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Israelischer Geheimdienst droht Flaggenverbrennern

Arye Sharuz Shalicar, ehemaliger Berliner Hiphopper, ehemaliger Sprecher des israelischen Militärs sowie aktuell hochrangiges Mitglied des israelischen Geheimdienstes und Gastautor bei der neokonservativ-neoliberal-rechtsextremen „Achse des Guten“ ließ am 15. Dezember 2017 via Facebook folgendes verlauten: „BITTE TEILEN! Die Message dieses Artikels geht auch raus an all diejenigen in Deutschland, die denken, dass sie den Davidstern öffentlich verbrennen können, ohne dafür bestraft zu werden. WIR wissen WER ihr seid, WO ihr seid und Wie WIR EUCH zur Rechenschaft ziehen können. WIR bestimmen Zeitpunkt und Ort. Lebt mit der Angst!“. Dabei verwies er auf einen Artikel von WELT mit dem Titel: „Als Palästinenser verkleidet zogen israelische Polizisten ihre Waffen„.

[Nachtrag vom 19.12.: Shalicar hat den entsprechenden Facebook-Post heute im Laufe des Tages gelöscht.]

Shalicar, Sohn iranischer Eltern, arbeitet aktuell für das israelische Ministerium für Nachrichten- und Geheimdienste, Militärnachrichtendienst und Militärgeheimdienst. Wikipedia schreibt zu Shalicar unter anderem Folgendes: „Arye Sharuz Shalicar (hebräisch אריה שרוז שליקר; geboren 13. August 1977 in Göttingen[1]) ist ein deutsch-israelischer Politologe, Buchautor und Offizier. Der ehemalige Hip-Hop-Musiker diente seit 2009 als Presseoffizier bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften und bekleidete zuletzt den Rang eines Majors. Jetzt ist er Mitarbeiter der israelischen Regierung im Ministerium für Nachrichtendienst. […]

Bereits seit 2006 war er für die Jewish Agency tätig und arbeitete auch für das Nahoststudio der ARD in Tel Aviv. Shalicar begann seinen Wehrdienst bei den Israelischen Streitkräfte im Jahr 2001 bei einer Unterstützungseinheit der Fallschirmjäger. Von Oktober 2009 bis Anfang 2017 war er einer von vier Pressesprechern der israelischen Armee. Seit 2017 arbeitet er im Ministerium für Nachrichtendienst in Jerusalem. Dort ist er Abteilungsleiter des Bereichs internationale Beziehungen.[7] Seit Herbst 2017 schreibt er auch Gastbeiträge auf der Achse des Guten.“.

Die Aussagen des ausländischen Geheimdienstmannes könnten von den Betroffenen durchaus als Morddrohung verstanden werden. Nach deutschem Recht ist der Art der angedrohten Gewalt oder Maßnahmen bezüglich der Illegalität der Aussagen allerdings ohnehin mehr oder weniger egal, denn ausländische Agententätigkeit in Deutschland an und für sich ist laut Strafgesetzbuch verboten. Dass ausländische Geheimdienste sich das Gewaltmonopol der Bundesrepublik Deutschland klauen und eine Art fremdstaatliche Lynchjustiz im Geltungsbereich des Grundgesetzes etablieren wollen, natürlich auch.

Nachtrag vom 19.12. zu den Ereignissen rund um die Flaggenverbrennung: Offenbar erfand eine Zeitung einfach mal ein bißchen was dazu, wie Übermedien recherchierte:

Nachtrag vom 19.12.: Shalicar hat den entsprechenden Facebook-Post heute im Laufe des Tages kommentarlos gelöscht, wie Russia Today soeben berichtete.