und gerade beim Thema Syrien „westlich-propagandistisch unterwandert“ sind, sollte hier auch nicht verschwiegen werden.

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UPDATE vom 2.5.2016:

Die russischen englischsprachigen Sputnik News über gefälschte „Beweise“ der Weißhelme: „Homs Airstrike: White Helmets Caught Faking Syria Casualties Report“ (mit Bildnachweis).

UPDATE vom 2.5.2016:

Daily Press Briefing der US-Regierung vom 27. April 2016 (vor fünf Tagen): Die USA unterstützt die White Helmets mit 23 Millionen Dollar („Well, I can tell you that we provide, through USAID, about $23 million in assistance to them.“) und der Chef der White Helmets durfte wegen Terrorismusverdacht nicht in die USA einreisen (Offenbar wusste eine US-Behörde nicht, was die andere tut). Nachzulesen auf der Website der US-Regierung: Mark C. Toner, Deputy Spokesperson, Daily Press Briefing, Washington, DC. April 27, 2016. „I mean, this just seems bizarre to me. You’re giving this guy and his group $23 million. Yes, they do good work, they save lives, but you’ve revoked his visa for some reason and you won’t say why and it just doesn’t make any sense. Why is the U.S. taxpayer supporting a group whose leader you have banned from coming to the States?“.

Okay, und auf Basis der White-Helmets-Videos zu dem (angeblichen oder tatsächlich versehentlichen oder als False Flag durchgeführten) Krankenhausangriff macht der Westen und insbesondere die USA jetzt gerade Politik …