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„Wir wissen, wo Deine Kinder wohnen“

2002 drohte die US-Regierung dem damaligen Chef der Internationalen Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bei den Vorbereitungen des Angriffs auf den Irak mit der Ermordung seiner Kinder. Die Drohung wurde von John Bolton geäußert, der damals Teil der Mannschaft von US-Präsident George W. Bush war. Seit dem 9. April 2018 ist Bolton Nationaler Sicherheitsberater für Präsident Donald Trump. Am 12. Mai trat der Chefinspekteur der Internationalen Atomenergiebehörde überraschend zurück. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die USA nichts mehr von dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran wissen wollen.

2002 war der Brasilianer José Bustani Generaldirektor der OPCW. Er wurde von der damaligen US-Regierung massiv unter Druck gesetzt, von seinem Amt zurück zu treten – obwohl er erst zwei Jahre zuvor in dieses Amt gewählt wurde. Sein „Vergehen“ aus Sicht der US-Regierung war, dass er mit dem Irak unter Präsident Saddam Hussein darüber verhandelte, OPCW-Waffeninspektoren unangemeldete Besuche in dem Land zu erlauben. Diese Deeskalationsmaßnahme wiederum untergrub die Regime-Change-Bestrebungen der USA im Irak. Ein Jahr später machten bekanntermaßen US-Außenminister Colin Powell und Co mit billig gefälschten „Chemiewaffenbeweisen“ den Weg für die Irakinvasion frei.

Als Bustani 2002 nicht spurte, griff die US-Regierung im März 2002 zu „Maßnahmen“, durchgeführt von John Bolton. The Intercept berichtet: „Bolton nahm kein Blatt vor den Mund. ‚Cheney will Sie raushaben‘, erinnert sich Bustani an Boltons Worte, die sich auf den damaligen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten bezogen. ‚Wir können Ihren Management-Stil nicht akzeptieren.‘. Bustanis Erinnerungen zufolge legte Bolton weiter nach: ‚Sie haben 24 Stunden, um die Organisation zu verlassen und wenn Sie sich nicht an diese Entscheidung aus Washington halten, haben wir Wege , uns an Ihnen zu rächen‘. Dann gab es eine Pause. ‚Wir wissen, wo Ihre Kinder leben. Sie haben zwei Söhne in New York.“.

Bustani trat dennoch nicht zurück. Bis Mitte 2002 hatte es Bolton dennoch geschafft, den OPCW-Generaldirektor abzusägen. Interessanterweise weisen Beobachter im Mai 2018 drauf hin, dass der Chefinspektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Tero Varjoranta, kurz nach dem Amtsantritt von eben jenem John Bolton als Mitglied der Regierungsmannschaft von Donald Trump zurückgetreten ist.

„Der Chefinspekteur der Internationalen Atomenergiebehörde ist überraschend zurückgetreten. Der Schritt erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt – die USA haben sich aus dem Atomabkommen mit dem Iran verabschiedet. (…) Die IAEA kontrolliert seit dem Atom-Abkommen mit dem Iran 2015 in besonders strikter Form die Einhaltung aller Vorschriften. Sie sollen verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut. Varjoranta galt als hoch angesehener Experte.“, heißt es zu dem Rücktritt in den Medien.

John Bolton gilt als Falke und setzt sich stark für einen – selbstverständlich völkerrechtswidrigen – Sturz der iranischen Regierung ein. Allerdings hatten die USA auch schon vor seiner Amtzeit als Nationaler Sicherheitsberater ihre dahingehenden Bemühungen intensiviert. So hatten sich im Laufe des Jahres 2017 immer wieder US-Senatoren und Regierungsmitarbeiter mit Kämpfern der iranischen Terrorgruppe MEK getroffen. Die MEK lieferte passenderweise Propagandamaterial für die westlichen Medien zu den aufgebauschten angeblichen Unruhen im Iran im Januar 2018. Auch aktuelle Entwicklungen in Syrien und angrenzenden Ländern sind gegen den Iran gerichtet.

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3 Kommentare

  1. Dass der Chefinspekteur der IAEA Tero Varjoranta den amerikanischen Falken nicht passte könnte einfach schon an der Pressemitteilung vom 12. Mai liegen:
    „Die IAEA hat keine glaubwürdigen Hinweise auf Aktivitäten im Iran nach 2009, die für die Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers relevant sind“.
    Damit wird die „Begründung“ von Trumps Aufkündigung gegenstandslos.
    „You are either with us or against us“ könnte Bolton’s Stil sein. Schönen Gruß von der Mafia.

  2. Was sehen Länder wie Nordkorea? Beispielsweise ein Libyen, das auf Nuklearwaffen verzichtete, weil der Westen (nach entsprechendem Drohen) „Freundschaft“ anbot. „Freundschaft“, die sieben Jahre später obsolet war und deren Früchte noch heute bewundert werden können – vom Land mit den besten sozialen Leistungen in Afrika zum Failed State.

    Wenn die USA solche Verträge platzen lassen, macht das ihre Glaubwürdigkeit nicht besser. Solche Infos wie hier im Artikel sind dann quasi das Sahnehäubchen oben drauf. Ein nordkoreanischer Diktator (oder auch nicht, ich war nie da und weiß nicht mehr, was ich glauben soll) muss ja masochistisch veranlagt sein, würde er abrüsten. Und das gilt im Prinzip für alle Länder, bei denen die USA nach gusto den Daumen senken, und irgendwelche Achsen des Bösen beschließen.

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