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Von Sicherheitsdienst abgeriegelt: XXXL MannMobilia wirft komplette Belegschaft raus

Der in Mannheim angesiedelte Verwaltungsbereich der Möbelhauskette XXXLutz (XXXL MannMobilia) wurde am frühen Montagmorgen komplett durch einen privaten Sicherheitsdienst abgeriegelt. Den 99 Angestellten wurde der Zugang zum Gebäude durch die von der Unternehmensleitung beauftragten Sicherheitsleute verwehrt. Die Mitarbeiter sollen laut Geschäftsführung nicht mehr für das Unternehmen arbeiten. Offiziell gekündigt wurde ihnen (noch) nicht. Das ganze geschah ohne jegliche Vorwarnung. Niemand aus der so rabiat „dichtgemachten“ Mannheimer Verwaltungsbelegschaft wusste bescheid, der zuständige Betriebsrat oder die Gewerkschaft natürlich auch nicht. Das Vorgehen wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Erosion von Arbeitnehmerrechten, die mit dem TTIP-Abkommen dann noch wesentlich stärker zunehmen dürfte.

„Als Mitarbeiter des Zentrallagers der Tochterfirma Mann-Mobilia am Montagmorgen ihre Arbeit antreten wollten, standen sie vor verschlossenen Türen. Man brauche sie nicht mehr, habe es geheißen. Einige der 99 betroffenen Angestellten berichteten, Sicherheitsleute hätten ihnen den Eintritt zu den Büros verwehrt, in denen sie teilweise seit 20 oder 30 Jahren gearbeitet hatten. Ein Schreiben bekamen sie stattdessen in die Hand gedrückt und wurden wieder in die Kälte hinausgeschickt: „Hiermit werden Sie ab 1. Februar 2016 bis auf weiteres widerruflich von der Verpflichtung der Arbeitsleistung freigestellt.“ Die Kündigung wird wohl alsbald nachgereicht.“, schreibt die Süddeutsche Zeitung in dem Artikel „Einfach ausgesperrt„.

Der SWR berichtet („XXXL Skandal in Mannheimer Möbelhaus. Mitarbeiter protestieren vor Standort„) zu den Vorgängen unter anderem Folgendes: „‚Wir sind Menschen, wir brauchen Arbeitsplätze‘, riefen die Mitarbeiter laut einem ver.di-Sprecher vor dem Möbelhaus, in dem aktuell Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat laufen. Nach kurzer Zeit sei ein Vertreter der Lagerleitung erschienen und habe die Demonstranten vom Gelände verwiesen, so der Sprecher weiter. Die Proteste wurden daraufhin auf dem Bürgersteig vor dem Möbelhaus weitergeführt. Unterdessen wurde bekannt, dass der Betriebsrat seine Büros im Möbelhaus räumen und in andere Räumlichkeiten abseits des Geländes umziehen muss. ‚Eine Schweinerei‘, kommentierte der ver.di-Sprecher. Der Betriebsrat müsse am Standort bleiben, um für die Mitarbeiter da zu sein. Dies sei eine weitere Eskalation, der Skandal weite sich deutlich aus.“.

Bei den Stuttgart Nachrichten („XXXL-Möbelgeschäft in Mannheim. Verdi will gegen Freistellung vorgehen„) heißt es: „Verdi will rechtlich gegen den Schritt vorgehen. ‚Das kommt völlig unerwartet‘, sagt Krüger und weist auf eine Betriebsvereinbarung über eine Standortsicherung hin, wonach die Arbeitsplätze eigentlich bis Ende 2016 erhalten bleiben sollten. ‚Das Unternehmen zieht das jetzt in Zweifel‘, sagt Krüger. Die Voraussetzungen für eine Sicherung seien entfallen. ‚Solange es aber die Betriebsvereinbarung gibt, kann es keine Entlassungen geben‘, ergänzt Krüger. Auf eine Anfrage der Stuttgarter Zeitung bei XXXL, sagt ein Pressesprecher: ‚Die Standortsicherung war an die Erfüllung gewisser Leistungskriterien geknüpft. Dem Betriebsrat ist seit geraumer Zeit bekannt, dass diese Kriterien trotz erheblicher Anstrengungen nicht eingehalten werden konnten.‘.

Der Mannheimer Morgen titelt: „‚Mitarbeiter  wie Diebe vom  Hof gejagt‘„. Dort heißt es: „Eigentlich dachte Manuela M. (Name geändert), es würde ein ganz normaler Montag werden. Die Mitarbeiterin des Möbelanbieters XXXL Mann Mobilia in Mannheim ist gestern Morgen auf dem Weg zur Arbeit, als eine Kollegin auf dem Handy anruft – und plötzlich alles anders ist. ‚Die lassen uns nicht an unsere Arbeitsplätze, wir sollen wieder nach Hause‘, erzählt die Kollegin völlig aufgelöst. ‚Ich dachte zuerst, das ist ein Scherz‘, sagt M. […] ‚Die meisten haben geweint‘, sagt die Mitarbeiterin. ‚Es war furchterregend. Da standen Security-Leute. Wir durften nur kurz unsere persönlichen Sachen holen, dann mussten wir das Gebäude wieder verlassen.'“.

 

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2 Kommentare

  1. So lange es Leutegibt, die solch einen Laden unterstützen, habe ich keinen Respekt. Man sollte von Seiten der Stadt überprüfen was man rechtlich dagegen setzen kann. Man darf nicht immer nur die Kohlrn sehn, die diese Firmen einbringen

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