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Keine Hooligans bei der Russland-WM

In Russland findet zur Zeit die Fußballweltmeisterschaft 2018 statt. Bei der letzten Fußballeuropameisterschaft in Frankreich (2016) wurden russische Hooligans in den westlichen Medien als riesiges Problem inszeniert. Insbesondere aus Marseille wurden Gewaltszenen gemeldet. Bei der aktuellen Fußball-WM im Herkunftsland dieser russischen Hooligans hört man allerdings nichts von Hooliganproblemen. 

Man kann sicher sein, dass unsere Presse sofort, ausführlich und garantiert maximal parteilich und manipulativ über Ausschreitungen von (russischen) Schlägern im Fußball-WM-Umfeld berichten würde. Tatsächlich gibt es aber solche Probleme offenbar nicht. Russland schafft es also, während der Weltmeisterschaft keine Hooliganproblematik aufkommen zu lassen. Das sollte man einmal wieder zum Anlass nehmen, zu fragen, warum dies alles angeblich bei der Fußball-EM 2016 für die Franzosen ein Problem war.

Tatsächlich ließ man das EM-Spiel England gegen Russland ausgerechnet in Marseille stattfinden, wo es achtzehn Jahre zuvor bei der Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich schwere Ausschreitungen zwischen Engländern und Franzosen gegeben hatte. Auch 2016 gab es schwere Ausschreitungen (was klar war, denn die Hools aller Parteien hatten Rache geschworen), die Polizei wollte offensichtlich nicht den Spuk beenden und unsere Medien schnitten die Berichte zu den Ausschreitungen so, dass die Russen vorgeblich eine maximale Schuld traf.

Also: a) EM-Hochrisikospiel so angesetzt, dass es knallen muss. b) Die möglichen Gewalttäter 2016 nicht „neutralisiert“, wie es in der vorgeblichen Hooliganhochburg Russland 2018 offenbar heute während der WM problemlos möglich ist. c) Maximal von den „bedauerlichen Fehlern“ a) und b) profitiert, indem die Propaganda gegen den Russen im Gegensatz zur Bekämpfung des Hooliganproblems wieder einmal ganz hervorragend und professionell funktionierte. Das zeigt die Prioritäten.

Aus diesem gegebenen Anlaß hier noch einmal ein Blauer-Bote-Artikel aus dem Jahre 2016, der die wesentlichen Fakten zu dem Hooligan-Problem 2016 und dem Umgang der Medien damit enthält:

Hooliganausschreitungen in Marseille: ARD und ZDF manipulierten Berichte, fälschten Videos

Die Propagandaschau: „ARD und ZDF manipulieren Berichte über Fankrawalle um Russland einseitig zu diffamieren„. Es geht um die schweren Prügeleien in Marseille zwischen englischen, französischen und russischen Hooligans (Claus Kleber gestern im ZDF in der Halbzeitpause: „Die Russen waren die Schlimmsten“) während der Fußballeuropameisterschaft, die insbesondere wegen der Vorgeschichte von vor 18 Jahren (WM 1998, Schlägereien zwischen Engländern und Franzosen bei der „Schande von Marseille“) so eskalierten, wie beispielsweise Kicker und Welt Online bereits im Vorfeld des EM-Spiels Russland-England berichteten: „Gestern die zweite ‚Schande von Marseille‘: Bereits vor 18 Jahren Hooligan-Ausschreitungen in Marseille„. 2016 schnitten ARD und ZDF nachweisbar Videos der Prügeleien in Marseille so, dass die englischen Hools als Opfer der Russenschläger erscheinen und nicht als mindestens „gleichberechtigte“ Gewalttäter. Zitat aus der Propagandaschau zu einem Originalvideo aus Marseille und dem, was das ZDF daraus machte:

„Man sieht, was das ZDF nicht zeigt, wie die Engländer Flaschen und Stühle schmeißend aus der Seitenstraße zur Hauptstraße stürmen. Allen voran ein dicker rotgekleideter Hool – das spätere „Opfer“. Dass ein Russe überhaupt einen Stuhl in die Hände bekommt, ist den Engländern zu verdanken, die diesen zuvor Richtung Russen warfen. Diese Russen sind zunächst in der Unterzahl, prügeln sich aber dennoch in kürzester Zeit in die Straße hinein und der dicke Engländer wird niedergemacht, wie das unter diesem Gesocks halt üblich ist. Mitleid jeglicher Art ist hier fehl am Platze. Es gibt in dieser Szene weder Opfer noch Täter, weil alle, die sich hier prügeln, sich prügeln wollen. Jeder könnte hier jederzeit das „Schlachtfeld“ verlassen. Wenn der Engländer nicht tot oder querschnittsgelähmt ist, steht er schon morgen wieder in der Kneipe und prahlt damit, wie er es den Russen bei der „Schlacht um Marseille“ gezeigt hat. Dieses Denken, wie es auch in einem Interview von AfP mit einem russischen Hool zum Ausdruck kommt, teilen alle Hooligans. Wichtig ist vielmehr, dass auch hier erneut vom ZDF manipulatorisch und vorsätzlich geschnitten wurde, um die englischen Schläger als Opfer darzustellen. […]“.

Hier noch einmal die Artikel von Kicker und Welt zur Vorgeschichte der Ausschreitungen in Marseille (Link plus Zitate aus den Artikeln):

England und Marseille: Und wieder kracht es“, Artikel des Kicker. “Die Erinnerungen an Marseille und die WM 1998 waren nicht gut. Und schon am Vorabend der EM 2016 haben sich Bedenken der englischen Fanbetreuer bestätigt, dass es rund um den Auftritt ihrer Nationalmannschaft in der südfranzösischen Hafenstadt wieder zu Ausschreitungen kommen könnte. Experten wünschen sich ein Sicherheitskonzept wie bei der WM 2006. […] Damit ähneln die aktuellen Bilder denen von 1998. Damals griffen Jugendliche überwiegend nordafrikanischer Abstammung das Public Viewing am Strand an, unmittelbar nachdem Alan Shearer den Führungstreffer gegen Tunesien erzielt hatte. In der Folge lieferten sich englische Hooligans mit der Polizei und einheimischen Gewaltsuchenden stundenlange, wüste Jagdszenen […] Krimineller erlangte als ‘Schwein von Marseille’ besonders traurige Berühmtheit. […] Fanbetreuer wie Kevin Miles, der Länderspiele seit mehr als zwei Jahrzenten begleitet und Englands früheren Premierminister Tony Blair beriet, hatten im Vorfeld bereits gewarnt, dass Marseille ein denkbar ungünstiger Austragungsort für ein englisches EM-Spiel sei.”.

Die blutigen Nächte von Marseille haben viele Schuldige“, Artikel von Welt Online. “Am Donnerstag hatte die Auseinandersetzung begonnen, als vermummte Hooligans von Olympique Marseille die von englischen Fans besuchten Kneipen im Hafenviertel stürmten und wild um sich schlugen. Das bestätigen mittlerweile auch französische Sicherheitsbehörden. Ein detailliert geplanter Angriff, dessen Ursache 18 Jahre zurückliegt. Am 15. Juni 1998 siegte England bei der WM in Marseille mit 2:0 gegen Tunesien. Bereits während der Partie überfielen Jugendliche die Fan-Zone und damit jene englischen Fans, die keine Karte für das Stade Velodrome bekommen hatten. Die ‘Schande von Marseille’ hatte ihren Anfang genommen. Unterstützt von den Fans aus dem Stadion, schlugen die Engländer später zurück. Marseille erlebte eine blutige Nacht mit vielen Verletzten auf beiden Seiten. Wunden, die bis heute nicht verheilt sind. […] Am Freitag war ein mit englischen Fans besetztes Hafenrestaurant mit Leuchtspurmunition beschossen worden. Zeitgleich attackierten Briten Marseiller Jugendliche. Etwa zwei Stunden langen spielten sich Szenen wie im Bürgerkrieg ab.”.

Die Verurteilung der russischen Mannschaft durch die UEFA wegen Fanausschreitungen von Russen bezog sich übrigens auf die Ereignisse im Stadion nach dem Spiel auf den Rängen – hier hatten offensichtlich nur einige russische Schläger Karten, aber keine Hooligans der Engländer – und nicht auf die Vorkommnisse im Hafenviertel von Marseille. Auch das wurden bei einigen Medien in der Berichterstattung merkwürdig vermischt oder unklar dargestellt. Die englische Mannschaft wurde nicht bestraft, weil von den englische Fans im Stadion keine Gewalt ausging.

UPDATE: Wow, das ist unglaublich. Heute haben in Lille englische Fans (England spielt erst morgen, heute waren Russland und die Slowakei dran) randaliert und russische offenbar nicht und die Tagesschau schreibt in dem Artikel „Nach Russland – Slowakei. Englische Fans randalieren in Lille“ folgendes in der Einleitung: „In Lille hat es wieder Randale gegeben – dieses Mal von englischen Fans. Insgesamt nahm die Polizei 16 Menschen fest. Zudem wurden drei Fußball-Anhänger ausgewiesen. Zuvor hatte sich Moskau verärgert gezeigt über die Festnahmen russischer Fans – und den französischen Botschafter einbestellt.“. „Dieses Mal von englischen Fans„, so als ob die in Marseille nicht beteiligt gewesen wären … Die oben genannten Artikel von Kicker und Welt (und andere) sprechen definitiv von Ausschreitungen von Engländern schon vor dem Spieltag, in Berichten vom Spieltag ist von Ausschreitungen von Engländern die Rede (natürlich auch von Russen, auch von Franzosen) und Videos zeigen prügelnde Engländer. Es ist absolut unstrittig, dass es Randale von allen Seiten gab. Dass die UEFA das russische Team wegen der Ausschreitungen im Stadion verwarnte, heißt doch überhaupt nicht, dass es lediglich Ausschreitungen von Seiten der Russen außerhalb des Stadions gab oder diese Ausschreitungen federführend von diesen ausgingen. Die oben erwähnten Artikel berichten ja gerade, dass Franzosen und Engländer hier maßgeblich beteiligt waren.

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